Therapie Brustkrebs: Chemotherapie ohne Haarverlust

Neu-Ulm / Stefan Czernin 15.05.2018
Die Brustkrebs-Patientin Christina G. berichtet, wie ihr eine neue Therapie an der Donauklinik geholfen hat.

Der Gegenstand, der das Leben von Christina G. in den vergangenen Monaten ein gutes Stück erleichtert hat, sieht  auf den ersten Blick aus wie eine gewöhnliche Badekappe. Ein wenig mehr steckt dann doch dahinter, die Silikonhaube ist mit Anschlüssen für ein Kühlgerät versehen, darüber kommt  zur Isolation eine Neoprenkappe. Christina G. ist Mutter eines kleinen Mädchens – und sie hat gerade an der Neu-Ulmer Donauklinik eine Chemotherapie hinter sich gebracht; 16 Sitzungen von Ende November an.  Ein paar Wochen zuvor war bei einer Ultraschalluntersuchung ein Knoten aufgefallen. Es folgten Mammografie, Biopsie. Dann stand die Diagnose fest:  Brustkrebs.

„Das zieht einem den Teppich unter den Füßen weg“,  sagt Christina G. im Gespräch. Äußer­lich ist ihr die Krebserkrankung, die Chemotherapie nicht anzusehen. Was vor allem daran liegt, dass sie ihre Kopfhaare behalten hat.  Die Chemotherapie dient dazu, die Krebszellen zu zerstören.  Allerdings ist die Methode nicht gezielt.  „Alles Gewebe, das schnell wächst, wird angegriffen“, erklärt Stephanie Gossmann, eine der beiden Oberärztinnen in der Senologie, der Fachbereich für die weibliche Brust.  Und dazu zählen auch die Haarfollikel; die Haare fallen aus.

An dieser Stelle kommt wieder die Badekappe ins Spiel.  Diese wird von den Patientinnen während der mehrstündigen Infusionen der Chemotherapie getragen. Die Haube ist dabei an ein Kühlgerät angeschlossen, das die Temperatur am Kopfbereich auf vier bis fünf Grad absenkt.  Dadurch verengen sich die Blutgefäße,  an den Haarwurzeln kommt weniger von den Medikamenten an, die Haare bleiben erhalten.

Nach der Diagnose prasselten eine Menge Informationen über die Krankheit und mögliche Therapien auf Christina G. ein. „Man bekommt viel Input und muss Entscheidungen treffen.“  Sie entschied sich für die Donauklinik, auch wegen der begleitenden Kühlbehandlung. „Ohne sie hätte ich nicht so positiv in die Chemotherapie gehen können“, sagt sie. Sie äußert sich öffentlich, weil sie andere betroffene Frauen informieren und ihnen Mut machen möchte.

Seit Oktober 2017 gibt es diese Methode an der Donauklinik, zwei Kühlhauben hat die Klinik angeschafft. Christina G. ist eine der ersten, die eine komplette Chemotherapie mit dieser Ergänzung durchlaufen hat.  Knapp 50 Brustkrebspatientinnen sind im vergangenen Jahr  in der Neu-Ulmer Senologie behandelt worden, in diesem Jahr waren es schon mehr als 30. Der drohende Haarverlust ist dabei bei vielen Frauen ein Thema, berichten die beiden Oberärztinnen Stephanie Gossmann und Gabriele Müller-Bartusek.  Das Aussehen spielt eine Rolle, es geht aber um mehr. Es geht darum, inwieweit die Krebserkrankung nach außen sichtbar wird, um die Entscheidung, mit wem die Patientinnen diese intime Information teilen wollen – und mit wem nicht.

Gabriele Müller-Bartusek kann sich an eine Frau erinnern, die wegen des folgenden Haarverlusts beinahe komplett  auf eine Chemotherapie verzichtet hätte.  Vorgeblich aus religiösen Gründen. Schließlich gelang es, sie umzustimmen. „Wir mussten mit Engelszungen auf sie einreden“, berichtet Müller-Bartusek.

In Neu-Ulm kann man wegen der kleinen Zahl der behandelten Frauen noch keine belastbare Aussage darüber treffen,  wie wirksam die Behandlung ist. Allgemein gilt, dass sie in etwa 70 Prozent der Fälle funktioniert, sie wird bundesweit an einer ganzen Reihe von Kliniken angewendet.  In der Donauklinik kostet die begleitende Kühlbehandlung über die gesamte Chemotherapie pauschal 250 Euro.

Wohltuend ist sie anfangs nur bedingt. „Es gibt da einen ganz unangenehmen Temperaturbereich“, berichtet Christina G. Eine Patientin habe die Behandlung deswegen abgebrochen. Christina G. hat durchgehalten. „Man gewöhnt sich daran.“ Ausgestanden ist ihre Krebserkrankung noch nicht. Es steht noch eine Operation an, darauf folgen Bestrahlungen. Die erste wichtige Etappe im Kampf gegen ihren Krebs hat sie gemeistert. Und dabei ihre Kopfhaare behalten. Für Christina G. – und viele andere betroffene Frauen – ist das mehr als ein Nebeneffekt. „Unglaublich erleichtert“ sei sie deswegen. Und sehr dankbar.

Welche Faktoren des Risiko erhöhen

Häufigkeit Mit 65 500 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 64 Jahren, teilen Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft mit. In seltenen Fällen sind auch Männer betroffen.
Risiken Warum eine Frau an Brustkrebs erkrankt, ist oft unklar. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber einige Risiken nachweisen können. Dazu zählen unter anderem Übergewicht, zu wenig Bewegung, zu viel Alkohol und Rauchen, eine Behandlung mit einer Hormonersatztherapie sowie eine familiäre Vorbelastung. Auch das Alter einer Frau ist ein wichtiger Faktor.