Zu einer kompletten Ausrüstung für einen Tipp-Kick gehören je ein Feldspieler und ein Torhüter, eine Rasenmatte und ein zwölfeckiger Ball. „Viele Vorgaben hatten wir nicht“, sagt Joachim Herold. Lediglich die Abmessungen der Spielfiguren sollten bei allen annähernd gleich sein: Höhe des Torwarts 90 Millimeter, Breite 30  und eine maximale Kopfhöhe von zehn Millimetern. „Die Gestaltung der Figuren und des Spielfelds blieb uns selbst überlassen“, erläuterte der Zehntklässler der Berufsschule Illertissen das Projekt, das in das derzeitige EM-Fieber passt.

  Bei einem Tipp-Kick-Turnier präsentierten die Metallklassen ihre Projektarbeiten, die sich mit dem Herstellen der Figuren und Spielfelder ganz den Grundfertigkeiten der Metallverarbeitung widmeten: Feilen, Sägen und Bohren. „Wir machen mit den Zehntklässlern jährlich ein Projekt, das diese Grundfertigkeiten mit einem interessanten, aktuellen Thema verbindet“, erläutert Martin Kleber, Lehrer der Metallklassen. „Und da bot sich dieses Jahr zur Fußball-Europameisterschaft ein Tipp-Kick-Turnier an.“ Bei einer Lernort-Kooperation mit den Betrieben, in denen die Schüler  arbeiten, wurde in den vergangenen Jahren auch schon ein Formel1-Auto mit Stickstoffantrieb erarbeitet. Nach der eigenständigen Planung und Herstellung der Figuren für den Tipp-Kicker wurden die Schüler europäischen Ländern zugeteilt und gestalteten neben einem Arbeitsprotokoll ein Plakat zu ihrem jeweiligen Land.

Zum Turnier in der Aula, wo neben den Spielfeldern und Figuren auch Nationen-Thementische gezeigt wurden, traten die Schüler mit ihren Teams dann gegeneinander an. Österreich, das Projektteam von Joachim Herold, schied schon in der Vorrunde aus.

Dafür machte sich die kroatische Mannschaft Hoffnung auf den Titel. Dieses Team verstärkte der 18-Jährige Lukas Hahn, der in Aufheim kickt und mit seinem Bruder außerdem gerne Tipp-Kick spielt. Auch Vanessa Mahmuti hatte für das Team Kroatien in der Firma Victor Reinz in Neu-Ulm mit an den Figuren gearbeitet. „Das war gar nicht so einfach, wie es jetzt aussieht“, sagte die Schülerin, die sonst eher wenig für Fußball übrig hat.

In Verbindung mit dem Projekt habe die Herstellung des Tischkickers aber richtig Spaß gemacht, sagt sie. „Das ist ja auch der Hintergedanke  bei dem Projekt“, meinte Lehrer Kleber. Nämlich den Schülern im handlungsorientierten und fächerübergreifenden Unterricht einen Anlass zu geben, mit Ansporn zu werken. So wurde   im Verlauf des Turniers  der  Sieg fast zu einer  Nebensache. „Gut so: Es geht dabei ja auch um Teamfähigkeit und Sozialkompetenz“, sagte Kleber.