Ich habe zwar gewusst, dass es die Firmen gibt. Aber mal ehrlich: Welcher Jugendliche setzt sich zur Firmenrecherche an den PC?“ Alisa Lieb trifft damit ziemlich exakt den Grundgedanken, der hinter dem Bewerberforum stand, das zum mittlerweile sechsten Mal in der Erhard-Vöhlin-Mittelschule und der Johannes-von-La-Salle-Realschule in Illertissen stattfand.

„Hier bekommen Schüler die Möglichkeit, sich über das reichhaltige Angebot von Ausbildungsmöglichkeiten bei uns vor Ort zu informieren“, sagte Bürgermeister Jürgen Eisen. So wie Alisa Lieb vor zwei Jahren: Die heute 17-jährige Auszubildende hatte beim Bewerberforum ihrer einstigen Schule am Stand des Unternehmens BASF erfahren, dass sie dort eine Lehre als Chemikantin machen kann. Sie bewarb sich für ein Praktikum und ist nun im zweiten Ausbildungsjahr immer noch begeistert von ihrer Wahl. „Ohne das Bewerberforum wäre ich jetzt wahrscheinlich irgendwo anders“, meinte Lieb, die dieses Jahr am BASF-Stand versuchte, ihre positiven Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben.

„Wenn ehemalige Schüler jungen Menschen Berufe erklären, ist das viel authentischer als wenn man sich ein Firmenprofil auf dem Rechner anschaut“, sagte ­Erich Ferber vom Gewerbeverband im Hinblick auf die vielen Auszubildenden, die an insgesamt 27 Infoständen von Betrieben einen Einblick in ihre Berufe gaben. „Außerdem haben wir natürlich ein Interesse daran, die Schüler in Illertissen zu behalten“, erläuterte Ferber. Schließlich sei die Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten in Stadt und Region groß.

So zogen die Acht- und Neuntklässler beider Schulen durch deren Flure, um etwa vom Autohaus Mack zu erfahren, was ein Mechatroniker zu tun hat; zu sehen, wie ein Bauzeichner der Architekten Trenk Oberdorfer arbeitet; oder wie liebevoll Restaurantfach-Auszubildende des Dornweiler Hofes einen Tisch herrichten können.

„Viele Firmen kenne ich gar nicht“, bekannte die Realschülerin Nicole Luncz, die gemeinsam mit der Neuntklässlerin Emilia Krischke von Stand zu Stand zog, mit den Lehrlingen sprach und neue Ideen sammelte. „Irgendwas im Büro wäre toll“, sagten sie wie aus einem Munde. „In den Osterferien werde ich erst mal ein Praktikum bei der Sparkasse machen“, sagte Luncz. Es waren viele Industrie- und kaufmännische Betriebe, die sich in Illertissen präsentierten. Zimmerer und Schornsteinfeger waren in diesem Jahr nicht mehr dabei.

„Das Problem ist nach wie vor: Hier präsentieren sich zu wenige handwerkliche Berufe. Gerade die, die am meisten suchen“, sagte Ferber. Denn das Handwerk sei allerorts auf der Suche nach Auszubildenden, in manchen Betrieben händeringend. Immer mehr junge Menschen zieht es in Industriebetriebe, rund die Hälfte jedes Jahrgangs schreibt sich an Universitäten ein. „Wir brauchen eine noch größere Vielfalt“, stimmte Stadtmarketing-Beauftragter Henning Tatje zu. „Ein Frisör wär ganz gut“, dachte der Nachfolger von Wirtschaftsförderin Petra Schwandt schon ans nächste Bewerberforum.

Aber nicht nur auf diesen einen Messe-Tag dürfe sich das Thema Ausbildung konzentrieren. Tatje will übers Jahr mit den Betrieben in Kontakt bleiben. Eisen: „Qualifizierte Nachwuchskräfte in Stadt und Landkreis zu halten und ihnen eine attraktive Lebensperspektive zu bieten, gehört zu den zentralen Aufgaben von Wirtschaft und Politik.“