Beschluss Bei Marktplatzschließung uneinig im Konsens

Weit und breit kein Auto: So andächtig und still wie zur Weihnachtszeit könnte der Marktplatz in Illertissen auch in den kommenden Sommermonaten aussehen. Einige allerdings wünschen sich etwas mehr Leben auf dem Platz.
Weit und breit kein Auto: So andächtig und still wie zur Weihnachtszeit könnte der Marktplatz in Illertissen auch in den kommenden Sommermonaten aussehen. Einige allerdings wünschen sich etwas mehr Leben auf dem Platz. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Illertissen / Lisa Maria Sporrer 05.12.2017

Es war eine jener Diskussionen, bei denen die Argumente sich in Sprichwörtern Luft zu verschaffen suchten: Man müsse endlich „Nägel mit Köpfen machen“, forderte Rüdiger Stahl, ohne allerdings für die Gastronomen „Schicht im Schacht“ zu machen, wie Bürgermeister Jürgen Eisen mahnte. Das Thema Marktplatzsperrung erregt schon seit einiger Zeit die Stadträte, Gastronomen und Anwohner; nun fand die Diskussion nach einer emotionalen Debatte seinen Abschluss, obwohl, so Stadtrat Wilhelm Fischer, über „halb-ungelegte Eier“ beraten wurde.

„Wo stehen wir“, fragte Henning Tatje, Wirtschaftsbeauftragter der Stadt und eröffnete damit in der Stadtratssitzung die Kontroverse um eine Teilsperrung des Marktplatzes in den Sommermonaten. „Die Heterogenität der unterschiedlichen Bedürfnisse ist dabei immer zu berücksichtigen“, sagte Tatje, der zum Abschluss seines kurzen Vortrags den Satz formulierte, mit dem alle Stadträte fortan ihre Redebeiträge begannen: „Der Marktplatz soll belebt werden.“ Innerhalb dieses Konsens’ allerdings gingen die Ansichten auseinander: Die Ostseite schließlich sei schon belebt, man müsse sich um die Westseite kümmern, meinte Ewald Ott und bekam von Wilhelm Fischer Unterstützung in dieser Ansicht: Ihm fehle dort ein Platz zum Verweilen. Immerhin sei der Marktplatz ein Ort des öffentlichen Interesses, meinte Ansgar Batzner. Ebenfalls für eine Belebung sprach sich Ansgar Bauer aus, allerdings war er auch der einzige, der sich öffentlich gegen eine Verknüpfung von Sperrung und Belebung aussprach: „Ich bin für die Belebung, aber gegen eine Sperrung“, sagte Bauer, der eine Verkehrsverlagerung in den Sperrzeiten befürchte und außerdem daran erinnerte, dass die eigentliche Diskussion über eine (Teil-)Sperrung ursprünglich aufkam, weil sich Anwohner über die Motorengeräusche der Autos beschwert hatten, die zu nächtlicher Stunde ihre Runden in der Illertisser Ortsmitte drehten.

„Wir dürfen bei der angestrebten Belebung aber auch die Anwohner nicht außer Acht lassen“, sagte Helga Sonntag. Andreas Lanwehr brachte eine neue Diskussion über Sperrzeiten für Außengastronomie in Gang. Als Anwohner sehe er nicht die zu beschließende Sperrzeit für Autos von Samstag 18 Uhr bis Sonntag 22 Uhr als Problem an, sondern die Störung der Nachtruhe, meinte Lanwehr und stellte den letztlich abgelehnten Antrag, erst einmal Sperrzeiten für Gastronomen genauer zu definieren. „Sperrung ja, Belebung auch; aber mit klaren Regeln, so dass die Gastronomen nicht tun und lassen können, was sie wollen“, argumentierte Andreas Lanwehr.

Thema verschoben

Einer der anliegenden Gastronomen, Philip Nissan vom Café am Markt hatte in einem persönlichen  Gespräch mit Tatje gleich Vorschläge für eine Außenbewirtung gemacht: Dabei ging es um Strandstühle und kleine handliche Tische, die wild auf dem Marktplatz aufgestellt werden könnten. Am Abend, nach der Sperrzeit um 23 Uhr sollten diese Stühle dann wieder an einem Sammelort abgeräumt werden. „Länger als 22 Uhr ist aber nicht drin. Man muss auch Rücksicht nehmen“, sagte Fischer. Und auch Arthur Schlosser forderte eine erneute Diskussion um die Sperrzeiten der Außenbewirtung. Das sei prinzipiell ein schwieriges Thema, versuchte Eisen die Diskussion darüber abzumildern: „Wir können ja keinem Gastronom sein Lokal schließen. Dann haben wir hier bald nämlich keine Gastronomen mehr.“

So wurde das Thema Außenbestuhlung und Sperrzeiten von Außenbewirtung verschoben und lediglich mit 16 zu 22 Stimmen eine Teilsperrung des Marktplatzes von Juni bis August 2018 an den Wochenenden beschlossen.

Befragung von Anliegern und Gastronomen bringt vielschichtige Antworten

Meinungsbild Im April 2017 hatte der Illertisser Stadtrat beschlossen, den Marktplatz versuchsweise und vorbehaltlich der mehrheitlichen Zustimmung der Anwohner in den Monaten von Juni bis August abschnittsweise für den allgemeinen Verkehr von Samstag 18 Uhr bis Sonntag, 22 Uhr, zu sperren. Die Testphase startete am 1. Juli und endete am 27. August. Eine weitere und auf das kommende Jahr ausgerichtete Umfrage stand im Ergebnis einer erneuten Sperrung positiv gegenüber. Von den 65 an die Anlieger und Gastronomen aufgegebenen Fragebögen kamen 29 an die Verwaltung zurück. Zehn Personen antworteten mit „ja“ auf die Frage, ob sie für eine Teilsperrung an den Wochenenden seien, ohne allerdings, dass dann während der Sperrung auch Veranstaltungen durchgeführt werden. Zwei Personen mehr befürworteten die Sperrvariante inklusive möglicher Veranstaltungen, um den Marktplatz zu beleben. Von diesen zwölf Personen wollten aber lediglich zwei Personen mehr als drei Veranstaltungen. Sieben Personen sprachen sich in den abgegebenen Fragebögen gegen eine Sperrung des Illertisser Marktplatzes aus.