Osterberg Bahnunfall weiter ungeklärt

Osterberg / WILLI BÖHMER 17.08.2013
Die 46-jährige Frau aus Osterberg, die beim Bahnunfall am 17. Juli in Kellmünz schwerste Verletzungen erlitt, schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Über Konsequenzen aus dem Unglück schweigt die Bahn.

Auch drei Wochen nach dem schweren Bahnunglück bei Kellmünz gibt es noch keine Klarheit über die genauen Ursachen. Ein Gutachter untersucht die Abläufe, die an jenem 17. Juli kurz vor 7 Uhr an dem unbeschrankten Bahnübergang zur Katastrophe führte, seine Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Der grobe Ablauf aber ist bekannt: Die 46-jährige Frau aus Osterberg wollte auf dem Weg zur Arbeit mit ihrem Wagen die Bahnstrecke überqueren. Sie übersah den mit hoher Geschwindigkeit nahenden Regionalexpress, möglicherweise wurde sie durch die tiefstehende Sonne geblendet, schließt die Polizei nicht aus.

Beim Zusammenprall wurde der vordere Waggon aus den Gleisen gehoben, er landete zehn Meter weiter in einem Vorgarten, dabei schleifte er das Auto mit der 46-Jährigen mit. Die Frau erlitt lebensgefährliche Verletzungen, zwei Zuginsassen wurden schwer verletzt, einige leicht.

Die Autofahrerin ist Mutter von drei Kindern. Sie musste notoperiert werden, verlor beide Beine, überstand eine Blutvergiftung und eine Lungenentzündung - und gestern wurde bekannt, dass sie sich auf dem Weg der Besserung befindet. Sie atme wieder selbstständig und schwebe nicht mehr in Lebensgefahr. Die Kinder, 19, 8 und 6 Jahre alt, werden derzeit von der Schwester der Frau versorgt, die nach Osterberg angereist ist, die Familie wohnt in einem Mietshaus.

Das Schicksal der Familie hat viele Menschen zutiefst berührt und auch mehrere Hilfs- und Spendenaktionen ausgelöst. Die Bürgermeister von Osterberg und Altenstadt, Klaus Seidler und Wolfgang Höss, sammeln Spenden. Beide waren gestern nicht zu erreichen, aber Alexandra Matouschek, die in Osterberg einen Friseursalon betreibt und ebenfalls sammelt, berichtete, dass inzwischen mehr als 30 000 Euro zusammengekommen seien. Auf ihrem Spendenkonto haben sich 4300 Euro angesammelt. Viele Privatleute, aber auch Firmen haben Geld überwiesen, um der Familie zu helfen. Und die Gemeinde Osterberg helfe bei organisatorischen Dingen.

Landrat Erich Josef Geßner hatte sich nach dem schweren Unfall an Bahnchef Rüdiger Grube und die bayerische Bahnverwaltung in München gewandt (wir berichteten). Er hatte festgestellt, dass "die Absicherung des Bahnübergangs meines Erachtens unzureichend war". Bei einem Vor-Ort-Termin habe man festgestellt, dass die Sicherungsmaßnahmen "total überaltert" seien. Geßner machte darauf aufmerksam, dass im Landkreis Neu-Ulm insgesamt sieben Bahnübergang nicht durch Schranken gesichert seien und forderte schnelle Abhilfe.

Bis gestern habe er jedoch noch nicht einmal eine Bestätigung über den Eingang seines Schreibens aus München oder Berlin erhalten. Er sei darüber maßlos enttäuscht, um so mehr, als bereits seit 1995 darüber diskutiert werde, diesen Bahnübergang zu entschärfen, bis heute sei nichts geschehen. Hätte die Bahn früher reagiert, wäre der schwere Unfall mit viel menschlichem Leid und einem Millionenschaden möglicherweise zu verhindern gewesen.

Franz Lindemair, der Sprecher der bayerischen Bahn, gab sich gestern zugeknöpft. Es liefen Gespräche, beispielsweise mit dem Straßenbauamt und den Aufsichtsbehörden der Bahn, aber Entscheidungen seien noch nicht getroffen worden. Landrat Geßner werde umgehend eine Antwort auf sein Schreiben erhalten, versprach der Bahn-Sprecher.