Weißenhorn Aluminiumschmelzwerk Oetinger: Arbeiter erhalten ihr Geld

Im Metallschmelzwerk Oetinger in Weißenhorn wird trotz des Insolvenzantrags weiter gearbeitet. Sie haben genügend Zeit, die Ursachen für die Liquiditätsprobleme zu analysieren und einen Investor zu finden, der sich in dem Unternehmen engagiert, sagte Insolvenzverwalter Frank Kebekus. Foto: Patrick Fauß
Im Metallschmelzwerk Oetinger in Weißenhorn wird trotz des Insolvenzantrags weiter gearbeitet. Sie haben genügend Zeit, die Ursachen für die Liquiditätsprobleme zu analysieren und einen Investor zu finden, der sich in dem Unternehmen engagiert, sagte Insolvenzverwalter Frank Kebekus. Foto: Patrick Fauß
Weißenhorn / WILLI BÖHMER 05.07.2013
Die Produktion in den Niederlassungen des insolventen Aluminiumschmelzwerks Oetinger läuft unvermindert weiter. Und die 500 Mitarbeiter der Gruppe dürften heute ihr ausstehendes Gehalt auf dem Konto haben.

Die Stimmung im Gläubigerausschuss war gelöst. Derzeit gibt es keinen Grund, die Produktion in einem der vier deutschen Werke der insolventen Oetinger-Gruppe zu drosseln, berichtete der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus aus Düsseldorf. Oetinger beschäftigt am Stammsitz in Weißenhorn 180 Mitarbeiter und im Werk Neu-Ulm weitere 130. Außerdem unterhält das Schmelzwerk Standorte in Hannover und Berlin. Das Zweigwerk in Grocy in Frankreich ist von der Insolvenz nicht betroffen, berichtete Kebekus. Es gilt als hochmodern und effizient.

Die Finanzierung des weiteren Betriebs des Gesamtunternehmens ist gesichert, verkündete der vorläufige Insolvenzverwalter. Die Kundenaufträge seien nicht storniert worden, im Gegenteil, einige hätten die Aufträge sogar aufgestockt. Und es sei gelungen, für begrenzte Zeit Sonderkonditionen auszuhandeln, um kostendeckend arbeiten zu können. Wie bereits berichtet, sind die Auftragsbücher des Unternehmens voll. Zeitweise müssen sogar Samstagsschichten gefahren werden, um die Aufträge abzuarbeiten. Aber die Preise, die auf dem Markt erzielt wurden, sind seit einiger Zeit niedriger als die entstehenden Kosten.

Und die Belegschaft muss auch nicht länger auf das ausstehende Gehalt warten. Die Arbeitsagentur hat das Insolvenzgeld für drei Monate genehmigt, heute müssten die Mitarbeiter ihr Geld auf den Gehaltskonten haben, sagte der 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall Neu-Ulm/Günzburg, Günter Frey. Die Finanzsorgen der Mitarbeiter sind damit erst einmal erledigt. Auch das Urlaubsgeld werde ausbezahlt. Das habe zusätzlich zur Beruhigung der Mitarbeiter beigetragen, sagte Frey. Außerdem gebe es derzeit keine Kündigungen, die Mitarbeiter würden benötigt, um die Aufträge bearbeiten zu können.

Der Gewerkschafter lobte das Vorgehen von Kebekus im Gläubigerausschuss als sehr professionell. Durch die schnellen Entscheidungen gebe es nun genügend Zeit, sich um die Ursachen der Insolvenz zu kümmern, neue Strukturen zu installieren und einen Investor oder Käufer zu suchen. Weil die Gehälter der Mitarbeiter drei Monate von der Arbeitsagentur kommen, gibt es dafür auch genügend finanziellen Spielraum.

Weil im Metallschmelzwerk 80 Prozent der Kosten beim Material entstehen, wird sich der Insolvenzverwalter auch um günstigere Einkaufsmöglichkeiten kümmern müssen, um die Gesamtkosten zu senken, sagte Frey. Und nicht einer der Lieferanten habe seine gelieferten Waren wieder abgeholt, etwa aus Angst, dafür kein Geld zu sehen. Das Vertrauen in das Metallschmelzwerk Oetinger und seine Zukunft sei offenbar vorhanden. Eine wichtige Voraussetzung für den Weiterbetrieb des Unternehmens. Die Gläubiger nahmen diesen ersten Zwischenbericht des vorläufigen Insolvenzverwalters ruhig und sichtbar zufrieden zur Kenntnis.