Wer darf bleiben, wer muss gehen? Bei den Betreibern der kleinen Geschäfte im südlichen Teil des Iller-Centers im Norden von Senden herrscht derzeit eine gewisse Verunsicherung. Grund sind aktuelle Planungen für einen umfassenden Umbau des Gebäudes, welches teils der Ulmer Drogeriemarktkette Müller gehört, und teils dem auf der Kanalinsel Jersey gemeldeten Investmentfonds German Retail Box. Bislang war nur bekannt, dass der Fonds, der sich von der Firma Prime Management aus Düsseldorf vertreten lässt, den bisherigen Modepark Röther in vier kleinere Geschäfte aufteilen und auf der Westseite der Mall anbauen will. Doch nun zeichnet sich ab, dass möglicherweise der ganz große Wurf im Sendener Einkaufszentrum gelingen könnte. Wenn denn die Stadt mitspielt.

Diese hat jüngst eine Überarbeitung des für die Handelsflächen gültigen Bebauungsplan angestoßen. Außerdem ist ein Einzelhandelskonzept in Arbeit. Dieses soll, so Bürgermeister Raphael Bögge, "eine sortimentsbezogene Steuerung" ermöglichen und negative Auswirkungen auf den innerstädtischen Handel vermeiden. Folglich stufte die Stadtverwaltung das Vorhaben von Prime wegen "der Erweiterung der vorhandenen Verkaufsfläche" als "kritisch" ein, als sie es am Dienstag dem Bauausschuss des Stadtrates vorlegte. Dieser beschloss bei drei Gegenstimmen, das Landratsamt zu bitten, die Bauvoranfrage zurückzustellen, bis die in Auftrag gegebenen Planungen fertig sind.

Das klingt für Prime erstmal nicht sonderlich gut, zumal die Düsseldorfer betonen, die Verkaufsfläche vergrößere sich unterm Strich gar nicht: Weil der etwa 8000 Quadratmeter große Modeparkes zerteilt wird und dort zudem die heute bestehende Galerie, also sozusagen der erste Stock im Modepark, abgebrochen werden soll. Doch andererseits sehen die Immobilienprofis ihrerseits auch noch Abstimmungsbedarf - vor allem mit dem Partner und Flächen-Nachbar Müller.

Nach Auskunft der Immobilienentwickler von Mittwoch an, habe es bereits Anfang Februar ein Gespräch mit Müller gegeben. Daraufhin hätten die Verantwortlichen in der Immobilien-Abteilung der Drogeriemarktekette ihre Planung zwar konkretisiert, dennoch habe der Bauausschuss offenbar noch nicht beurteilen können, wie die beiden Vorhaben zueinander passen. Der nächste Abstimmungstermin sei für Anfang kommender Woche in Düsseldorf vorgesehen. Es sei beabsichtigt, dem Sendener Bauausschuss für seine nächste Sitzung im März ein abgestimmtes Konzept vorzulegen. Dann solle auch aufgezeigt werden, mit welchen Mietern die neuen Ladenflächen konkret belegt werden sollen. Man wolle eine "konsensualen Lösung" sowohl mit der Stadt wie auch mit dem Grundstücksnachbarn Müller erzielen.

Wie Prime bereits durchblicken lässt, sollen die im Iller-Center vorhandenen Mieter - ausgenommen Modepark Röther - möglichst beibehalten werden. So ist offenbar geplant, dem Einrichtungsgeschäft Depot eine größere Fläche zu geben. Prime weiter: Es sei beabsichtigt, schwerpunktmäßig Mieter aus dem Bereich Mode/Textilien neu anzusiedeln. Ob es in dieser Branche Interesse am Standort Senden gibt, sei allerdings noch nicht klar. Wenn auch die Zukunft in den Sternen steht, so sind die Bauarbeiten wohl bereits terminiert: Wie die Düsseldorfer weiter berichten, sollen auf der Röther-Fläche nach der Räumung des Geschäfts im März gleich mit dem Rückbau und der Entkernung des Gebäudes begonnen werden. Ein Bauantrag könne dann kurzfristig gestellt werden, sobald über die wesentlichen Inhalte Einigkeit besteht. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, würde mit dem Neubau begonnen werden. Die neuen Geschäfte sollen im Frühjahr 2017 eröffnet werden.

Fraglich ist, ob die Stadt da mitzieht. Denn das Einzelhandelskonzept soll erst im zweiten Quartal dieses Jahres fertiggestellt werden. "Und bis dahin", sagte gestern schon einer der Stadträte, "müssen die sich jetzt eben gedulden".

Von Müller wollte am Mittwoch niemand zu den Planungen Stellung nehmen. Wie zu hören ist, soll das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarn in dem Handelskomplex nicht sonderlich gut sein. Zumal die ersten Pläne von Prime vorsahen, die innenliegende Ladenstraße zu kappen. Dann hätten die Kunden von Norden nicht mehr zu den Geschäften im Müller-Teil des Centers gelangen können.

Einzelhandelskonzept bremst auch Aldi erstmal aus

Befürchtungen Senden ist eine Handelsstadt, produzierendes Gewerbe ist unterrepräsentiert. Um das zu ändern und zudem dem innerstädtischen Handel eine Chance einzuräumen, lässt die Stadt derzeit ein Einzelhandelskonzept erarbeiten. Bürgermeister Raphael Bögge betont gleichwohl: "Ich stehe hinter dem Einzelhandelsstandort Senden." Dennoch gibt es auch kritische Stimmen, die eine Schwächung der Sendener Handelsstärke befürchten. Der neue Sendener Weg hat am Dienstag auch den Discounter Aldi getroffen. Den Antrag auf Erweiterung der Filiale an der Danziger Straße um 251 Quadratmeter Nutzfläche verwies der Bauausschuss ebenfalls ans Landratsamt weiter mit der Bitte, diesen zurückzustellen. "Durch das Vorhaben wird die Durchführung der Planung wesentlich erschwert", heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.