Ulm / Barbara Hinzpeter  Uhr

Gut 23 Stunden am Tag steht ein privat genutztes Auto im Durchschnitt bloß herum. Unterwegs sei es genau genommen nur 40 Minuten, sagte Conficars-Geschäftsführer Joachim Vogt bei seinem Vortrag im Thalfinger Bürgerbüro. Gegenüber den hohen Fix- und Unterhaltskosten nähmen sich die Ausgaben fürs reine Fahren gering aus. Für Menschen, die weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fahren, sei Carsharing daher lukrativ.

Sein  Unternehmen begann 2006 mit fünf Fahrzeugen unter dem Namen „Confishare“ – zwei Jahre, bevor Car2go in Ulm an den Start ging. Heute besteht die Flotte mit dem grünen Spatzen-Logo aus 18 Fahrzeugen in vier Kategorien, darunter ist neuerdings auch ein Elektromobil. Gebucht werden sie laut Vogt von Autofahrern jeden Alters. Seinen Angaben nutzen beispielsweise Studenten die Autos für den großen Wocheneinkauf, Familien fahren damit in den Urlaub, Vereine buchen den Neun-Sitzer für Unternehmungen. Deutschlandweit steigt die Zahl der Autoteilenden (siehe Infokasten).

Verstopfte Innenstädte durch am Straßenrand abgestellte Autos könnten durch gemeinsam genutzte Fahrzeuge entlastet werden, betonte Vogt. Ein Sharing-Auto ersetzt laut Bundesverband bis zu 20 private Fahrzeuge. Die Folge: Parkplätze würden überflüssig und den Städten neuer Gestaltungsspielraum eröffnet. Außerdem habe sich herausgestellt, dass die Carsharing-Teilnehmer häufiger Bus und Bahn nutzen, Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, so der Geschäftsführer des Ulmer Anbieters.

Anders als bei Daimlers Car2go-Konzept sind die stationsbasierten Fahrzeuge auf verschiedene feste Standorte im Stadtgebiet verteilt. In Ulm/Neu-Ulm liegen sie laut Vogt alle in der Nähe von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs, im ländlichen Raum gebe es bislang noch keine Stellplätze.

Auch Option für Elchingen?

Voraussetzung für erfolgreiches  Autoteilen sei eine „vernünftige Infrastruktur“ am Ort mit Einkaufsmöglichkeiten sowie Arzt und Apotheke, die auch zu Fuß erreichbar seien. Agenda-Beauftragter Manfred Bittner, der den Informationsabend  organisiert hatte, ist zuversichtlich, dass Carsharing auch eine Option für Elchingen sei. Er werde jedenfalls weiter die Werbetrommel rühren und versuchen, Interessierte zu gewinnen, sagte er. Das mäßige Interesse der Elchinger Bürger am Vortrag von Joachim Vogt kann ihn offenbar nicht entmutigen. Umwelt- und Agenda-Themen brauchten Bittner zufolge in der Gemeinde erfahrungsgemäß mehrere Anläufe.

Carsharing boomt in Deutschland

Trend Die Zahl der Carsharing-Nutzer ist in Deutschland 2016 deutlich gestiegen, teilt der Bundesverband Carsharing mit. Anfang 2017 waren gut 1,7 Millionen Kunden bei deutschen Carsharing-Anbietern registriert. Das sind 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bundesregierung wolle die weitere Verbreitung durch ein Gesetz fördern.