Oberelchingen / SUSANNE HELIOSCH Frostig wars im Kirchenschiff von St. Peter und Paul. Die Besucher saßen eingepackt in Winterjacken vor der Bildprojektion. Die Kälte war unter den Zuhörern aber kein Thema, der Vortrag war zu fesselnd.

Das Messgewand im Schnitt der Rokokozeit des 18. Jahrhunderts sieht prächtig aus. Der gemusterte, dunkelrote Granatapfelsamt ist bestens erhalten. Das grenzt an ein Wunder. Denn er stammt aus dem 15. Jahrhundert, der Spätgotik. Das Gewand wurde umgeschneidert. Aus dem vorhandenen historischen Stoff entstand 400 Jahre später ein liturgisches Messgewand. Dieses Objekt zählt zweifelsohne zu den Höhepunkten des Oberelchinger Kirchenschatzes, der nun teilweise in einem Bild-Vortrag von Bistumskonservator Michael Schmid aus Augsburg vorgestellt wurde. Drei Jahre lang haben er und die Kunsthistorikerin Kathrin Rottmann das Kirchengut inventarisiert - das heißt, die vorhandenen und zum Teil vergessenen Kirchengegenstände fotografiert, bewertet und in eine Liste aufgenommen.

Diese Arbeit sei "elementar wichtig", sagte Pfarrer Ralf Gührer. Einerseits, um einen Gesamtüberblick zu erhalten. Anderseits, um die Zugehörigkeit der Stücke zu St. Peter und Paul zu bestimmen und zu sichern. Denn sollte ein vermeintlich entwendeter Gegenstand aus der Wallfahrtskirche einmal irgendwo auftauchen, könne man ihn dann leicht identifizieren. Das Ergebnis der Inventur sind 350 Artikel-Nummern. Etliche Objekte davon sind in ganzen Serien zusammengefasst, sodass die eigentliche Anzahl der Gegenstände wesentlich höher liegt. In einem 250 Seiten starken Katalog sind die Objekte festgehalten.

Angesichts der Menge konnte bei dem Vortag freilich nur ein kleiner Ausschnitt der Altertümer gezeigt werden. Aber er reichte aus, um die Vortragsbesucher, um die 60 waren gekommen, zu begeistern. Michael Schmid begann seine Ausführungen mit zahlreichen Gemälden. Darunter Stücke berühmter Künstler wie Josef Wannenmacher aus Tomerdingen. Die Zuhörer begegneten bemerkenswerten Werken, etwa einer "Madonna mit Kind" von Christoph Rodt, entstanden um 1575. Auch eine frühe Ansicht des Klosters Elchingen von 1619 erregte Aufsehen, ebenso sechs Ovalbilder mit heiligen Mönchen aus dem 18. Jahrhundert.

Manche Gemälde wurden bereits restauriert. Einige sind in keinem guten Zustand, aber restaurierbar, betonte Schmid. Wieder andere geben geheimnisvolle Rätsel auf. So eine Darstellung der Heiligen Familie mit Gottvater, die gleich in drei Fassungen aus verschiedenen Jahrhunderten vorhanden ist.

Mit Glanz und Schimmer beeindruckten Goldschmiedearbeiten. Dabei zeigte ein vergoldeter Messkelch besonders kunstvoll gearbeitete biblische Motive zum Thema Wasser. Etwa Jona mit dem Wal. Erstaunlich gut erhalten haben sich auch zahlreiche hoch betagte Messbücher. Ebenso Messgewänder, darunter reich verzierte grüne und blaue Kasel. Ein besonders schönes Stück mit figürlichen Darstellungen trägt die Szene Christus am Kreuz.

Wohl nicht besonders wertvoll, aber kulturhistorisch interessant sind verschiedene Weiheblumen. Es sind Zierblumen aus Draht, Pappe und anderen Materialien. Sie sind Zeugnisse einer Zeit, als es noch nicht üblich war, den Altarraum mit natürlichem Blumenschmuck zu verschönern. Erst ab dem 18. Jahrhundert bürgerte sich die Verwendung von echten Blumen ein.

Als einen "Glücksfall erster Güte" bezeichnete Michael Schmid den Oberelchinger Kirchenschatz. Es sei eine Rarität, dass sich dermaßen viele Objekte aus sehr unterschiedlichen Epochen an einem einzigen Ort erhalten hätten. Einige der Kostbarkeiten durften die Besucher auch im Original in Augenschein nehmen. Denn nach dem Vortrag bot sich die Gelegenheit, die Sakristei zu betreten. Dort war eine kleine Auswahl zur Ansicht postiert.

Darunter Monstranzen und Messkelche aus der Zeit von 1500 bis 1860, ein silberner Weihwasserkessel, eine Altartafel, ein Spätbarocker Putto aus Stein gehauen, um 1720.

Bleiben zwei Fragen offen: Wo werden die Schätze künftig aufbewahrt? Und wäre es nicht sinnvoll, sie der Öffentlichkeit in Form einer Ausstellung, in einem neu gegründeten Museum zugänglich zu machen? Der Verein der Klosterfreunde jedenfalls macht sich darüber schon längere Zeit Gedanken.