Natur Auf Tierchen-Tuchfühlung im Stadtpark Senden

Auch der eine oder andere Schmetterling ging Ralf Schreiber (links) in den Köcher, der zur Grundausstattung seiner Spezialführung gehört.
Auch der eine oder andere Schmetterling ging Ralf Schreiber (links) in den Köcher, der zur Grundausstattung seiner Spezialführung gehört. © Foto: Thomas Vogel
Senden / Thomas Vogel 06.08.2018

Ralf Schreiber vollzieht jetzt einen kleinen Luftsprung. Es ist schon die dritte oder vierte Eidechse, die sich raschelnd bemerkbar machte in diesem verwilderten Fleckchen Stadtgrün. „Es hat also funktioniert“, freut sich der Biologe und deutet auf einen großen Haufen aus großen Steinen und Sand. Dieses „Eidechsenhotel“ sei auf seine Initiative hin angelegt worden, in der Hoffnung, dass sich die Reptilien vom nahen Bahndamm hier ansiedeln und mehren würden.

Doch Licht und Schatten liegen auch im so genannten „ökologischen“ Teil des Sendener Stadtparks sehr dicht beieinander. Und streng genommen waren die Augen auf andere Krabbler gerichtet bei dieser „Insekten-Runde“, die Schreiber, Hauptamtlicher bei der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz, im Rahmen des „Insektensommers“ von LBV und Nabu mit einigen Interessierter drehte. Weil aber Eidechsen wiederum Insektenfresser sind und in der Natur eh vieles mit vielem zusammenhängt, passten die Schuppenkriechtiere da schon mit rein.

Es gibt dort also nicht nur einen Unterschlupf für sie, sondern offenbar auch ausreichend Futter, das in den folgenden zwei Stunden dann ausgiebig und in einem wörtlichen Sinne „unter die Lupe“ genommen wurde: Zikaden, Schwebfliegen, eine Keulenheuschrecke, eine Libelle der Art Hufeisenazurjungfer. Auch der eine oder andere Schmetterling ging Schreiber in den Köcher, der zur Grundausstattung einer solchen Spezialführung gehört.

Zu jedem der Tierchen wusste Schreiber dessen Besonderheiten zu erzählen, etwa die, dass Schwebfliegen „so tun, als seien sie Bienen“, in Pelz und Färbung diesen täuschend ähnlich. Nur ein Stachel fehlt. Angesprochen wurde die Jagdmethode der Heidelibelle, die mit ihren Füßen einen Fangkorb ausbildet. Und dass man sich mit dem Braunen Grashüpfer unterhalten könne: „Macht man summ summ, antwortet der ebenso.“ Nicht unerwähnt soll bleiben, dass in der Insektenwelt die Männlein die Weibchen meist in Sachen Schönheit übertreffen.

Rund 30 000 Insektenarten gebe es in Deutschland. Dass viele bedroht sind und generell die Bestände aufgrund der heutigen landwirtschaftlichen Methoden alarmierend stark schwinden, ist bekannt. Hinweise darauf, dass aber auch in diesem Teil des Parks „Sünden“ begangen würden, konnte sich Schreiber aber nicht verkneifen.

Mit zu den größten Feinden der Insekten zähle der Kreiselmäher. Wo er eingesetzt werde, „gehen 90 Prozent der Insekten hopps“. Zumindest die Grünlandpfleger auf die schonenderen Balkenmäher zu verpflichten, sei aber schier nicht möglich, seien diese doch anfälliger und weniger leistungsfähig. Auch der Abtransport des Mähguts ist ein Kostenfakor. Es bleibt somit häufig liegen, wird gemulcht. Mit der Folge, dass die Böden immer nährstoffreicher würden, was grasige Pflanzen fördert, die dann schließlich die Blütenpflanzen verdrängen.

Und da ist dann noch dieser eigens abgezweigte Seitenarm des Landgrabens, Prädikat ­trotz Überdüngung immer noch „ökologisch wertvoll“, da eine lineare Brücke für Tiere bildend. „Doch warum mäht man da bis fast ans Ufer“, fragt der Biologe entgeistert. Es bleibt noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

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