Illertissen Bürgermeisterin und Stadtrat zanken per E-Mail

Illertissen / INGE SÄLZLE-RANZ 06.08.2013
In Illertissen geht wieder mal die Post ab zwischen Bürgermeisterin Marita Kaiser und Stadtrat Gerhard Reisinger. Und zwar per E-Mail.

Langweilen sich manche Kommunalpolitiker in der Sommerferien-Sitzungspause des Stadtrats? Der jüngste E-Mail-Verkehr zwischen dem Stadtrat Gerhard Reisinger und der Illertisser Bürgermeisterin Marita Kaiser legt diesen Schluss nahe.

Der Anlass: Am vergangenen Donnerstag wurde die Patenschaft zwischen der vierten Kompanie des Logistikbataillons 471 und der Stadt Illertissen beendet, weil die Soldaten Dornstadt verlassen. Dazu gab es ein Fest mit den Bürgern auf dem Marktplatz und danach einen Stehempfang in der Historischen Schranne mit geladenen Gästen. Das Problem: Bürgerliste-Stadtrat Gerhard Reisinger hatte die Einladung übersehen, die in der Stadtratssitzung am 25. Juli auslag. Er ging deshalb davon aus, dass es keine gab. Und wer Reisinger kennt, der weiß: So etwas kann nicht ohne E-Mail-Schelte ausgehen.

Es ist müßig, alle Details des EMail-Verkehrs wiederzugeben. Reisinger meinte jedenfalls gehört zu haben, die Einladungen seien versehentlich im Rathaus liegen geblieben. Zudem fand er die Zeit für den Empfang (14.30 Uhr) ungünstig. Und er hat wohl nicht die Zeitung gelesen, denn dort war die Veranstaltung angekündigt. Vize-Bürgermeister Josef Kränzle hat Reisinger gleich auf den richtigen Dampfer gesetzt. Er schrieb ihm, dass der Zeitpunkt der Veranstaltung von der Bundeswehr so gewünscht gewesen sei, wie viele Leute gekommen sind, welche Stadträte beim Empfang waren. Aber die Rathauschefin wollte, wie so oft, auch noch etwas dazu anmerken. Und sie nutzte die Gelegenheit für eine verbale Retourkutsche.

Viele Fehlanschuldigungen würden aus seiner wohl nicht gerade perfekten Organisation herrühren, gab sie Reisinger auf die Schnelle mit. Das wiederum musste eine längere Antwort nach sich ziehen. Reisinger warf Kaiser vor, zu spät eingeladen zu haben und meinte, das Rathaus habe "wieder mal geschlafen und geschlampt". Eine Entschuldigung dafür, dass er seine Unterlagen nicht gelesen hat, lieferte er nicht. Aber Marita Kaiser steht ihm in nichts nach. "Getroffene Hunde. . ." sieht sie in Reisingers Reaktion, worauf der ihr eine "beleidigende und unzumutbare Art" vorwirft, nachdem er betont hat, dass er eben nicht obrigkeitshörig sei und eine eigene Meinung habe.

Gut, dass wir das alles jetzt auch mal wieder wissen. Da kann sich jeder freuen auf die neuen "demokratischen Diskussionen" im Stadtrat nach der Sitzungspause. Manchmal ist es doch gut, dass es auch elektronische Papierkörbe gibt.