Nersingen Bundesverdienstkreuz: Nersinger pflegt Ehefrau seit 36 Jahren

Georg Brosch zusammen mit Ehefrau Georgine und Justizministerin Beate Merk (rechts). Foto: Regierung von Schwaben
Georg Brosch zusammen mit Ehefrau Georgine und Justizministerin Beate Merk (rechts). Foto: Regierung von Schwaben
STEFAN CZERNIN 03.07.2013
Grandios hat sich Georg Brosch aus Nersingen bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes gefühlt. Er steht seit 36 Jahren seiner pflegebedürftigen Ehefrau bei. Und arbeitet auch noch in Vollzeit.

"Wir haben viele schöne Jahre erlebt. Und wir erleben sie noch." Das sagt Georg Brosch (60), der sich seit mittlerweile 36 Jahren um seine kranke Frau kümmert. Georgine Brosch leidet an Multipler Sklerose (MS), einer unheilbaren Krankheit, die etwa die Seh- und die Bewegungsfähigkeit angreift. Jetzt wurde dem Nersinger als Anerkennung für seinen jahrzehntelangen Beistand das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Vier Jahre waren die Broschs verheiratet, als die folgenschwere Diagnose gestellt wurde, die das Leben des Ehepaars aus Nersingen komplett verändern sollte. Es fällt schwer, den ärztlichen Befund zu akzeptieren. "Man wächst hinein", sagt Georg Brosch. Über die Jahre schreitet die Krankheit voran, Georgine Brosch ist zunächst auf einen Rollator angewiesen, seit einigen Jahren geht es im Rollstuhl aus dem Haus. Immer an ihrer Seite: Ehemann Georg. Die Eheleute ziehen eine Tochter groß, haben heute zwei Enkelkinder.

Trotzdem bleibt die Krankheit eine psychische Belastung, sagt Georg Brosch. Besonders, wenn die Frau mit Blaulicht in die Klinik gebracht wird. Was zuletzt häufiger vorgekommen ist. Die Familie gibt den Eheleuten Kraft. Unverzichtbare Unterstützung bekommen die Broschs auch von Nachbarn, dem Hausarzt und von MS-Hilfegruppen in der Region.

Der Alltag für Georg und Georgine Brosch beginnt früh am Morgen, um halb fünf. Georg hilft seiner Frau beim Duschen und Anziehen, dann wird gemeinsam gefrühstückt. Während sich Georgine dann oft noch einmal hinlegt, fährt Georg zu seiner Arbeitsstelle nach Ulm. Neben der Pflege seiner Ehefrau bewältigt der 60-Jährige auch noch einen Vollzeitjob. Über einen Hausnotruf kann Georgine Brosch in dieser Zeit bei Bedarf Hilfe anfordern. Die Zentrale alarmiert dann Ehemann, Nachbarn, Hausarzt oder den Rettungsdienst.

Schon vor vier Jahren hatte eine Bekannte aus einer MS-Hilfegruppe, Jutta Högerle, Georg Brosch für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen, im vergangenen Januar erreichte Brosch ein Schreiben der Bayerischen Staatsregierung. Justizministerin Beate Merk werde ihm die Auszeichnung im Juli in Augsburg überreichen, hieß es darin.

Im festlichen Rokokosaal der Regierung von Schwaben war es jetzt soweit. Neben Beate Merk waren auch Landrat Erich Josef Geßner und Nersingens Bürgermeister Erich Winkler nach Augsburg gekommen. Ein "grandioses Gefühl" sei die Ordensverleihung gewesen, sagt Brosch. Zum Pfarrfest am Wochenende will Brosch das Verdienstkreuz am Anzug tragen. "Aber nur im Gottesdienst", sagt er. "Zum Feiern ziehe ich mir dann meine Lederhose an."