Schreibt eure Problem nicht in soziale Netzwerke, das ist nicht das wahre Leben.“ Medien-Sicherheitstrainer Jörg Kabierske gibt den Schülern der sechsten und siebten Klasse klare Ansagen mit auf den Weg. „Cybermobbing“ hieß das Thema seines Workshop in der Sendener Werner-Ziegler-Mittelschule, Kabierske zeigt auf, wie leicht Missverständnisse bei Nachrichten am Smartphone entstünden, weil Mimik und Betonung des Gesprächspartners fehlten. Er warnt: „Wenn wir bei WhatsApp einen Streit lösen wollen, führt das unweigerlich in den Krieg.“

Der Workshop war eine von 29 Veranstaltungen im Rahmen des „Thementags Digitale Bildung“, veranstaltet vom Landkreis Neu-Ulm und dem Staatlichen Schulamt. Rund 550 Schüler, 300 Lehrer, 300 Mütter und Väter sowie 30 Referenten nahmen insgesamt teil, sagte Schulamtsdirektor Ansgar Batzner, Leiter des Organisationsteams. Die Workshops fanden an Schulen von Elchingen bis Illertissen statt, auf dem Programm standen praktische Anwendungen, wie das Erstellen von Erklärvideos, und informativer Input, etwa über „Fake News“ oder Datensicherheit.

In der Ludwigsfelder Erich-Kästner-Grundschule war Rollentausch angesagt: Schüler zeigten Lehrern die ersten Schritte im Programmieren. Nicht am Computer ging es los, sondern auf dem Fußboden, auf dem bunte Papiere angeordnet waren. Von rechts unten nach links oben sollte man laufen, aber wie formuliert man das korrekt, wenn man es anordnet? „Du musst ganz genau sprechen“, erklärten die Dritt- und Viertklässler. „Nicht: Du musst dich drehen, sondern um wie viel Grad.“ „Algokids“ nennt sich das Projekt, an dem die Ludwigsfelder als eine von 20 Modellschulen teilnehmen und in dem das Programmieren mit Grundschülern erprobt wird.

Der Vortrag „Medien in der Familie“ des Pfuhler Realschuldirektors Stefan Vielweib hatte so großen Zulauf, dass er vom kleinen in den großen Saal des Sendener Bürgerhauses verlegt wurde. Offensichtlich würden sich viele Eltern fragen, welche Gefahren im Internet lauern und wie sie ihr Kind schützen und begleiten können, sagte Organisatorin Simone Hell. „Die Kinder sind immer jünger, wenn sie mit Medien in Kontakt kommen.“

Im Nachbarsaal referierte Designer Andreas Koop über Fluch und Segen der Digitalisierung. Er sinnierte darüber, ob man in der Schule noch etwas lernen müsse, „wenn alles mit drei Klicks zu erfahren ist“. Die Welt sei entzaubert, weil nichts mehr Mühe mache und man auf nichts mehr zu warten brauche.

Nur digital ist nicht das Ziel

In der anschließenden Diskussion tauschten Koop und Batzner sich mit Mark Lörz, Rektor am Bertha-von-Suttner-Gymnasium, Sendens Bürgermeister Raphael Bögge, Realschullehrer Sebastian Schmidt und Bildungsreferentin Sonja Seger über Digitalisierung in Schule und Gesellschaft aus. Nur digital dürfe Unterricht auch in Zukunft nicht sein, sagte Schmidt, dies sei nicht das Abbild der Realität. „Analog und Digital muss im Klassenzimmer parallel geschehen.“ Lörz lobte den Einsatz von digitalen Plattformen in der Oberstufe. Eine allgemeine Antwort sei dies nicht: „Viele Fragen sind noch offen. Die Schulen sind in einer Phase, wo sie sich ausprobieren müssen.“

Schulamtsdirektor Batzner über die Digitalisierung


Hintergrund Initiator und Hauptorganisator Ansgar Batzner erläutert den Hintergrund des Thementages zur digitalen Bildung: „Kinder und Medien, Schule und Digitalisierung – im Grunde wurden wir alle von diesen Themen und den damit verbundenen Konsequenzen und Fragen überrollt. Und das ist ja erst der  Anfang! Emotional und ideologisch sind die Diskussionen wohl auch deshalb.“ Die Dimensionen seien noch nicht einmal abzusehen. „Doch zeichnet den Mensch nicht seine Fähigkeit zu denken aus? Warum nützt man denn nicht, was sinnvoll ist – und meidet, was schädlich oder fragwürdig erscheint?“