Unterelchingen Bürgertreff unter Vorbehalt

Unterelchingen / STEFAN CZERNIN 14.11.2012
Zwei, drei Veranstaltungen in der Woche wollen Bürger künftig im Unterelchinger Gemeindehaus bieten, ein Treff soll entstehen. Die gute Absicht wurde im Rat hochgelobt, es gab aber auch kritische Stimmen.

Eine ganze Menge los war vorgestern Abend auf den Zuschauerrängen in der Gemeinderatssitzung, rund 30 Zuhörer waren ins Konstantin-Vidal-Haus gekommen - deutlich mehr als üblich. Ein großer Teil gehörte zur neugebildeten Interessengruppe "Pro Elchinger Bürgertreff", die sich für einen offenen Bürgertreff im ehemaligen Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde St. Thomas einsetzt. Die Gemeinde Elchingen hatte das Gebäude im Mitte September von der Kirchengemeinde zum Verkehrswert des Grundstücks gekauft. Künftig könnte dieses bei Bedarf für eine Erweiterung des Kindergartens genutzt werden, so die Überlegung. Derzeit steht das Haus leer. Die Bürgerinitiative will das ändern, an zwei bis drei Nachmittagen in der Woche sind dort Veranstaltungen geplant. Die im Aufbau befindliche Nachbarschaftshilfe des Vereins "Für einander" könne in dem Gebäude zudem ein Büro beziehen. Träger des Bürgertreffs soll die Gemeinde sein, die auch die Kosten übernehmen soll.

Vor der Kulisse der zahlreichen Bürgertreff-Befürworter übertrafen sich Bürgermeister und Gemeinderäte mit ihren Sympathiebekundungen für die Idee, in einer fraktionsübergreifenden Lobeshymne wurden Initiative und Engagement der Bürger für die Gemeinde gewürdigt.

Einige kritische Fragen gab es in der etwa einstündigen Diskussion zu diesem Tagesordnungspunkt auch, etwa von Ludwig Flitsch (DGO). Flitsch ("Ich bin grundsätzlich für einen Bürgertreff") interessierte sich für die "betriebswirtschaftliche Seite". Er hakte nach, was in dem Gebäude zwingend repariert werden müsse - und was das koste. Schließlich stehe die Gemeinde in der Verantwortung, falls dort aufgrund unterlassener Sanierungsarbeiten ein Unfall passiere. Außerdem fragte Flitsch, ob es unter Umständen nicht günstiger wäre, ein anderes Gebäude als Bürgertreff zu nutzen. Er vermisse in der Sitzungsvorlage belastbare Daten zu diesen Punkten. "Hier fehlen gewisse Informationen", fand auch Armin Menz (FWE). Je mehr Geld in das Gebäude gesteckt werde, um es als Bürgertreff zu etablieren, umso stärker werde es in dieser Nutzung "festgenagelt"; es stehe dann wohl nicht mehr für eine Kindergarten-Erweiterung zur Verfügung. In der Öffentlichkeit sei "Druck geschürt worden, dass ich den Antrag heute vorlegen müsste", entgegnete Bürgermeister Joachim Eisenkolb - mittlerweile etwas genervt wirkend.

Ganz fehlte das Zahlenmaterial in der Beschlussvorlage nicht: Ein Architekt, der das Ende der 70er Jahre errichtete Fertighaus für die Kirchengemeinde im Frühjahr 2011 inspiziert hatte, bezifferte den "kurzfristigen Handlungsbedarf" auf 26 500 Euro, für eine umfassendere Renovierung inklusive Wärmedämmung sei mit einem Betrag von 145 000 Euro zu rechnen. Die Kosten seien viel zu hoch angesetzt, erklärte Hanns Jürgen Zachmann, der für die Bürgerinitiative das Wort ergriff. Zachmann ist Bausachverständiger, er hatte sich im ehemaligen Gemeindehaus umgeschaut - und sei angenehm überrascht gewesen. "Das Gebäude ist voll funktionsfähig, das Dach total trocken." Zudem sei das Haus barrierefrei, es gebe keine hinderlichen Treppen, die alten Menschen und Rollstuhlfahrern das Leben schwer machten.

Strittig blieb, ob die Gemeinde oder besser ein Verein die Trägerschaft des Bürgertreffs übernehmen soll. CSU-Gemeinderat Bernd Schwerdtfeger ("Man kann eine Idee auch totdiskutieren") machte schließlich Nägel mit Köpfen und formulierte einen Beschlussvorschlag der Verwaltung soweit um, dass er von der großen Ratsmehrheit akzeptiert wurde. Neben Flitsch stimmte nur Richard Rösch (DGO) dagegen, der ebenfalls eine zu dünne Faktenlage für eine Entscheidung kritisierte. Im Beschluss stimmen die Räte einem Bürgertreff im Unterelchinger Gemeindehaus grundsätzliche zu; die Frage der Trägerschaft bleibt offen.

Zunächst werden nun die Kosten für die zwingenden Reparaturen und Arbeiten ermittelt. So fehlt etwa ein Blitzableiter. Auch eine Schadstoffprüfung ist in dem mehr als 30 Jahre alten Fertighaus zwingend. Die Speicheröfen müssen auf Asbest, das Holz auf giftige Schutzmittel kontrolliert werden, heißt es aus der Bauverwaltung. Liegen diese Ergebnisse vor, wird erneut im Gemeinderat diskutiert.

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