Schreck im Unterricht: Am Freitag hieß es für eine vierte Klasse an der Grundschule in Senden-Ay von einer Minute auf die andere: einpacken, nach Hause gehen und vorerst dort bleiben. Für die Lehrerin und ihre acht Schüler der bereits geteilten Klasse sind zwei Wochen Quarantäne angesagt. Denn ein Mädchen aus der Klasse hatte ein positives Testergebnis auf Covid-19. Über Messenger, Mails und Briefe hat die kommissarische Schulleiterin Christine Kröner die betroffenen Eltern informiert. Schnell war ermittelt, dass das Geschwisterkind den Kindergarten in Ay besucht. Bürgermeisterin Claudia Schäfer-Rudolf kontaktierte mit Hilfe des Elternbeirats auf allen Kanälen ebenfalls die Eltern der „Eichhörnchen-Gruppe“: Ihre Kinder sollen vorerst bis Mittwoch zuhause bleiben. Bis feststeht, ob das nun in häuslicher Quarantäne stehende Geschwisterkind sich angesteckt hat oder nicht. Falls ja, werden wohl weitere Heim-Quarantänen verhängt und Tests angeordnet.

München/Gütersloh

In den vergangenen Tagen laufen immer mehr Meldungen über Corona-Fälle im Nachgang der Pfingstferien an Kitas und in Schulen im Land auf. Nachdem am Freitag in Neu-Ulm 67 Menschen isoliert wurden (siehe Info-Kasten) und auch der Sendener Fall gemeldet wurde, stellt sich für Landrat Thorsten Freudenberger die Frage, ob der Präsenzunterricht weiter stattfinden kann. „Das Eis, auf dem wir uns bewegen, ist äußerst dünn“, sagte der Landrat am Sonntag. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann keiner ausschließen, dass wir nicht wieder schließen müssen.“
Zwar sei der Kreis Neu-Ulm in der Pandemie-Bekämpfung bislang „äußerst erfolgreich“ gewesen. „Doch auch wenn die Lockerungen von vielen natürlich zu Recht begrüßt wurden, muss eine große Vorsicht bleiben.“ Es komme darauf an, dass die guten Mechanismen, die seit März aufgebaut worden seien, jetzt  greifen. „Wir haben die Instrumente der Testung, Isolierung und Infektionsketten-Nachverfolgung und decken jeden Fall lückenlos auf.“

Kreis Göppingen

Für Schulleiterin Christine Kröner ist es Glück im Unglück, dass nur acht Kinder und eine Lehrerin in Quarantäne müssen. Die Schule in Ay verfüge noch über genügend Lehrerstunden, um auch die andere Hälfte der Klasse mit Unterricht versorgen zu können. „Es ist halt sehr schade, weil sich die Schüler erst wieder daran gewöhnt hatten, miteinander was machen zu können.“ Das Klassenzimmer sei sorgfältig gereinigt worden. In dieser Woche werde es womöglich nochmal spannend, wenn die Infektionskette nachverfolgt wird: „Weil die Schule wahrscheinlich nicht der einzige Kontakt des Mädchens war.“ Dieses sei offenbar zuvor – warum auch immer – beim Arzt gewesen und habe einen Corona-Test gemacht, habe aber keine Symptome gehabt, „ansonsten hätten die Eltern die Kinder nicht in Schule und Kindergarten geschickt“, ist Kröner überzeugt. Ob die Familie über Pfingsten in ein Risikogebiet verreist war, wusste Kröner nicht.
„Der Fall darf keine Kreise ziehen“, sagte Bürgermeisterin Schäfer-Rudolf. Man müsse vorsichtig und in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt sorgfältig agieren. Ziel müsse es laut Thorsten Freudenberger zwar bleiben, mit so wenig Restriktionen wie möglich vorzugehen. „Wie schon im März muss aber entschieden gehandelt werden, um die Ausbreitung zu verhindern.“

Diese Woche wird über Neu-Ulmer Tests informiert


Ausbruch Wie berichtet, waren am Freitag auch zwei Corona-Fälle an der Weststadtschule in Neu-Ulm festgestellt worden, wegen derer insgesamt 67 Menschen in zweiwöchiger Heim-Quarantäne sind. Die Erstklässlerin in Neu-Ulm, die noch ein anderes Kind der zweiten Klasse ansteckte, hat sich Covid-19 wahrscheinlich bei ihrer Mutter zugezogen, die sich offenbar im Urlaub im Kosovo infiziert hatte. Ob es einen Zusammenhang mit dem Fall in Senden-Ay gibt, war gestern noch nicht zu erfahren. Über die Testergebnisse der „Reihentestung“ für Klassen und Gruppen in Neu-Ulm will das Landratsamt laut Landrat in dieser Woche transparent informieren.