Senden Bögge triumphiert mit 58,3 Prozent über Baiker

Glückwunsch! Kurt Baiker (links) gratuliert seinem Nachfolger Raphael Bögge. Abschließend trat Baiker zwei, drei Schritte zurück und bekam von allen - politischen Gegnern wie Freunden - einen minutenlangen Applaus. Anschließend verschwanden Baiker und seine Frau "zum Feiern" mit den Freien Wählern.
Glückwunsch! Kurt Baiker (links) gratuliert seinem Nachfolger Raphael Bögge. Abschließend trat Baiker zwei, drei Schritte zurück und bekam von allen - politischen Gegnern wie Freunden - einen minutenlangen Applaus. Anschließend verschwanden Baiker und seine Frau "zum Feiern" mit den Freien Wählern. © Foto: Matthias Kessler
Senden / NIKO DIRNER 17.03.2014
Dass es knapp werden würde mit einer vierten Amtszeit für Kurt Baiker in Senden, war klar. Der eindeutige Wahlsieg von Raphael Bögge (CSU) machte seine Anhänger fast sprachlos und erschütterte seine Gegner.

Otto Simon bekommt vor lauter Glückseligkeit nur noch ein Krächzen heraus. "Gibts des?!", stammelt der Witzighauser und fällt Raphael Bögge in die Arme. Der Mann von CSU-Stadträtin Eva Simon kann es kaum fassen, dass es in Senden nach 18 Jahren Kurt Baiker einen Wechsel im Rathaus gibt: Um 19.21 Uhr gestern Abend stand fest, dass der von CSU, Grünen und den Bürgerinteressen unterstützte Raphael Bögge den Amtsinhaber geschlagen hat. Deutlich geschlagen. 58,3 Prozent oder 4307 Wählerstimmen hat der 34-jährige Diplom-Geograph gegen Baiker geholt.


Er nehme das Ergebnis mit "sehr großer Demut", entgegen, sagte Bögge. "Als klaren Auftrag, ab dem 1. Mai gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern die Stadt Senden zu gestalten." Seinen Erfolg schrieb Bögge seiner "Kampagne" zu: "Wir nehmen die Meinung der Bürger ernst." Diese Devise wolle er auch als Rathauschef "durchziehen". Er habe sehr gute Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung gemacht, sagte der gebürtige Westfale, der seit 2009 im Landratsamt für das als Mitmach-Projekt gestaltete Kreisentwicklungsprogramm zuständig ist.

CSU-Ortsvorsitzender Klaus Hruschka machte auch die Unterstützung von drei Parteien für den Erfolg verantwortlich. "Und Raphael Bögge hat gezeigt, dass er ein Moderator ist. Einer, der integriert."

Kurt Baiker (57) gratulierte Bögge und wünschte ihm viel Glück. "Der Wunsch nach einem Wechsel ist zu akzeptieren", sagte er. Die Gründe dafür müsse man erst noch analysieren. Auf seine Zukunftspläne angesprochen, sagte Baiker: "Ab 30. April bin ich Privatmann." An diesem Tag endet seine Amtszeit.

Bögge machte gleich einen Anlauf, um die tiefen Gräben im Sendener Stadtrat zwischen CSU, Grünen und der Biss auf der einen Seite, der SPD, den Freien Wählern und ihrem bisherigen Bürgermeister Baiker auf der anderen Seite zu überwinden. "Ich werde allen ein Gesprächsangebot machen."

SPD-Fraktionschef Georg Schneider, der als einziger Stadtrat der "Baiker-Fraktionen" ins Rathaus gekommen war, nahm die ausgestreckte Hand an: "Wir sind nicht wie die CSU, die immer dagegen arbeitet." Das Wahlergebnis nannte Schneider gleichwohl "erschütternd" und unverständlich: "Bögge hat im Wahlkampf Sachen vertreten, die die CSU sechs Jahre lang abgelehnt hat." Nun müsse man schauen, dass ein Bürgermeister Bögge "Episode" bleibe. Hans-Manfred Allgaier (Freie Wähler) sagte: "Der Bürger hat so entschieden." Man müsse trotzdem über alle Grenzen hinweg für die Stadt arbeiten.

Helmut Meisel (Grüne) sagte, Baiker sei wegen seiner "Arroganz" abgewählt worden. "Er hat sich etwa bei den Vereinen kaum sehen lassen." Es gebe eine "große Hoffnung auf einen Neustart" in der Stadt.

Nicht erklären konnten sich die Kommunalpolitiker die gesunkene Wahlbeteiligung: Nach 51,9 Prozent im Jahr 2002, und 47,3 Prozent 2008 gingen gestern nur 44,7 Prozent der Sendener zur Bürgermeisterwahl.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel