Nersingen Bundesminister Altmaier steht Unternehmern Rede und Antwort

Die Energiewende, sagt Minister Peter Altmaier, ist "eine Riesenchance für die Wirtschaft". Foto: Matthias Kessler
Die Energiewende, sagt Minister Peter Altmaier, ist "eine Riesenchance für die Wirtschaft". Foto: Matthias Kessler
Nersingen / OLIVER HEIDER 22.08.2013
Die Energiewende bringt viele Probleme mit sich, aber auch Chancen für Unternehmer. Das hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch in Nersingen beim Wirtschaftsdialog der Christsozialen betont.

"Es gibt viele Ideen, aber wenig konkrete Lösungen." Die Skepsis, was die Energiewende angeht, ist bei dem Neu-Ulmer Produktschilder-Hersteller Johannes Zahn nicht ganz gewichen - etwa in Bezug auf den Transport des Stroms von den Windparks im Norden in den Süden der Republik. Daran hat der Auftritt des Bundesumweltministers beim Wirtschaftsdialog der CSU im Foyer der Gemeindehalle in Nersingen wenig geändert.

Rund 30 Vertreter der regionalen Wirtschaft und einige Politiker waren gekommen, um mit Peter Altmaier (CDU) zu diskutieren. Zuvor ging dieser in einer gut halbstündigen, durch heitere Anekdoten aufgelockerten Rede auf die Probleme und die Chancen der Energiewende ein. Schon heute werde ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen. Tendenz steigend. Die Energiewende sei aber erst ein Erfolg, wenn die Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet seien und Deutschland weiterhin eines der erfolgreichsten Länder sei.

Um den Strom von Windparks im Norden in den Süden zu transportieren, seien Stromautobahnen nötig. "Früher waren vier angedacht", sagte der 55-jährige Altmaier. Heute seien drei geplant, die nacheinander gebaut werden sollen. Ein Viertel der Leitungen soll unterirdisch verlaufen - entlang von Flüssen, Autobahnen, Bahnstrecken. Zudem müsse es mehr Speicher geben. In Bezug auf die gesenkte Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen sagte er: "Subventionen müssen irgendwann abnehmen, weil sich sonst niemand mehr anstrengt."

Anstrengen sollten sich auch die Unternehmen. Denn: Die Energiewende sei "eine Riesenchance für die Wirtschaft". Er appellierte an deren Erfindergeist. Von 1000 Ideen würden 999 nicht zünden, die 1000. schon. Begeistert habe ihn der Vorschlag eines Forscherteams. Demnach solle es über der rechten Spur auf Autobahnen Oberleitungen geben. Wenn genug Strom im Netz vorhanden ist, könnten Lkw mit Strom fahren. Bei minus 15 Grad im Januar könne der Lastwagen auf Dieselantrieb umschalten. Firmen sollten sich generell neu organisieren, schlaue Zähler und schlaue Netze nutzen: "Sie können dann produzieren, wenn der Strom günstig ist."

Prinzipiell wollten ihm die Unternehmer aus der Region da nicht widersprechen. Dafür seien aber auch flexiblere Stromtarife notwendig, hieß es. Und Johannes Zahn gab zu bedenken, dass es zu wenig Lagerhallen geben könnte für Zeiten, in denen der Strom teuer ist. "Flexibilisierung findet statt, wenn der einzelne Unternehmer darin einen Vorteil sieht", sagte Altmaier. "Das kann die Politik nicht entscheiden."

Wie der Minister ein komplexes Thema in die Bevölkerung trage, wollte Ulrich Altstetter, Vorstandsmitglied der Ulmer Wieland-Werke, wissen. Man dürfe die Komplexität nicht zu stark reduzieren, erklärte Altmaier. "Populismus versuche ich zu vermeiden, wo es nur geht."

CSU-Kreischef Thorsten Freudenberger zog ein positives Fazit des Wahlkampf-Auftritts von Altmaier: "Das war Kompetenz und Leidenschaft mit einer Portion Humor." Daran hatte Altmaier nicht gespart.