Elchingen / STEFAN CZERNIN  Uhr
Die Musterschüler schlagen Alarm: Der Elchinger Freundeskreis Asyl warnt in einen Brandbrief an Landrat Freudenberger, dass die Gemeinde bei der Unterbringung von Flüchtlingen an ihre Grenzen stoße.

In einem Brandbrief an Landrat Thorsten Freudenberger findet der Elchinger Freundeskreis Asyl deutliche Worte: "Wir sind an unsere Kapazitätsgrenzen gelangt." Bislang funktioniere die Integrationsarbeit in der Gemeinde. Noch. "Für die Zukunft haben wir aber große Zweifel, dass dies bei weiterer Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde Elchingen und ganz speziell in Unterelchingen noch möglich sein wird", warnen die ehrenamtlichen Helfer.

Dass dieser Brief, der auch im Gemeindeblatt veröffentlicht wurde, ausgerechnet aus Elchingen kommt, darf als besonders alarmierend gelten: Elchingen gilt mittlerweile als Vorzeigegemeinde, wenn es darum geht, wie Flüchtlinge in ein bestehendes Gemeinwesen integriert werden können. Namhafte und auch internationale Medien haben schon über die Arbeit des Elchinger Helferkreises berichtet. Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus. Als Pläne bekannt wurden, in der ehemaligen Pension Adler 80 Flüchtlinge unterzubringen, wurden in einer Informationsveranstaltung des Landratsamts scharfe Töne laut, eine Unterschriftenaktion gegen eine "Massenunterkunft" fand gut 800 Unterstützer.

In der Folge formierte sich der Helferkreis mit derzeit etwa 65 Mitgliedern. Die ablehnende Haltung schwand, die Flüchtlinge wurden willkommen geheißen. Jetzt gibt es aktuelle Pläne, in einem ehemaligen Firmengebäude im Dammweg eine weitere Unterkunft für 60 Asylbewerber einzurichten. Die Helfer befürchten nun, dass die Stimmung in der Gemeinde erneut umschwingt - und diesmal ins Negative kippt. Sie sorgen sich um den sozialen Frieden in der Gemeinde.

Mit besorgtem Blick schauen die Helfer insbesondere auf leerstehende Gebäude im Unterelchinger Gewerbegebiet. Dort steht etwa der ehemalige Realmarkt schon seit geraumer Zeit leer.

Es dürfe nicht sein, dass immer mehr Asylbewerber nach Elchingen geschickt werden, sagt Mathilde Hucker vom Freundeskreis auf Anfrage. Und so die gute Flüchtlingsarbeit, die in der Gemeinde geleistet wird, zum Boomerang wird. "Herr Landrat, nehmen Sie die Ängste unserer Mitbürger ernst, welche die Flüchtlinge als Bedrohung empfinden. Hierin sehen wir sozialen Sprengstoff, der bei uns in Elchingen alles zunichte machen kann, was wir mühsam aufgebaut haben und in dieser Form auch weiterführen wollen", appellieren die Helfer.

Landrat Freudenberger konnte am Freitag noch keine Stellungnahme zu den Elchinger Bedenken abgeben. Er habe den offenen Brief noch nicht auf den Tisch bekommen, heißt es aus dem Landratsamt.