Die beiden großen Konfessionen sehen in der wachsenden Zahl von Flüchtlingen eine Herausforderung gerade für Christen und wollen Landkreis und Kommunen bei deren Unterbringung und Betreuung unterstützen. Wie dies funktionieren kann, war  Thema einer Flüchtlingskonferenz, zu der die evangelische Dekanin Gabriele Burmann und der katholische Dekan Markus Mattes ins Vöhringer Gemeindehaus eingeladen hatten. Rund 60 Kirchenvertreter und Ehrenamtliche aus Helferkreisen kamen.

"In ökumenischer Verbundenheit" wollen Katholiken und Protestanten sich für ein Klima der Toleranz und Gastfreundschaft einsetzen, so Gabriele Burmann. Bereits jetzt stellten Kirchengemeinden Räume für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung, viele Helferkreise haben ihren Ursprung in den Pfarreien. Und doch, so Burmann, gehe es um noch bessere Vernetzung und bessere Unterstützung.

Wie viele Aspekte das Thema Flüchtlinge hat, machte Landrat Thorsten Freudenberger deutlich. Als wichtigste Aufgaben nannte er die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge. Als Herausforderung bezeichnete Freudenberger die Schaffung von Wohnraum, auch für die einheimische Bevölkerung: "Niemand darf denken, dass er übervorteilt wird." Freudenberger warb dafür, in den Kirchengemeinden das Thema Wohnraummangel aktiv anzusprechen. Eine Aufgabe der Kirchen sieht der Landrat im Beistand für die Helfer, die wegen ihres Engagements angefeindet werden. Die soziale Verantwortung liege nicht nur bei der Betreuung der Flüchtlinge, sondern auch in der Sorge um alle Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv seien. Für Christen gelte es, mit "gesundem Selbstbewusstsein" für eigene Werte einzustehen. Gleichzeitig warb er für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Islam: "Wir müssen uns miteinander beschäftigen, sie sich mit uns und wir uns mit ihnen".

In der Bevölkerung, "auch in bürgerlichen Kreisen", hat der Landrat trotz der großen Hilfsbereitschaft eine wachsende Verunsicherung ausgemacht. Die Ursachen dafür sieht er auch in der "großen Politik". Es gebe weder funktionierende Asylverfahren noch eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik. In Anspielung auf Angela Merkels Satz "Wir schaffen das" sagte Freudenberger: "Was schaffen wir? Und wie schaffen wir es?" Die Dimension der Aufgabe sei überhaupt nicht klar. Er könne nur raten, verunsicherte Menschen nicht gleich in die rechte Ecke zu stellen, warnte der Landrat. Wichtig sei es, aufzuklären und gegen gängige Klischees und Vorurteile anzukämpfen.

Für Dekan Markus Mattes ist das Thema Flüchtlinge ein zutiefst christliches Thema: "Wir dürfen nie vergessen, dass auch Jesus ein Flüchtling war."

Fast 50 Objekte im Kreis Neu-Ulm angemietet

Unterbringung Derzeit leben im Kreis Neu-Ulm rund 1550 Flüchtlinge, das entspricht 0,92 Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 80 Prozent der Flüchtlinge sind junge Männer. Wöchentlich kommen etwa 60 Asylbewerber hinzu, so Landrat Thorsten Freudenberger. Das Landratsamt hat für sie fast 50 Objekte angemietet. Noch seien die Asylbewerber sehr ungleich auf die Gemeinden verteilt. In manchen Kommunen ist kein Flüchtling untergebracht, in Neu-Ulm liegt der Anteil dagegen bei 1,57 Prozent. Künftig sorgt eine Kommunalquote für eine gerechtere Verteilung.

Personal Das Landratsamt Neu-Ulm hat das Personal, das im Flüchtlingsbereich eingesetzt ist, um 20 Stellen aufgestockt, trotzdem ist die Belastung der Mitarbeiter laut Freudenberger hoch. Er werde dem Kreistag die Schaffung weiterer Stellen vorschlagen, so der Landrat.