Großeinsatz Auf Playstation gezockt – dann festgenommen

Eine Runde Playstation spielen mit Freunden hat einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst.
Eine Runde Playstation spielen mit Freunden hat einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. © Foto: Fredrick von Erichsen
Oberelchingen / Carsten Muth 25.07.2018
Weil ein Nachbar etliche Schüsse gehört haben will, nehmen schwer bewaffnete Polizisten drei Männer in Oberelchingen fest.

Diesen Abend wird der Oberelchinger sicher so schnell nicht vergessen. Rückblick: Vergangener Samstag, kurz nach 19 Uhr. Der 28-Jährige tritt auf seinen Balkon, schaut hinunter und dabei in den Lauf einer Maschinenpistole. Unterm Balkon steht ein schwer bewaffneter Polizist. Der ruft nach Angaben des Hausbewohners: „Die Hände hoch!“

Der 28-Jährige wird aufgefordert, zur Wohnungstür zu kommen und rückwärts sowie mit erhobenen Händen die Treppe zum Hausausgang herunterzugehen. Dann legen ihm die Polizisten Handschellen an. Selbiges müssen der Zwillingsbruder des Webdesigners und ein gemeinsamer, vier Jahre jüngerer Freund über sich ergehen lassen.

Ausgelöst hat die Aktion ein Nachbar der Festgenommenen. Dieser will kurz zuvor etliche Schüsse in der Nähe gehört haben und verständigt die Polizei. Die wiederum rückt mit „großem Besteck“, mit Streifenwagen und bewaffneten Beamten in schusssicheren Westen und anderer Schutzkleidung an, ein Hubschrauber kreist über dem Ort.

„Da kriegt man Angst“

Der Hintergrund des groß angelegten Einsatzes ist, wie sich herausstellt, harmlos: Denn der 28-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat mit seinem Zwillingsbruder und dem Kumpel lediglich auf einer Playstation gespielt. „Wir haben Fifa gezockt, Sisha geraucht und auch mal laut gejubelt.“ Die Männer beteuern, keine Schüsse abgegeben und auch keine gehört zu haben. Dass plötzlich Polizisten vor dem Haus stehen, hat die Brüder und den Freund nachhaltig beeindruckt.  „Da kriegt man Angst. Wir wussten ja gar nicht, was los war.“

Eine Stunde lang sitzen die drei Verdächtigen, die Hände auf den Rücken zusammengebunden, auf einem Treppenabsatz, während  die Polizei sämtliche Wohnungen in dem Mehrfamilienhaus durchsucht. Dann werden sie zur Polizeiinspektion nach Neu-Ulm gefahren. Erst dort klärt sich die Angelegenheit auf.  Den Obe­r­­­­elchingern werden die Handschellen abgenommen. „Man hat uns gesagt, dass wir nicht mehr verdächtig, sondern nur noch Zeugen sind.“

Woher die Schüsse kamen, wer sie abgegeben hat beziehungsweise ob es überhaupt welche gab, ist nach Lage der Dinge völlig unklar.  Sagt Florian Wallner, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Er bestätigt: „Es sind keinerlei Waffen gefunden worden. Es gibt auch keine weitere Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht hätten.“

Einsatz verläuft ins Leere

Die Schilderung des Nachbarn, der zehn bis zwölf Schüsse gehört haben will, seien zunächst einmal glaubwürdig gewesen. Man habe eine schwere Straftat nicht ausschließen können – und deshalb aus Sicherheitsgründen „das volle Programm aufgefahren“, also auch die umliegenden Straßen  abgesperrt. Der Polizeisprecher will nicht bestätigen, dass es sich bei den eingesetzten Beamten um eine Spezialeinheit gehandelt hat. Ein entsprechendes Einsatzkommando sei alarmiert worden. „Ob es aber wirklich vor Ort war, weiß ich nicht.“

Der betroffene 28-jährige Webdesigner kann sich keinen Reim auf das spektakuläre Geschehen machen. Die Situation sei in jedweder Hinsicht unangenehm gewesen. „Die Nachbarn haben uns angestarrt, als wären wir Kriminelle“, sagt der Oberelchinger. Der Polizei macht er keinen Vorwurf: „Die Beamten haben wohl nur ihren Job gemacht.“

Sein Nachbar muss wegen des in die Leere verlaufenen Einsatzes von Seiten der Polizei wohl  keine Konsequenzen befürchten. „Das wäre nur der Fall, wenn der Mann wissentlich gelogen hätte“, sagt der Polizeisprecher: „Dafür aber gibt es keine Erkenntnisse.“

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