Franz-Martin-Kuen-Jubiläumsjahr Kunstausstellung in Weißenhorn: Im Zeichen eines großen Künstlers

Weißenhorn / Claudia Schäfer 18.01.2019
Mit der Eröffnung der Jahreskunstausstellung ist Weißenhorn offiziell ins Franz-Martin-Kuen-Jubiläumsjahr gestartet.

Nein, eigentlich geht es in der am Freitagabend eröffneten Schau in Weißenhorn gar nicht primär um Franz Martin Kuen, den bekannten Deckenmaler des Barocks, sondern um die prominente Präsentation des künstlerischen Könnens der Region. Und doch ist der große Sohn der Stadt allgegenwärtig in dieser Ausstellung im Heimatmuseum und auch in ihrem Motto: „Himmelhochjauchzend“. Fast 70 Künstler, die Jüngsten gerade einmal zehn Jahre alt, haben das Thema aufgegriffen und sich ihm künstlerisch genähert. Und dabei eben immer wieder Kuen ins Spiel gebracht.

So lädt Norbert Riggenmann, prägender Künstler der Fuggerstadt, mit seiner eigenwilligen Interpretation eines Kuen-Motivs zu Diskussionen ein: Macht seine Methode, das Motiv fast unkenntlich zu machen, Kuen für den Betrachter „transparent“, wie Ulrich Hoffmann als Vorsitzender des Museumsvereins sagte? Oder hat es fast etwas „Aggressives, wie sich Kuen zerlegt“, wie es Museumsleiter Matthias Kunze formulierte? Auf jeden Fall gehe es darum, „Interpretationen und Umdeutungen zuzulassen“, erklärte der Künstler selbst. Für „Kuen frontal II“ wurde Riggenmann mit dem Sonderpreis des Museumsvereins ausgezeichnet.

Augenmerk auf junge Künstler

Trägerin des erstmals als „Franz-Martin-Kuen-Preis“ verliehenen Weißenhorner Kunstpreises ist in diesem Jahr Marianne Mostert, ebenfalls eine bekannte Künstlerin. „Himmelhochjauchzend“, das ist für sie eine Frau, die auf einem Trampolin so hoch springt, dass der Körper nur bis zum Hals auf dem Gemälde zu sehen ist. Dabei bewegt sich die kopflose Frau weg von der Enge des Bildes und den erdrückenden Wänden, die das Trampolin umgeben. „Ein sehr markantes Bild“, lobte Kunze.

Augenmerk galt heuer den jugendlichen Teilnehmern, sagte Ulrich Hoffmann. „Himmelhochjauchzend“ und der damit oft verbundene Gegensatz „zu Tode betrübt“ erinnerten stark an die Gefühle Pubertierender. Vom Ergebnis waren Hoffmann und Kunze angetan. Sie lobten die Trägerin des Jugendkunstpreises, die 15-jährige Ana Micanovic: Ihre Holzstiftzeichnung einer lachenden Frau sei „sehr präzise und unheimlich durchdacht“. Bei genauerem Betrachten offenbare die feingliedrige Zeichnung durch das Wechselspiel von Farbe und Schwarz-Weiß die Zerrissenheit und Gequältheit, die hinter dem Lachen stecke.

Auch andere Werke lohnen einen Besuch der Ausstellung. So hat Josef Feistle mit seinem Foto-Tryptichon Kuens Werke in kleine Gewandstücke zerlegt, die sich vor dem geistigen Auge zusammensetzen lassen. Die 18-jährige Ina Rembold greift das barocke Engelmotiv auf und bricht gleichzeitig mit ihm: Ihr Engel trägt auf dem nackten Rücken zwischen seinen Flügeln viele Symbole menschlichen Schmerzes und negativer Gefühle.

Insgesamt, sagt Matthias Kunze, rege die Ausstellung die Kreativität der Betrachter an. Oder, wie es Ulrich Hoffmann formulierte: Kunst habe die Aufgabe, mehrdeutig zu sein.

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In Weißenhorn geboren und gestorben

Ausstellung „Himmelhochjauchzend“, die Jahresausstellung des Museumsvereins, ist bis zum 3. März im Heimatmuseum Weißenhorn, An der Mauer 2, zu sehen und zwar wegen der geringeren Zahl der Werke und anstehender Bauuntersuchungen im Museum nur in den Räumen im Erdgeschoss.

Leben Bereits ab 13. April geht es dann im Museum in der Ausstellung „F.M. Kuen – Bürger und Künstler in Weißenhorn“ um das Leben und die Familiengeschichte des Barockkünstlers. Franz Martin Kuen wurde am 8. November 1719 in Weißenhorn geboren. Er starb dort am 30. Januar 1771.

Perspektive In den vergangenen Jahren bereicherten immer wieder viele Fotografien die Weißenhorner Ausstellung. Deshalb könnte es schon ab 2020 einen separaten Fotopreis geben, kündigte Museumsleiter Matthias Kunze an. Damit möchte der Museumsverein allen Künstlern und den Techniken gerecht werden.

Bilder Weitere Fotos zur Verleihung des Weißenhorner Kunstpreises gibt es im Internet unter swp.de/kunstpreis.

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