Initiative Austausch: Landfrauen reisen nach Kenia

Auch beim Ernährungstraining war Bezirksbäuerin Christiane Ade (zweite von links) dabei.
Auch beim Ernährungstraining war Bezirksbäuerin Christiane Ade (zweite von links) dabei. © Foto: Christiane Ade
Gerlenhofen/Kenia / Sonja Fiedler 30.08.2018

Eine Stunde Fußweg am Morgen, um frisches Wasser zu holen, schlammige Wege statt geteerter Straßen, ständige Stromausfälle: Das Leben der Landwirtinnen in Kenia unterscheidet sich in vielen Aspekten von dem in Deutschland. Davon konnte sich Bezirksbäuerin Christiane Ade aus Gerlenhofen bei einem Besuch im Westen des Landes überzeugen.

Im Rahmen der Initiative „Eine Welt ohne Hunger“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung reiste sie mit einer Delegation der bayerischen Landfrauen nach Ostafrika, um sich mit den dortigen Bäuerinnen auszutauschen und sie bei der Vertretung ihrer Interessen zu stärken. Auch Hilfen zur Verbesserung des Einkommens und Ernährungsbildung standen auf dem Programm der bayerischen Landwirtinnen.

Es hapert an Bildung

„Ich hab’ mich vorher gefragt: Ob die das wohl annehmen, was wir erzählen?“, sagt Ade. Schließlich hätte es sein können, dass die Kenianerinnen die Hilfe der Europäerinnen als Einmischung empfinden. Doch das Gegenteil war der Fall. „Die Frauen waren sehr interessiert und haben fleißig mitgeschrieben.“ Viele Informationen seien in lockeren Gesprächen geflossen. „Man spricht von Bäuerin zu Bäuerin, von Frau zu Frau“, sagt Ade. Das habe den Dialog vereinfacht, schließlich habe man letztlich den gleichen Job. Daher auch das Motto der Aktion: „Ein Beruf, zwei Welten.“

Es habe sie erstaunt, wie viel Basiswissen den Frauen fehle. „Es hapert einfach an Bildung, sie haben keinen Zugang zu Fortbildungen.“ Und wer nicht wisse, wie etwa ein Kälberdurchfall zu behandeln sei, habe es schwer, erfolgreich zu wirtschaften. Sie hätten bei ihrem Besuch versucht, möglichst viele Infos zu vermitteln – auch in der Hoffnung, dass diese weitergetragen werden: „Wir haben den Frauen gesagt: Erzählt das in euren Dörfern weiter, damit auch die anderen lernen.“ Einige Kenianerinnen wurden zu Trainerinnen ausgebildet.

Sie habe viele Eindrücke aus Kenia mitgenommen, sagt Ade. „Es war lehrreich zu sehen, dass Strom, sauberes Wasser und gescheite Straßen nicht selbstverständlich sind.“ Beeindruckt hätten sie Kraft und Lebensfreude der Frauen: „Ihr Alltag ist sicher viel schwerer, trotzdem sind sie viel zufriedener und glücklicher als viele Menschen bei uns.“ Manche Frauen seien auch enorm engagiert, setzten sich mit Herzblut für ihre Interessen ein.

Für die bayerischen Landfrauen war es der dritte Besuch in Kenia, im Herbst ist eine weitere Reise geplant. Jedes Mal sind jedoch andere Bäuerinnen dabei. Ade ist froh, dass sie ihre Chance genutzt hat. „Dies ist ein Projekt, hinter dem ich sehr gut stehen kann, es macht Sinn. Wir schicken kein Geld, sondern es ist ein direkter Erfahrungsaustausch.“ Kürzlich gab es einen Gegenbesuch: Eine Delegation von Frauen aus Kenia besuchte Oberbayern, um Milchviehbetriebe zu besichtigen und sich mit den hiesigen Bäuerinnen auszutauschen. Finanziert werden die Reisen über das Bundesministerium. Noch bis Ende 2019 läuft das Projekt. Ade hofft, dass es danach weitergeht: „Es ist wichtig, vor Ort dranzubleiben und immer wieder nachzuhaken, damit sich dauerhaft etwas tut.“

Milchviehbetrieb in Gerlenhofen

Bezirksbäuerin Christiane Ade ist seit 2012 Kreisbäuerin des Kreises Neu-Ulm und wurde 2017 zur Bezirksbäuerin Schwaben gewählt. Die 46-Jährige betreibt mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb mit 55 Kühen sowie Grünland und Ackerbau.

Verband Den Landfrauen im Bayerischen Bauernverband gehören über 6700 Frauen an. In diesem Jahr feiert die Gruppe ihr 70-jähriges Bestehen.

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