Ehrenamt Auto in Iller, Mann im Kanal

Zu Beginn der Badesaison frischen die Wasserwachtler ihr Know-How auf. In einer Großübung wurde praktisch alles geprobt, was in den Seen und Flüssen so anfallen kann.
Zu Beginn der Badesaison frischen die Wasserwachtler ihr Know-How auf. In einer Großübung wurde praktisch alles geprobt, was in den Seen und Flüssen so anfallen kann. © Foto: Thomas Vogel
Kreis Neu-Ulm / Thomas Vogel 11.05.2018

Beim jährlichen Übungstag der diversen Wasserwacht-Gruppen aus dem Landkreis soll es zugehen wie im richtigen Leben. Doch es darf gerne auch etwas überspitzter sein, um die Helfer näher an den Grenzbereich zu bringen, erklärt Alfons Sailer, der Pressesprecher der Wasserwacht. Wenig später jagt dann auch ein dazu passender Funkspruch durch den Äther, in dem von „17 bis 35 Verletzten“ die Rede ist.

Dem Szenario nach handelt es sich um Mitglieder einer Familie, die sich während eines Ausflugs restlos zerstritten haben. Und die nun alle, verteilt rund um den Freudenegger Baggersee, der dabei erlittenen Blessuren wegen außer Gefecht sind. Sie haben sich die Füße verknackst oder Glieder gebrochen. Ein Familienmitglied ist sogar in den nahen Illerkanal gestürzt und darin prompt untergegangen. Als die Helfer eintreffen, haben sie es obendrein vor Ort mit hysterischen und übergriffigen Personen zu tun, die sich partout nicht helfen lassen wollen.

Rettung aus allen Lagen

Ein Lagebild gewinnen, die Verletzten finden, sie zu mit Tragen oder dem Boot zu bergen und je nach Priorität zu versorgen, einen koordinierten Ablauf des Großeinsatzes zu organisieren – das sind die Aufgaben, die sich mit dem Eintreffen am Unglücksort stellen. Der außer Rand und Band geratene Ausflug der schrecklich kuriosen Familie war an dem Tag einer von insgesamt fünf Szenarien, der dann aber die meiste Manpower erforderte. Ferner galt es an dem Tag, Verletzte von einer Insel im Waldbaggersee zu retten oder aus dem Bereich einer Sohlschwelle in der Iller. Weiter ging es um die Bergung eines untergegangenen Schwimmers und von Passagieren eines Autos, das in die Iller gedonnert war.

Solche Szenarien an Fließgewässern seien schon deshalb so wichtig, weil sich Einsätze an solchen in jüngerer Zeit merkwürdig gehäuft hätten, erläutert Sailer. Einen plausiblen Grund dafür gebe es wohl nicht. Kein Zufall aber sei, dass generell die Zahl der Einsätze ansteige: „Allein die Schnelleinsatzgruppe Senden der Wasserwacht ist in 2017 zwölf Mal ausgerückt.“ Zurückzuführen sei dies nicht zuletzt auf das veränderte Freizeitverhalten.

Jetzt, am Beginn der Badesaison, gelte es, das Wissen der Rettungsschwimmer nochmals aufzufrischen und gewisse Routinen zu verfestigen. Unterm Strich sei mit diesem Tag so ziemlich alles abgedeckt, was im Laufe eines Rettungsjahres alles passieren kann, erklärt Alfons Sailer. Damit die verschiedenen „Lagen“ bei der ganztägigen Übung möglichst „echt“ rüberkommen, mussten die „Verunglückten“ – es handelt sich um Mitglieder Jugend-Rot-Kreuzes – nicht nur herzzerreißend jammern und stöhnen, sondern im Vorfeld auch so manche Schminkprozedur über sich ergehen lassen. Mit Theaterblut, versteht sich.

Neu-Ulmer wappnen sich für Amok und Terror

Übung Damit die Einsatzkräfte für Amoklagen oder Terroranschläge gewappnet sind, veranstaltet das Rote Kreuz Schwaben dieser Tage in Bodelsberg das bayerische Großunfallsymposium. 400 haupt- und ehrenamtliche Rot-Kreuzler nehmen an der viertägigen Übung teil, aus dem Kreisverband Neu-Ulm sind 40 Einsatzkräfte vertreten. Um das Szenario möglichst realistisch wirken zu lassen, soll sogar Pyrotechnik eingesetzt werden. Die „Verletzten“ werden Schusswunden und Splitterverletzungen aufweisen, was für die Rettungskräfte unübliche Verletzungen sind. Begleitend gibt es Workshops etwa zur Trauma-Nachsorge oder zum Umgang mit Betroffenen.

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