Senden Baggersee bei Wullenstetten bleibt Tieren vorbehalten

Ist verboten, passiert aber: Baden im Wullenstetter Baggersee. Bald haben hier Vogelschützer das Sagen. Foto: Lars Schwerdtfeger
Ist verboten, passiert aber: Baden im Wullenstetter Baggersee. Bald haben hier Vogelschützer das Sagen. Foto: Lars Schwerdtfeger
Senden / NIKO DIRNER 02.08.2013
Keine extra Parkplätze für Badegäste werden eingerichtet, stattdessen wird der Baggersee bei Wullenstetten jetzt allein für Vögel, Frösche und Fische reserviert. Die Tierschützer haben dort Großes vor.

Noch während der Kiesbagger arbeitete, haben sich die Vogelschützer vom Kreisverband Neu-Ulm (LBV) am Baggersee südlich von Wullenstetten um ein ideales Umfeld für bedrohte Arten gekümmert. Eine Kiesinsel wurde als Ersatzbrutplatz für die Flussseeschwalbe gestaltet. Seit zehn Jahren gibt es künstliche Floße. Die Tierfreunde waren erfolgreich, berichtet Ralf Schreiber, Pressesprecher beim LBV Neu-Ulm: "Von diesem Baggersee aus haben die Vögel erst den Plessenteich besiedelt." Der Plessenteich bei Gerlenhofen gilt als Vogelbiotop schlechthin in der Region. Ähnliches wollen Schreiber und seine Mitstreiter aus dem Baggersee bei Wullenstetten machen.

Seitdem der Kiesabbau Ende des vergangenen Jahres wegen der auslaufenden Genehmigung eingestellt werden musste, läuft der Rückbau der Anlagen. Das Gelände muss nach den Maßgaben des Landratsamtes vollständig rekultiviert werden. Der Sendener Bürgermeister Kurt Baiker verfolgte dennoch den Plan, Parkplätze für Badegäste anzulegen. Die Leute kämen so oder so, meinte er. Er sei also besser, die Besucherströme irgendwie zu strukturieren, wildes Parken zu vermeiden.

Daraus wird nichts werden. Denn der Sendener Stadtrat hat unlängst einstimmig beschlossen, dass die Kommune als künftige Eigentümerin des Gewässers vollumfänglich dem Vorhaben von Vogelschützern und Fischereiverein folgen wird. Beide wollen den See gemeinsam pachten und hoffen auf Mittel aus dem "Aktionsprogramm bayerische Artenvielfalt"; ein Antrag ist bereits gestellt, berichtet Ralf Schreiber. Die Regierung von Schwaben will das Projekt unterstützen. Es gehe um eine größere Summe. Unter anderem sollen mit dem Geld die Tier- und Pflanzenwelt weiter gefördert werden und "Maßnahmen zur Besucherlenkung" erarbeitet werden. Die sollen dazu beitragen, dass so genannte "störungsempfindliche" und vom Aussterben bedrohte Arten wie der Drosselrohrsänger oder die Zwergdommel in Ruhe brüten können, das Schilf nicht niedergetrampelt und Lebensraum zerstört wird und das Wasser, in dessen Einzugsgebiet die Sendener Trinkwasserbrunnen liegen, nicht verunreinigt wird.

Es sei ihnen freilich klar, dass ein Badebetrieb auch ohne offiziellen Strand nicht zu verhindern sein wird, sagt Schreiber. Ab August oder September sei das kein Problem mehr, weil die besagten Vögel ohnehin schon weg sind. Um die Gäste in den heißen Sommermonaten von den Tieren fernzuhalten, ist eine Aufklärungskampagne geplant. "Wir wollen einen Betreuer für das Gebiet aufstellen", sagt Schreiber. Ein Student habe sich dazu bereiterklärt. Er würde dann Broschüren verteilen und die Badenden auf den unproblematischen Uferabschnitt im Osten verweisen oder gleich an den nahegelegenen Kellerbau-See auf Vöhringer Gemarkung.

Zudem soll es Führungen mit Vogelkundlern geben. Gedacht ist auch daran, wie am Plessenteich einen Aussichtsturm mit Fernglas aufzustellen. Im Sendener Stadtrat war denn auch die Frage aufgekommen, ob diese Besucher nicht auch einen Parkplatz bräuchten? Schreiber winkt ab: Die könnten ihre Autos am Schützenheim in Wullenstetten abstellen und die 500 Meter bis zum neuen Natursee zu Fuß gehen. Die Fischer sind im Boot, da große Fische durchaus Vögel fressen. Vom Boot aus ließen sich die Unterwasserbewohner leicht herausfischen, sagt Schreiber.