Infrastruktur Bayern bekennt sich zur Regio-S-Bahn

„Eine der erfolgreichsten Bahn-Reaktivierungen in Bayern“: So bezeichnet Staatssekretär Josef Zellmeier die Verbindung zwischen Senden und Weißenhorn.
„Eine der erfolgreichsten Bahn-Reaktivierungen in Bayern“: So bezeichnet Staatssekretär Josef Zellmeier die Verbindung zwischen Senden und Weißenhorn. © Foto: KOENNEKE V
Illertissen / Bianca Frieß 05.09.2018

Sie soll die Mobilität in der ganzen Region verbessern: die Regio-S-Bahn Donau-Iller. Nun ist das Projekt wieder einen Schritt vorangekommen. Der Freistaat Bayern hat seine Unterstützung zuge­sichert. „Verkehrsministerin Ilse Aigner wird in den nächsten Wochen, noch im September, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnen“, verkündete Staatssekretär Josef Zellmeier bei einem Treffen in Illertissen. „Wir sind genauso bereit wie Baden-Württemberg, unseren Beitrag zu bringen, damit der Ausbau funktioniert.“ Das Nachbar-Bundesland hat schon Ende 2017 einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

Ausbau der Illertalbahn

„Wir müssen gemeinsam an
einem Strang ziehen“, sagte Zellmeier. Aus seiner Sicht die dringlichsten Maßnahmen auf bayerischer Seite: Der Knoten-Bahnhof Senden müsse ausgebaut, die Leistungsfähigkeit gesteigert werden. Auch die geforderten sechs neuen Bahnhalte im Raum Memmingen unterstütze das Land. „Der Freistaat wird diese Halte schaffen.“

Auf der Illertalbahn, also der viel genutzten Strecke Neu-Ulm – Kempten, „brauchen wir einen Quantensprung“, sagte der Staatssekretär. Welche Ausbaumaßnahmen notwendig sind, prüft die Bayerische Eisenbahngesellschaft zurzeit in einem Gutachten. „Da sind wir auf der Zielgeraden, damit ist noch in diesem Jahr zu rechnen“, berichtete Zellmeier. Anschließend werde in einem weiteren Gutachten die Wirtschaftlichkeit überprüft.

Die Maßnahmen sollen nun durch die Kooperation schneller vorangetrieben werden. Mit der Zusammenarbeit erreiche man eine neue Stufe, sagte der Staatssekretär. „Das müssen wir auch tun, um den Bund zu überzeugen, mitzumachen und Fördermittel bereitzustellen.“ Auch mit dem Land Baden-Württemberg liefen dazu bereits Gespräche.

Für die Verantwortlichen in der Region war das Treffen in Illertissen ein voller Erfolg. „Das ist das klarste Bekenntnis zu dem Projekt, das ich je gehört habe“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger, der das Vorhaben seit fast fünf Jahren betreut. Und auch Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg freute sich „außerordentlich“, wie er sagte: „Damit setzen wir ein nach außen sichtbares Zeichen.“

Die künftige Regio-S-Bahn soll sich über die Landkreise Neu-Ulm, Alb-Donau, Günzburg, Heidenheim, Unterallgäu und Biberach sowie über die Städte Ulm und Memmingen erstrecken – als „Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs“, erklärte Oliver Dümmler, Geschäftsführer des Vereins „Regio-S-Bahn Donau-Iller“. Alle Strecken sollen ganztägig mindestens im Stundentakt bedient werden, die Linien im Zulauf auf die Zentren Neu-Ulm/Ulm und Memmingen mindestens halbstündlich. Das gesamte Netz soll außerdem eng mit anderen Angeboten wie dem Busverkehr vernetzt werden. „Wir versuchen von Anfang an, Schnittstellen mit zu gestalten“, sagte Dümmler.

Um diese Ziele zu erreichen, muss die Eisenbahn-Infrastruktur ausgebaut werden: Bis zu 30 Halte müssen modernisiert oder neu gebaut, einige Streckenabschnitte ausgebaut werden – teilweise zweigleisig. Außerdem sollen bestehende Bahnhöfe in Sachen Barrierefreiheit aufgerüstet werden. „Wir hoffen, jetzt zügig in die Projektierung der Ausbaumaßnahmen einsteigen zu können“, sagte Dümmler. „Wichtig ist, dass Bayern und Baden-Württemberg kooperieren.“

Das Netz erstreckt sich über 6000 Quadratkilometer

Gebiet Die geplante Regio-S-Bahn hat ein Einzugsgebiet von rund 6000 Quadratkilometern, in dem 1,1 Millionen Einwohner leben. Das Netz beinhaltet fünf Bahnstrecken in Baden-Württemberg: die Brenz-, Donau-, Süd- und Filstalbahn sowie Laupheim West – Laupheim Stadt. Außerdem gehören vier bayerische Strecken dazu: die Bayerische Donaubahn, die Illertalbahn, die Mittelschwaben Bahn und Senden-Weißenhorn.

Verein Zur Umsetzung des Projekts haben die beteiligten Städte und Landkreise Ende 2015 den Verein „Regio-S-Bahn Donau-Iller“ gegründet. Diesem standen in den ersten drei Jahren insgesamt 1,6 Millionen Euro aus freiwilligen kommunalen Leistungen zur Verfügung.

Illertalbahn soll elektrifiziert werden

Elektrifizierung Auf der Illertalbahn sollen künftig Elektrozüge fahren: Auch das war Thema bei dem Kooperationsgespräch in Illertissen. Das bayerische Verkehrsministerium hat die Strecke als eine der „vorrangig zu elektrifizierenden Nahverkehrsstrecken im Rahmen der Bayerischen Elektromobilitäts-Strategie Schiene eingestuft“, sagte Staatssekretär Josef Zellmeier. Verkehrsministerin Ilse Aigner habe die Strecke auch schon für ein Sonderelektrifizierungsprogramm des Bundes vorgeschlagen.

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