Bahn Bahn: Die Übergänge auf Kellmünzer Strecke werden umgebaut

Der Bahnübergang bei Kellmünz, bei dem im Juli ein Regionalexpress entgleiste (unser Foto), soll bis 2017 umgebaut werden. Foto: Thomas Pöppel
Der Bahnübergang bei Kellmünz, bei dem im Juli ein Regionalexpress entgleiste (unser Foto), soll bis 2017 umgebaut werden. Foto: Thomas Pöppel
Kellmünz / WILLI BÖHMER 27.08.2013
Der Bahnübergang bei Kellmünz, an dem ein Zug einen Pkw erfasste und entgleiste, wird bis 2017 umgebaut. Das teilte die Bahn Landrat Erich Josef Geßner mit. Ein Mitarbeiter überwacht den Übergang.

"Auch mich hat die Nachricht vom tragischen Unfall am Bahnübergang in Kellmünz tief bewegt." Das schreibt Klaus Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für den Freistaat Bayern, an den Neu-Ulmer Landrat Erich Josef Geßner. Bis 2017 werde Abhilfe geschaffen.

Josel antwortet im Auftrag des Bahn-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube auf ein Schreiben des Landrats, der nach dem schweren Zugunglück vom 17. Juli Sicherheitsmängel kritisiert und schnelle Abhilfe gefordert hatte (wir berichteten). Wegen des laufenden Ermittlungsverfahren könne und wolle er den Ergebnissen der Untersuchung nicht vorgreifen. Die Staatsanwaltschaft Memmingen bestätigte gestern, dass das Gutachten, von dem man sich auch Hinweise auf den Unfallhergang erhofft, noch nicht vorliegt.

Der Bahnübergang am Steinweg entspreche den geltenden Sicherheitsbestimmungen, versichert Josel dem Landrat. Das habe auch das Eisenbahnbundesamt als zuständige Aufsichtsbehörde festgestellt. Bei der Verkehrsschau im vergangenen Jahr seien jedoch Verbesserungsmaßnahmen wegen des stärkeren Verkehrs am Übergang während der Sommermonate durch Besucher des nahegelegenen Badesees erörtert worden. Die Bahn habe sich damals bereit erklärt, Verbesserungen vorzunehmen, die das Sicherheitsgefühl der Fußgänger erhöhen sollen. "Derzeit ist der Bahnübergang am Steinweg daher auch durch einen örtlichen Mitarbeiter besetzt."

Unabhängig davon habe die DB AG dem Eisenbahnbundesamt am 2. April angezeigt, also vor dem Unfall, "dass die Eisenbahnkreuzung am Steinweg in Kellmünz bis 2017 neu gestaltet wird." Gleichzeitig sind laut Josel Vorplanungen eingeleitet worden. Auch für die anderen Bahnübergänge, die Geßner aufführte, sowie für weitere Übergänge auf der Strecke Memmingen-Neu-Ulm, "sind Umbau-/Erneuerungsmaßnahmen bis 2017 konkret zur Umsetzung vorgesehen".

Dass bereits 1995 höhere Sicherungsumbauten an dem Bahnübergang Steinweg geplant gewesen seien und seither nichts geschah, beruhe auf einem Missverständnis, schreibt der bayerische Bahnbevollmächtigte. Es sei damals um die Einführung spezieller Bahnfahrzeuge mit Neigetechnik gegangen und um eine höhere Streckengeschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometer. Die dafür notwendigen Umbauten auf der Strecke hätten auch den Bahnübergang Steinweg betroffen. Die Planungen seien nicht wegen des Wunsches nach erhöhter Verkehrssicherheit vorgenommen worden. Josel bittet um Verständnis dafür, dass die Planungs- und Abstimmungsprozesse Zeit in Anspruch nehmen werden.

Landrat Erich Josef Geßner zeigte sich gestern zufrieden mit der Antwort. Er schätze Klaus Dieter Josel als vertrauenswürdigen Menschen und gehe davon aus, dass der Zeithorizont 2017 eingehalten werde. Die Bahn könne sich Verzögerungen auch nicht leisten. Geßner: "Wenn nichts geschieht und noch einmal ein Unfall passiert, ist das ein Fall für den Staatsanwalt."

Ein Opfer des schweren Bahnunglücks liegt immer noch im Krankenhaus. Die 46-jährige Frau aus Osterberg hatte am frühen Morgen des 17. Juli auf dem Weg zur Arbeit mit ihrem Wagen den Bahnübergang überqueren wollen. Sie übersah das rote Blinklicht und den nahenden Regionalzug, vermutlich wegen der tiefstehenden Sonne. Der Regionalexpress schleifte den Pkw mit, entgleiste, und der vordere Wagen landete 20 Meter weiter in einem Vorgarten. Die Frau erlitt schwerste Verletzungen.