Jubiläum Bayern klingt frech, fröhlich und vielseitig

Illertissen / Von Manuela Rapp 23.07.2018

So also klingt Bayern: frech, fröhlich, vielseitig, stimmungsvoll, authentisch, rockig, heimatverbunden. Oder wie es Susanne Schewetzky, die Illertisser Kulturreferentin, formuliert: „Echt, ehrlich, handgemacht: Diese Musik kommt an.“ Wer auf dem alten BayWa-Gelände der Stadt mit dabei war, konnte sich von den Qualitäten gleich dreier Bands überzeugen: „Zwoa Bier“, „Fättes Blech“ und „The Heimatdamisch“. Der Titel des Konzertmarathons war Programm: „Bayern-Sound-Festival“. Ein Abend zum Abfeiern mit mehreren hundert Besuchern. Wer sich von der guten Laune nicht anstecken ließ, der war selber schuld.

Großer Aufwand

Hintergrund für die fast sechs­stündigen Band-Festspiele war ein historischer: „100 Jahre Freistaat und 200 Jahre bayerische Verfassung“, wie Susanne Schewetzky, Zuständige für die Organisation, erläutert. Wenn das mal nicht Grund ist, die Heimat hochleben zu lassen – wie überall im ganzen Land übrigens. Und so taten sich Landkreis Neu-Ulm und Stadt Illertissen zusammen, um dem gebührend Rechnung zu tragen. Ihre Idee: Das Motto „Wir feiern Bayern“ musikalisch umsetzen. „Musik verbindet, ist Brauchtum“, sagt Schewetzky. Hier beim Festival könne sich dies ganz modern widerspiegeln.

Der Aufwand für die Veranstaltung, die laut Kulturreferentin alle Generationen ansprechen sollte, war enorm: „Wir haben rund 700 Plakate geklebt“, schätzt die Kulturreferentin. Das alte BayWa-Gelände hätten Bürgermeister Jürgen Eisen und ihr gleich gefallen, fügt sie hinzu. Dort hatte der Bauhof am Vortag die der Stadt gehörende Bühne errichtet. Die Technik kam von der Firma Gamperling. Von der Feuerwehr stammte die Lichtgiraffe für die Beleuchtung. Etwa zehn Security-Leute waren engagiert, für die Musiker gab es zwei Umkleiden im auf dem Areal befindlichen Fahrradladen Böttcher.

Dann geht es los:  „Zwoa Bier“, personifiziert durch Michi und Joseph, sind die „Anheizer“, treten um 18 Uhr als Erste vors Publikum. Ihr Stil: „Eine Kombi aus bayerische Liedermacher, Punk, Rock’n’Roll“, erklären sie. Kleine Festivals finden die Münchner charmant, intimer, familiärer. „Es hat Spaß gemacht, vor allem wenn man sieht, dass die Leute Spaß haben“, meint Michi. Für sie sei die Besucherzahl nicht so wichtig: „Wir spielen für die, die da sind.“ Es sei nur schade, „wenn man kulturell etwas bieten will und die Leute springen nicht an.“ Dem SV Illertissen sei übrigens Dank, denn dadurch war die Stadt Joseph ein Begriff, Michi schaute mal schnell bei Google nach.

Voll in Fahrt

Ruhe herrscht derweil bei Christoph Dietenberger am Stand: Er verkauft T-Shirts von „Fättes Blech“, der zweiten von drei Gruppen. Mit ihrer Mischung Hip-Hop, Pop, Rap, Funk und einer guten Show mischen die Jungs mit ihren Blasinstrumenten das Publikum ordentlich auf. „Man kann sich auch mit wenig Leuten amüsieren“, betont er. Die Stimmung mache es – und die sei gut.

Mittlerweile sind die Zuhörer, die vorne stehen, voll in Fahrt – „Fättes Blech“ weiß, wie man Fans glücklich macht. Mitten drin: Brigitte und Zenta. „Wenn sich’s ergibt, dann gehen wir auf Konzerte“, erklären die beiden Damen aus Senden. Sie seien Musikliebhaberinnen in jeglicher Hinsicht. Zenta sagt: „Das ist ein toller Platz hier. So etwas könnte man öfter machen.“ Und die Bands? „So junge Kerle machen uns auch Spaß, wenn die mal nicht gut sind“, schmunzelt Brigitte. „Man wird immer an Zahlen gemessen, aber gute Laune, die ist viel wichtiger“, kommentiert Hennig Tatje, der Illertisser Wirtschaftsbeauftragte die entspannte Atmosphäre.

Beim BRK Illertissen, das gleich neben dem Eingangsbereich angesiedelt ist, vermeldet das Trio Wilfried Hiebl, Irmgard Erhardt und Tamara Hiebl „keine besonderen Vorkommnisse.“ Und privat, was denken sie? „Die Musik ist ganz gut, aber es sind wenig Leute da. Schade, denn da fehlt die Stimmung.“

An der Bühne sieht das ganz anders aus: Beim letzten Auftritt des Festivals heizen „The Heimatdamisch“ noch mal richtig ein. Die achtköpfige Kapelle schreckt musikalisch vor nichts zurück: Sie schafft eine wirkungsvolle Klangmelange von Classic Rock und Pop mit böhmisch-mährischen Tönen. Exzentrisch, aber gut.

Gleich zwei Jahrestage

Geschichte Neben dem 100. Geburtstag des Landes prägte noch ein historisches Datum den Bayern-Sound in Illertissen am Freitag: Das Festival fand auf den Tag genau 262 Jahre nach dem Verkauf der Vöhlinstadt an das Kurfürstentum Bayern statt.

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