Senden Bahnübergang: Kürzere Schließzeiten dank neuer Technik?

Der Bahnübergang Hauptstraße: Muss man dort künftig länger oder kürzer warten? Darüber gehen die Meinungen in Senden auseinander.
Der Bahnübergang Hauptstraße: Muss man dort künftig länger oder kürzer warten? Darüber gehen die Meinungen in Senden auseinander. © Foto: Matthias Kessler
Senden / NIKO DIRNER 25.07.2015
Belegt ein Film der Bahn, dass neue Technik die Wartezeiten an Bahnübergängen verkürzt? Ja, meinen die Schranken-Fans. Nein, meinen die Gegner. Die Bahn sagt: Senden ist mit dem Fall im Film nicht vergleichbar.

Die Bahn trickse, um die 1,2 Millionen Euro teure Modernisierung des Sendener Bahnübergangs von der Backe zu bekommen. Das sagen jene in Senden, die für den Erhalt des Bahnübergangs kämpfen. Nun meinen sie, einen Beleg für ihre Behauptung gefunden zu haben. Wie berichtet, hat Wortführer Siegfried Heinisch diesen vermeintlichen Beweis am Donnerstagabend bei der Infoveranstaltung des Gewerbeverbandes IHGV vorgestellt. Um es gleich zu sagen: Die andere Seite stellt die Aussagekraft seiner Entdeckung in Frage.

Heinisch hat auf der InternetSeite der Bahn einen Beitrag über die Modernisierung der Strecke zwischen Knappenrode und Horka in Ostsachsen gefunden. Dort werden in einem Video zwei Bahnübergänge verglichen: Einer wird in Niesky von einem Wärter bedient, der andere bei Hoyerswerda arbeitet mit moderner Technik. Und siehe da: An der neuen Schranke müssen die Autos statt drei Minuten nur noch etwas mehr als eineinhalb Minuten warten - obwohl eine Ampel vorgeschaltet wurde. Heinisch schlussfolgert daraus: "Das ist klar: Neue Technik wird nur dort eingesetzt, wo es zu einer Effizienzsteigerung kommt."

Bernd Honerkamp von der Bahn widerspricht: "Die im Film gezeigte Altanlage in Niesky ist mit der jetzigen Sendener Anlage nicht zu vergleichen", sagt der Pressesprecher. Außerdem seien die beiden Anlagen im Film eigentlich auch nicht miteinander vergleichbar. Doch der Reihe nach: Die Anlage in Niesky werde von einem Schrankenwärter bedient, der beim Schließen und Öffnen der Schranken noch eine telefonische Meldung an den Fahrdienstleiter senden müsse. Die jetzige Sendener Anlage sei aber schon moderner, werde direkt vom Fahrdienstleiter gesteuert. Es gebe keinen telefonischen Meldeweg.

Zudem werde im Film eine Anlage im Bahnhofsbereich (Niesky) mit einer Anlage auf freier Strecke (Hoyerswerda) verglichen. "Auf freier Strecke fahren die Züge schneller, so dass sich die Vorteile einer neuen Anlage mit Ein- und Ausschaltkontakten stärker auswirken als bei langsamen Zugdurchfahrten im Bahnhofsbereich." Letzteres treffe auch auf Senden zu. Ein weiterer Unterschied zwischen Hoyerswerda und Senden ist, dass in Senden eine Ampelanlage ein Stück weit vor dem Übergang entstehen soll - schließlich kommt hier Verkehr von vier Seiten (Hauptstraße/Ortsstraße, Bahnhofstraße, Brucknerstraße und Funkweg), zudem gibt es viele Fußgänger und Radler.

Honerkamp weiter: Für die Analyse der Situation in Senden müsse auch die Zahl der Züge berücksichtigt werden. Wie berichtet, sollen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 mehr Züge fahren. "Dadurch schließen sich die Schranken häufiger und/oder länger bei kurz aufeinanderfolgenden Zugfahrten."

So bleibt die Bahn bei ihrer Aussage: "Durch die neue Bahnübergangs-Sicherheitsanlage mit Lichtzeichenanlage werden sich die Wartezeiten der Autofahrer auf jeden Fall geringfügig verlängern." Wie genau, hat die Bahn nach Tageszeiten geordnet öffentlich gemacht, die Tabelle ist auf der Webseite der Stadt abrufbar. Demnach führen die neue Technik plus zusätzliche Zugfahrten zwischen Senden und Neu-Ulm ab Ende 2018 zu Schließzeiten, die bis zu vier Minuten länger sind. Diese Aussagen werden von Heinisch und Co in Frage gestellt. Jene in Senden, die für die Schließung sind, glauben den Zahlen indes.

Info www.deutschebahn.com/de/konzern/bauen_bahn/aus_und_neubauprojekte und dann auf den Link "Knappenrode-Horka", dann auf "Neue Technik - kürzere Schließzeit"