Brauchtum Krippenausstellung im Kloster Roggenburg

Zu Beginn des neuen Jahres ist in Roggenburg wieder Ausstellungszeit: Pater Roman Löschinger und Krippenbauer Roland Binder beim Fachsimpeln vor der großen Roggenburger Klosterkrippe.
Zu Beginn des neuen Jahres ist in Roggenburg wieder Ausstellungszeit: Pater Roman Löschinger und Krippenbauer Roland Binder beim Fachsimpeln vor der großen Roggenburger Klosterkrippe. © Foto: Thomas Vogel
Thomas Vogel 27.12.2017
Die Krippen der Ausstellung im Kloster Roggenburg kommen in vielerlei Gestalt daher.

Hinter jeder Krippe steht ein Krippenfreund“, lautet einer der Merksätze von Roland Binder. „Und ein Krippenfreund ist dies das gesamte Jahr über“, fügt der Vorsitzende des Krippenvereins Illerberg und Umgebung hinzu. Beispielsweise er selber. Im Frühjahr steht er für Stallbaukurse des Vereins zur Verfügung, und Spaziergänge werden dazu genutzt, um nach brauchbaren Materialien Ausschau zu halten.

Schon die 15. Auflage

Weil unter den 168 Mitgliedern des Vereins viele sind, die diese Sätze tief verinnerlicht haben, besitzen sie oft nicht nur eine einzige Krippe, sondern gleich eine kleine Sammlung. So ist es möglich, dass die mittlerweile schon traditionelle Krippenausstellung im Haus für Kunst und Kultur in Roggenburg ­– die nunmehr 15. Auflage öffnet am Dienstag, 2. Januar erstmals ihre Pforten –, immer wieder etwas anders bestückt ist. Dies dürfte aber nur einer der Gründe sein, warum die Ausstellung so ein starker Magnet ist, der alljährlich bis zu 6000 Besucher anlockt. Mit etwa 130 Arbeiten ist sie zudem eine der größten in der weiten Region. Vereint an einem Platz sind dann die große Klosterkrippe ebenso wie eine Fülle an Kleinkrippen oder Simultankrippen mit ihren vielen parallelen Szenerien. Gezeigt wird das ganze Spektrum, von der neapolitanischen und sizilianischen, orientalischen und alpenländischen bis hin – natürlich – zur schwäbisch-bayerischen Krippe.

Die älteste dieses Mal ist um 1820 entstanden und ein Kuriosum. Denn sie stammt aus einem Mitte des 19. Jahrhunderts abgebrannten Vöhringer Bauernhaus – die deutlich sichtbaren Brand­spuren künden von dieser Tragödie, der ein kleines Wunder innewohnt: die Rettung dieses Zeichens der Volksfrömmigkeit.

Aus jüngerer Zeit stammt die immer weiter wachsende Krippe von Armin Stetter aus Regglisweiler. Er stellt darin eine Vielzahl dörflicher Szenen vor, darunter eine  Schreinerei und das Wirtshaus, in denen er Krippen-Miniaturen versteckt wie in einem Suchspiel. Das Ganze ist zurückversetzt in die Zeit um das Jahr 1900.

Krippen, die dem schwäbischen Typus folgen, werden auch „Stumpen“ oder „Holzstock“ genannt. „Sie verlagern das heilige Geschehen unter einen Wurzelstock, der als Höhle dient“, erläutert Pater Roman Löschinger, Direktor des Bildungszentrums und Verfasser einer lehrreichen Broschüre über die Krippen-Traditionen. Als die drei Besucher und Gabenüberbringer aus dem Morgenland sind hier Buben als Sternsinger dargestellt, nicht etwa Könige im Mannesalter.

Ganz im Gegensatz dazu logiert das Jesuskind in den neapolitanischen Krippen in einem Palast und inmitten einer städtischen Szenerie. Erst um 1900 kam die Idee auf, maßgeblich verbreitet von dem „Krippenprofessor“ Sebastian Osterrieder, die Szenen in eine orientalische Kulisse einzubetten und sie möglichst originalgetreu auszustatten.

Ausdruck der Gegenreformation

Bis zurück ins Mittelalter führt die Suche nach den Ursprüngen der Verehrung des Jesuskindes. Die Verbildlichung des biblischen Geschehens in Gestalt von dreidimensionalen Bilderbögen aber gewann erst unter der Regie der Jesuiten richtig an Fahrt.

Krippen waren ihnen ein Instru­ment der Gegenreformation. Bis weit ins 19. Jahrhundert waren sie lediglich in katholischen Gegenden verbreitet, während Weihnachtsbäume der protestantischen Tradition entsprachen. Natürlich spielt das heute keine Rolle mehr. „Eine Frucht der ökumenischen Begegnung“, so sieht das Pater Roman: „Man hat die Stärken der jeweils anderen Glaubensrichtung übernommen.“ Ganzjahres-Krippenfreund Roland Binder ist im Übrigen Protestant. Dieser Teil der Krippen-Historie hat für ihn noch nie eine große Rolle gespielt, sagt er.

Eröffnung der Ausstellung ist am 2. Januar

Ausstellung Neben den Krippen werden in der Ausstellung in Roggenburg auch Klosterarbeiten vorgestellt, darunter so genannte „Fatschenkindle“. Dieses Wort ist aus dem italienischen „facia“, Binde, Wickel, abgeleitet und spielt auf den noch bis weit in das 19. Jahrhundert verbreiteten Brauch an, Kleinkinder nachts fest in Stoffe oder Bänder einzubinden und einzuwickeln. Im Barock sprang der Brauch auf die Jesus-Verehrung über. Besonders die Klöster trugen sehr zur Verbreitung gefatschter Wachskinder bei.

Öffnungszeiten Eröffnung der Ausstellung im Kloster Roggenburg ist am kommenden Dienstag, 2. Januar, um 19 Uhr. Bis zum 2. Februar hat die Krippen-Schau mittwochs bis samstags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonn- und feiertags ist sie von 10.30 bis 17 Uhr offen.