Bildung Auszeichnung: „Schule ohne Rassismus“

Illertissen / Thomas Vogel 17.07.2018
Keine Fremdenfeindlichkeit, kein Rassismus: Haltung zeigen die KIllertisser Berufsschüler. Sie wurden ausgezeichnet.

Bei unbeschwerten Feierlichkeiten ist es eine beliebte Übung, dass sich die Gäste mit einem farbigen Handabdruck auf einer Wand verewigen. Auch die Staatliche Berufsschule Illertissen ist seit neuestem mit einer solchen bunten „Wall of Fame“ ausgestattet. Die „Ruhmeswand“ befindet sich an zentraler Stelle auf dem Gang. Nur mit dem Unterschied, dass diese nicht allein eine Art persönlicher Anwesenheitsnachweis ist, sondern zugleich eine Manifestation. „Schule ohne Rassismus ­– Schule mit Courage“ steht in dicken Lettern darüber. Und um diese Absicht noch deutlicher zu signalisieren, wird demnächst außen ein Schild mit identischer Inschrift angebracht werden.

Das Schild ist eine Art Siegel, das verliehen wird vom Verein Courage. Die Schülerschaft, aber auch das pädagogische und weitere Personal, hatten sich zuvor per Unterschrift zu dessen Zielen verpflichten müssen und dazu, Haltung zu zeigen, wenn’s darauf ankommt. Die allermeisten zögerten nicht, dies zu tun, hieß es bei der Feierstunde am Dienstag anlässlich der offiziellen Titelverleihung.

Ebenso musste eine „prominente Person“ zur weiteren Unterstützung gesucht werden. Als „Patin“ stellte sich die Grüne Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises, Ekin Deligöz, zur Verfügung, die dann in einer sehr persönlichen Ansprache von ihren Erfahrungen berichtete mit intoleranten Gegnern, die sie mit Gewalt bedrohten. Trotz eines dreimaligen Polizeischutzes, der die Folge war:  „Es lohnt sich, aufrecht zu sein“, sprach sie den Schülern Mut zu. Schuleiter Klaus Hlawatsch, Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen, die stellvertretende Landrätin Sabine Krätschmer und Schülersprecher Mehmet Öztürk betonten in ihren Redebeiträgen unter unterschiedlichem Blickwinkel die zerstörerische Kraft des Rassismus für ein friedliches gesellschaftliches Miteinander. Pädagogin Manuela Eberle verwies auf die 33 verschiedenen Nationalitäten, die an der Schule mit ihren rund 800 Schülern vertreten seien. Ein „konkretes Problem“ mit Rassismus sei bislang an der Lehranstalt „zum Glück“ noch nicht aufgetreten. Was sich aber bemerkbar gemacht habe, seien „Berührungsängste“, die vor allem zwischen den regulären und den von Flüchtlingen besuchten Integrationsklassen aufgetreten seien. Mit gemeinsamen Wander- und Klettertagen oder der Weihnachtsfeier habe man versucht, dem entgegenzuwirken. Durchaus mit Erfolg, hätten sich doch eine ganze Reihe von persönlichen Kontakten daraus entwickelt. Eine Insel der Glückseligen aber ist die Schule dennoch nicht. „Einfach mal so dahergeredet, wie das gar nicht geht“, werde mitunter schon, berichtet Charlotte Scheiner von der Schülermitverwaltung (SMV) von ihren Alltagserfahrungen. Inwieweit das dann schon Rassismus ist oder nur unreflektiertes Geplapper?

Offene Auseinandesetzung

Scheiner und ihr Kollege Ismet Tekyildirin versprachen auf der Bühne, dass in solchen Fällen nun immer die „offene Auseinandersetzung“ gesucht werde. Ferner legten sich für die Schule das Versprechen ab, auch künftig weitere Aktivitäten gegen Rassismus zu entwickeln und diese zumindest in einem Projekt pro Schuljahr umzusetzen. Konkretes gibt hierzu erst im nächsten Schuljahr. Das Lehrerkollegium sei dieser Tage mit anderen Aufgaben mehr als ausgelastet, warb Hlawatsch um Verständnis

2784 Schulen ausgezeichnet

Das Sigel „Schule ohne Rassismus“ des Vereins Courage tragen deutschlandweit mit der Illertisser Einrichtung jetzt bereits 2784 Schulen. 566 sind es in Bayern, 58 in Schwaben, erklärte Michael Sell von der in Babenhausen ansässigen Regionalkoordinationsstelle. Schulleiter Klaus Hlawatsch ist der Überzeugung, dass von diesem Symbol Wirkung ausgehen kann: „Es zeigt den Schülern die Zugehörigkeit zu einer imaginären Gemeinschaft an“ und könne so zugleich ein Zeichen sein gegen die derzeitigen gesellschaftlichen Tendenzen: den „Rückzug aus politischen Diskussionen“ und „dass wir immer stärker individuelle Interessen über die der Gemeinschaft stellen“.

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