Projekt Beim Verkehr gehen Schwaben getrennte Wege

Von Niko Dirner 23.05.2017

Eigentlich ist die Idee, dass man zusammensteht. Dass die Landkreise und Kommunen zwischen Ostalb und Bodensee gemeinsam etwas auf die Beine stellen, um den Metropolen Stuttgart und München geschlossen entgegentreten zu können. Umsetzen soll das der 2012 gegründete Schwabenbund. Allerdings zeigt sich jetzt, dass eines der ersten großen Vorhaben, genannt Schwabenbund-Services, die Region nicht weiter vernetzt. Dass das laut Bund-Geschäftsführer Werner Weigelt „größte und ambitionierteste ÖPNV-Mobilitäts-Projekt in ganz Deutschland“ nicht überall überzeugt. Das Gebiet des Donau-Iller Nahverkehrsverbundes (Ding) mit der Stadt Ulm und den Landkreisen Alb-Donau, Neu-Ulm und Biberach ist nämlich außen vor.

Bei Schwabenbund-Services geht es um die Vernetzung von Mobilitätsanbietern, womit im ersten Schritt die Verkehrsverbünde gemeint sind. Entstehen soll eine elektronische Plattform, über welche die Kunden ein Ticket für die gesamte Fahrtstrecke kaufen können – und im zweiten Schritt auch gleich touristische Angebote, wie etwa Liftkarten oder Hotelzimmer. Weigelt: „Ein neuer Vertriebsweg.“ 1,2 Millionen Euro hat er dafür beim Bundesverkehrsministerium aus dem Topf für die digitale Vernetzung im ÖPNV locker gemacht. Vor gut einer Woche fand in Memmingen der Startschuss für das Projekt statt. Mit dabei sind die Landkreise Ober- und Unterallgäu sowie Günzburg und die Städte Memmingen und Kempten. Dass das Ding-Gebiet außen vor bleibt, nennt Weigelt „nicht nachvollziehbar und enttäuschend“.

Eine Aussage, die Ding-Geschäftsführer Thomas Mügge erstaunt: „Wir haben ausführlich begründet, warum wir nicht mitmachen.“ Auch die ans Schwabenbund-Gebiet angrenzenden Verkehrsverbünde Naldo (Neckar-Alb-Donau) und Bodo (Bodensee-Oberschwaben)  hätten übrigens abgewunken, beim Ding gibt es einen entsprechenden Aufsichtsratsbeschluss. „Weil wir in Schwabenbund-Services keinen nennenswerten Mehrwert erkennen.“ Die angedachte Möglichkeit, übers Handy seine Tickets zu bestellen, biete der Ding längst an. Technisch sei man weiter als die Allgäuer und Günzburger.

Ohne Bahn uninteressant

Weiterer Kritikpunkt ist, dass die Bahn, „und das ist verbundübergreifend der wichtigste Transporteur“, nicht eingebunden ist. Das werde angestrebt, räumt Mügge ein, „aber für uns war das grundlegende Voraussetzung“. Eine Vernetzung mit den Bergbahnen sei zwar auch ohne direkte Verknüpfung mit dem Zug interessant, spiele aber „von Ulm aus nicht eine so große Rolle“. Im Schülerverkehr bringe die neue Plattform keine Entlastungen.

Ding wolle vielmehr die Übergänge zu Naldo und Bodo erleichtern und überlege, sich darüber hinaus an einer anderen bundesweiten Vernetzungsinitiative zu beteiligen. In diesem Szenario reicht eine ÖPNV-App, um in ganz Deutschland Tickets online kaufen zu können. So bekäme etwa der Nutzer der Ding-App in Berlin die dortigen Fahrpläne und Preise angezeigt. „Wenn wir Veränderungen machen, dann gehen wir gleich in eine bundesweite Vernetzung“, sagt Mügge. Nicht zuletzt dieser Schritt bedeute übrigens bis in zwei Jahren das Aus für die Ding-Chip-Karte.

Der südliche Schwabenbund und der Kreis Günzburg indes gehen den anderen Weg: Der technische Aufbau des neuen Systems soll 2018 beginnen, Start Anfang 2019 sein. Weigelt: „Die Fördergelder bekommen wir trotzdem.“ Die nördlichen Bund-Mitglieder könnten später dazustoßen. Mügge: „Die Beschlusslage ist, dass wir nicht mitmachen.“

Der Schwabenbund und seine Aufgaben

Vernetzung 2012 haben sich im Schwabenbund Gebietskörperschaften, Regionalverbände und die Wirtschaftskammern von der Schwäbischen Alb bis ins Allgäu zusammengeschlossen. Ziel des Vereines ist es, nach eigenen Angaben, „eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands außerhalb der Metropolregionen durch Vernetzung von Sachthemen, Strukturen und Akteuren als einen der attraktivsten Lebens- und Wirtschaftsräume zu positionieren“. Der Schwabenbund finanziert sich unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen.