Elchingen Das Glück als Hobby

ADRIENNE BILITZA 02.07.2013
Sie basteln bunte Postkarten und kaufen Briefmarken im 100er-Pack: Leute, die in ihrer Freizeit an Preisausschreiben teilnehmen. Auch Sabine Garn aus Elchingen gewinnt gerne. Sie hat das Glück als Hobby.

Jedes Mal, wenn der Postbote an der Tür klingelt, macht das Herz von Sabine Garn einen Sprung. Was bringt er heute? Ein großes Paket? Ein kleines Päckchen? Oder einen Gutschein im Briefumschlag? Die Elchingerin hat ein tolles Hobby: Sie ist eine Gewinnerin. In ihrer Freizeit durchforstet sie Zeitschriften nach Preisausschreiben, füllt Teilnahmescheine aus, verschickt Postkarten. Mein Haus, mein Auto, mein Boot? Fast. Mit allem, was sie bisher gewonnen hat, könnte Garn einige Kinder- und Badezimmer, Küchen und Gärten füllen, von zahlreichen Eintrittskarten, Gutscheinen und Reisen mal abgesehen.

Doch wie wird man Gewinnerin? Muss man einfach nur ein Glückspilz sein oder hat das Gewinnen System? "Ich mache meistens bei Spielen in Supermarkt-Prospekten mit", erzählt die 47-Jährige. "Häufig gibt es auch beim Einkaufen Teilnahmekarten." Die füllt sie aus: auf sich, ihren Mann, ihre Kinder, die Eltern. Postkarten bastelt sie selbst aus buntem Karton und verziert sie mit Aufklebern. Garn verschickt ungefähr hundert Karten im Monat. Damit sie den Überblick behält, notiert sie, wie viele sie wohin versendet und trägt den jeweiligen Teilnahmeschluss in den Kalender ein. Auch für das Karten-Gewinn-Verhältnis hat sie eine Liste. 2012: 1271 Postkarten abgeschickt, 24 Gewinne erhalten, steht darauf. 2004 hat sie bei 328 Karten 5 Gewinne erbeutet. 2009 war ein besonders gutes Jahr: 70 Mal gewonnen, 1324 verschickte Postkarten.

Garn hat schon mit 18 Jahren gerne bei Preisausschreiben mitgemacht. An den ersten Gewinn erinnert sie sich gut: ein Wochenende für zwei Personen in London - Flug und Vier-Sterne-Hotel inklusive. Seitdem hat sie ihr Hobby auch nach Paris geführt, in den Europapark, in die Schweiz, nach Italien und Schweden. Sie hat diverse Toaster gewonnen, Grills und Sonnenschirme, Kochkurse, Rucksäcke, Kaffeemaschinen, iPod und Modelleisenbahn, Herrenschuhe und Bratpfannen. Ihr System ist einfach: "Je mehr Karten ich verschicke, desto mehr gewinne ich. Natürlich hat man als Gewinnspieler auch immer Phasen, in denen man nichts gewinnt. Das ist frustrierend, aber man muss dabei bleiben."

Als professionellen Glückspilz möchte sich Garn nicht bezeichnen. "Für mich ist das ein Hobby. Ich kaufe im Monat 100 Briefmarken für 45 Euro und Karton für die Karten. Mehr möchte ich nicht ausgeben." Manchmal trifft sie andere Gewinnspieler auf gewonnen Reisen oder Veranstaltungen. "Da tauscht man sich aus und gibt sich Tipps", erklärt sie. Auch das Internet ist voll mit Ratschlägen, wie man seine Gewinnchancen bei Preisausschreiben erhöht: Die Postkarten mit der Zackenschere zurecht schneiden, damit sie griffiger sind, festen Karton verwenden und kurz vor Teilnahmeschluss absenden, damit die Karten bei der Ziehung obenauf liegen.

"Das ist schon so eine Art Sucht", sagt Garn. "Das Warten auf den Paketdienst, die Überraschung, was er bringt, die Vorfreude." Und ihr schönster Gewinn? Das war eine Reise für die ganze Schulklasse ihres Sohnes: mit Thomas Gottschalk nach Südfrankreich zur Besichtigung eines Haribo-Werkes. "Das war schon etwas ganz Besonderes."

Richtig geärgert hat sie sich erst einmal: Da gewann sie eine Woche Urlaub für sechs Personen in einem Feriendorf - der Gutschein konnte aber nur außerhalb der Ferien eingelöst werden. "Wer bitte hat drei oder vier Kinder, die alle noch nicht in die Schule gehen? Den Gewinn mussten wir verfallen lassen. Der Veranstalter war unkooperativ."

Manchmal kämen natürlich auch Sachen, die sie nicht brauchen könne, Trostpreise und Kleinigkeiten, erzählt Garn. Die verschenke sie einfach. So wie das ayurvedische Kochbuch oder die Flasche Enzian. "Darüber hat sich dann mein Schwiegervater gefreut. Natürlich kann man nicht ständig tolle Sachen gewinnen. Aber irgendwas kommt eigentlich immer." Dann, wenn der Postbote klingelt.