Von Beate Reuter-Manz  Uhr

Der allererste Gang  vor Unterrichtsbeginn führt die Kollegsschüler in Illertissen derzeit zum großen Nachrichten-Glaskasten im Erdgeschoss. Darin hängt ein überdimensionaler Adventskalender. 170 auf 120 Zentimeter groß, zeigt er die Außenansicht der Schule.  Täglich  um 7.30 Uhr schreitet Pförtnerin Elfriede Rapp als Fenster-Öffnerin zur Tat. Danach drücken sich Trauben  von Buben und Mädchen dort die Nasen platt. Der Grund:  Türchen für Türchen werden zwei Lehrer benannt, die an diesem Tag in allen ihren Klassen weder abfragen  noch Hausaufgaben gegen sollten. Die Pädagogen halten sich in der Regel daran. Doch  dieses Advents-Zuckerle müssen sich die Schüler erst einmal verdienen.

Pater Christian Hamberger ist es, der seit acht Jahren die schulische Advents-Aktion organisiert und, wenn möglich, Jahresthemen in den vorweihnachtlichen Schulalltag integriert. In den Religionsunterricht und in den Gottesdienst zum Beispiel. Oder eben in den Adventskalender, für den im Jahreswechsel Schüler von der 5. bis zur 12. Klasse oder Lehrer gefordert sind.

Schüler machen gern mit

Heuer waren die Kinder und Jugendlichen wieder an der Reihe, und zwar zum Thema Bibel. „Das bot sich an, weil es seit diesem Jahr eine neue Übersetzung der Einheitsbibel gibt und weil auch die Luther-Bibel überarbeitet wurde“, erläutert Pater Christian. Für den aktuellen Adventskalender  fragte er Schüler nach ihren Lieblings-Bibelstellen. Wie schon in den Jahren zuvor, bekam der Religionslehrer daraufhin gute  Resonanz von Freiwilligen. Mehr sogar, als Bibelverse in Adventsfenstern unterzubringen waren. Richtig schade findet es beispielsweise Dario Gerovac aus der Klasse 8a, dass er nicht zum Zug gekommen ist: „Ich hätte gerne mitgemacht.“

Geklappt hat es bei Marijana Kalauz aus der 9. Klasse. Sie ist mit einem für Pater Christian besonders anspruchsvollen Satz Jesu im Kalender vertreten: „Euer Ja sei ein Ja – und euer Nein ein Nein.“ Aus einem Bibelspruch-Säckchen der Mama, die Mitglied in einer Gebetsgruppe in Schwendi ist, habe sie diesen Spruch vor Jahren gezogen. „Seither habe ich ihn im Kopf“, berichtet die 15-Jährige. Das Mädchen aus Wain findet es wichtig, dass die Menschen Farbe bekennen und sich klar für oder gegen etwas entscheiden. Die jährliche Weihnachts-Aktion an ihrer Schule findet sie klasse. „Wenn so viele Leute klassenübergreifend an einem Projekt zusammenarbeiten, dann stärkt das die Schulfamilie“, ist die Neuntklässlerin überzeugt.

Von einer coolen Aktion spricht Jonas Schließer. Der Sechstklässler aus Dietenheim beteiligt sich zum ersten Mal am Adventskalender und hat sich die Geschichte vom barmherzigen Samariter aus dem Neuen Testament ausgesucht. „Priester haben einen verletzten Mann, der überfallen wurde, einfach liegen lassen. Geholfen hat ihm ein Mann, der kein Jude war“, erzählt er.

Zwei Ziele verfolge er mit der Kalender-Aktion, erläutert Pater Christian. Er gehe um  eine  besondere Gestaltung der Vorweihnachtszeit, aber auch darum, dass Schüler und Lehrer persönlich Zeugnis geben für ihren Glauben und  öffentlich dazu stehen. „Das stärkt unsere Glaubensgemeinschaft“, ist er überzeugt.

Für die Kollegs-Schüler hat der Religionslehrer am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien, am 21. Dezember, noch eine besondere Überraschung parat: natürlich passend zum biblischen Jahresthema.

Dieses Jahr bloß  23 Fenster

Advent Nur 23 Fenster hat der Adventskalender im Illertisser Kolleg in diesem Jahr.  Auch in den Jahren zuvor ist er immer wieder abgewichen von den 24 Türchen der handelsüblichen Schoko-Kalender. Denn die christliche Adventszeit ist unterschiedlich lang, kann zwischen 22 und 28 Tage dauern.  Der letzte Adventssonntag ist stets der Sonntag vor dem 25. Dezember, womit sich als frühestmögliches Datum der 18. und als spätestmögliches der 24. Dezember ergibt. Daraus folgt, dass die Adventszeit am Sonntag frühestens am 27. November und spätestens am 3. Dezember beginnt.