Protest Bürgerfront gegen Flutpolder in Leipheim

In diesem Bereich an der Donau, zwischen Elchingen und Leipheim, soll ein neuer Flutpolder entstehen. Einen solchen sehen die Gegner des Projekts als reine Verschwendung von Haushaltsmitteln an.
In diesem Bereich an der Donau, zwischen Elchingen und Leipheim, soll ein neuer Flutpolder entstehen. Einen solchen sehen die Gegner des Projekts als reine Verschwendung von Haushaltsmitteln an. © Foto: Oliver Schulz/Karte: SWP GRAFIK
Elchingen/Leipheim / MICHAEL JANJANIN 28.12.2016

Die Zahlen sind beeindruckend: Einer der für Bayerisch-Schwaben geplanten Flutpolder soll eine Fläche von 630 Hektar haben und im Notfall zwölf Millionen Kubikmeter Wasser fassen können. Entstehen soll die Hochwasserschutz-Notbremse, wie ihn die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf nennt, im Auwald zwischen Elchingen und Leipheim. Genauer im Gebiet zwischen Stadt und dem Teilort Weißingen, der A8 und der Donau. Während des Bürgerdialogs, „um Hochwasserschutz im Konsens“ zu erreichen, braut sich in der Leipheimer Region jedoch ein heftiges Unwetter zusammen.

Bürger haben eine Initiative gegründet, um gegen die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth anzugehen: „Ja zum Hochwasserschutz – kein Flutpolder Leipheim“.  Ihr eigener Bürger-Konsens: „Das Wasserwirtschaftsamt war nie wirklich an unseren Vorschlägen interessiert, sondern es stand von Anfang an fest, dass extrem große Flutpolder gebaut werden“, schreiben sie in einem „Brief an die Politiker“.  Ihre Forderung: Sich beim Hochwasserschutz nicht nur auf die Donauabschnitte im Verwaltungsbereich zu beschränken, sondern ein länderübergreifendes Gesamtkonzept zu erarbeiten, das alle kleinen und großen Zuflüsse zur Donau beinhaltet. Zum Beispiel auch die Iller auf baden-württembergischer Seite.

Die Leipheimer verstehen sich als Verlierer einer Baulandpolitik, bei der „von Freiburg bis Passau jeden Tag Fläche versiegelt wird“ – auch in Überschwemmungsgebieten.  Mit einem Polder bei Leipheim, in dem im Notfall das Wasser fünf Meter hoch stehen soll, erhöhe sich der Grundwasserdruck auf bestehende Gebäude, landwirtschaftliche Flächen würden geflutet, die Leipheimer Trinkwasserversorgung sei gefährdet. Zudem würde sich eines der wertvollsten Biotope Süddeutschlands verändern. Die Naherholung und die touristische Infrastruktur des Donauradwanderwegs sei  bisher ein Pluspunkt für Leipheim und Umgebung gewesen. „Wir fragen uns, ob ein Naherholungsgebiet und ein internationaler Radwanderweg in einem Flutpolder liegen kann.“

Deshalb gelte es, zum Schutz der Einwohner von Leipheim und der Ortschaften von Weißingen und Riedheim sämtliche Alternativen in zu Betracht zu ziehen, bevor solche Projekte in Angriff genommen werden:  „Intelligentes Staustufenmanagement, Rückhaltevolumen durch Ausbaggern des Staubereichs und Deichrückverlegungen“ fordert die Initiative.

Dazu: Ein Staatsvertrag zwischen beiden Ländern solle den Hochwasserexport regeln, bevor sich der Freistaat endgültig für solch ein „Mammutprojekt“ entscheidet. „Verursacher von Hochwasserereignissen in unserer Gegend ist in erster Linie der starke Illerzufluss. Folglich muss am Verlauf der Iller Hochwasservermeidung betrieben werden.“ Zum Beispiel durch den Bau vieler kleiner Rückhaltebecken entlang der Zuflüsse und der Donau. Einen  Flutpolder in Leipheim sehen die Gegner als reine Verschwendung von Haushaltsmitteln an.

In einem Rundschreiben bestätigt die bayerische Umweltministerin Scharf, dass die neuen Pläne nach dem Ergebnis des Hochwasserdialogs vorsehen, von den ursprünglich angedachten fünf Flutpolder-Standorten nördlich der Donau nur den Standort Leipheim zu belassen. Flankiert werde das neue Konzept von großflächigen Deichrückverlegungen.

„Unsere Flüsse brauchen wieder mehr Raum. Wir wollen der Donau den Platz geben, um im Hochwasserfall über die Ufer treten zu können, ohne Menschen zu schädigen“, erklärt Scharf. Doch bedürfe es noch detaillierter Untersuchungen und einer Abstimmung mit den Kommunen und Grundeigentümern.

Auch neue Rückhaltebecken solle es geben. Allein an der Günz seien beispielsweise fünf Rückhaltebecken zum Schutz der dort gelegenen Siedlungen in Planung. Daneben werde noch untersucht, welchen Beitrag die Staustufen an der Donau zum Hochwasserschutz leisten können.

Polder dürfen nicht bebaut werden

Definition Ein Hochwasserpolder ist ein Gebiet, das gezielt geflutet werden kann, um die Wasserführung flussabwärts gelegener Flussabschnitte vorübergehend zu vermindern und die Spitze einer Flutwelle zu verkleinern. Polder unterliegen Nutzungsbeschränkungen, etwa einem Bebauungsverbot. Sie sind vom Flussbett von benachbarten intensiver genutzten Flächen durch Deiche getrennt.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel