Illertissen Anton Raible gehört zur Stadt

Anton Raible schaut, was falsch läuft in Illertissen. Foto: Inge Sälzle-Ranz
Anton Raible schaut, was falsch läuft in Illertissen. Foto: Inge Sälzle-Ranz
Illertissen / INGE SÄLZLE-RANZ 02.08.2013
Es gibt Illertisser, die sagen, ohne Anton Raibles Schlusswort fehlt der alljährlichen Bürgerversammlung die Würze. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag.

Wenn Anton Raible am Ende der Bürgerversammlung in der Illertisser Kernstadt so richtig schön schwäbisch das Wort ergreift, dann wird es ganz still in der Schranne. Auch die Bürgermeisterin hört gespannt zu. Am Ende ist ihm Applaus sicher. Raible gehört zu denen, die gern durchs "Städtle" gehen und da und dort sehen, wo was falsch läuft. Eine gefährliche Verkehrsführung beispielsweise, marode Randsteine, die dringend erneuert werden müssten, Unfug auf dem Marktplatz. Er legt dann verbal den Finger in die Wunde und hofft, dass er Gehör findet bei der Stadtverwaltung. In letzter Zeit, das gibt er zu, sei er jedoch ein wenig enttäuscht gewesen ob der Reaktion. Seine Worte verhallten wie ungehört.

 Anton Raible  ist ein alteingesessener Illertisser: 1923 in Illertissen geboren, mit zwei Brüdern und zwei Schwestern auf einem Bauernhof in der Schützenstraße aufgewachsen, geblieben auch nach der Heirat mit Emma Kreis, seither in der "Südlichen Halde" wohnend. Berufe, sagt er, hatte er eigentlich drei: Zunächst ließ er sich bei der Firma Jakob Kriener zum Sportsattler ausbilden und fertigte Fußbälle. "Sepp Herberger und Uwe Seeler waren bei uns daheim, die ,Illerbombe ein Begriff. Wir haben den ganzen Ball gemacht, von der Haut bis zum Leder", erzählt er lebhaft. Später landete er in der Lebensmittelbranche und schließlich bis zur Rente bei der Firma Dimter, "also plötzlich bei den Metallern".

Keine guten Erinnerungen hat Raible an seine Zeit als Soldat. Der Reichsarbeitsdienst führte ihn zunächst nach Mittenwald und Paris, die Kriegszeit musste er in den Reihen der 1. Gebirgsdivision bewältigen. Beim Gedanken an den Kampf gegen russische Soldaten einerseits und Partisanen andererseits kommen keine guten Erinnerungen hoch, aber dass er Träger des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, des Kriegsverdienstkreuzes und des Verwundetenabzeichens ist, will er nicht unter den Tisch fallen lassen: "Es war ja als Anerkennung dafür, dass ich Verwundete aus dem Kessel geholt habe."

Nach dem Krieg verstand Anton Raible nicht, warum es so manchen Mitbürger so schnell wieder in eine Partei zog, schließlich habe man viele schlechte Erfahrungen mit der Politik gemacht. Bei der Gründung des "Bürgerblocks" sei er aber wieder dabeigewesen, dem Zusammenschluss, aus dem sich später in Illertissen die Freien Wähler entwickelten. Denen steht er auch heute noch nahe. Außerdem ist er mehreren Vereinen verbunden. Er hat die Gebirgsjägerkameradschaft gegründet und ist seit Jahrzehnten Mitglied des Schützen- sowie des Soldaten- und Veteranenvereins.

Jetzt, im hohen Alter, pflegt Raible gern seinen Garten und spielt Mundharmonika. Seit dem Tod seiner Frau vor sechs Jahren hat er so manche Krankheit überstanden, "mit viel Glück". Seinen 90. Geburtstag feiert Anton Raible im Illertisser Schützenheim mit den Familien seiner beiden Töchter, zu denen vier Enkel und zwei Urenkel gehören, sowie mit Verwandten und Freunden.