Stadtbild Altenstadt will historischen Ortskern aufwerten

Von Thomas Vogel 06.08.2018

Viele bauliche Zeugnisse seiner jüdischen Geschichte bereiten der Gemeinde Altenstadt großes Kopfzerbrechen. Sie sind in schlechtem Zustand, einige stehen seit Jahren leer, ein Komplex ist gar Brandruine. Verschachtelte Aufteilungen, schlechte Bausubstanz, niedere Raumhöhen und nicht zuletzt der happige Verkehr in der Memminger Straße, entlang derer sich der historische Kern der einst bedeutenden jüdischen Landgemeinde gruppiert, stellen große Herausforderungen bei der denkmalgerechten Vitalisierung dar. Private Investoren stehen nicht gerade Schlange, Denkmal- und Ensembleschutz bedeuten hohe Auflagen. Jetzt will die Gemeinde selbst auf den Plan treten, in der Hoffnung, damit eine Initialzündung zu geben, die Investitionen auch von Privatleuten nach sich zieht.

58 Einzelpunkte

Der Katalog möglicher Maßnahmen und Projekte geht aber über den inneren Ortskern und mithin über das vorhandene Sanierungsgebiet deutlich hinaus und umfasst 58 Einzelpunkte. Enthalten sind sie im so genannten „Integrierten nachhaltigen städtebaulichen Entwicklungskonzept“(Insek). In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause vom Marktgemeinderat einstimmig abgesegnet, ist dieses gleichzeitig Voraussetzung dafür, weitere Sanierungszuschüsse von Bund und Land in die Gemeinde leiten zu können. Altenstadt hat sich dafür das Städtebauförderungsprogramm „Stadtumbau West“ ausgeguckt, will darüber hinaus projektbezogen aber noch weitere Fördertöpfe anzapfen. Nicht von heute auf morgen, sondern in einem Zeitraum von 15 Jahren soll dieser – nicht zuletzt in einer Bürgerwerkstatt erarbeitete – Katalog nun abgearbeitet werden. Die einzelnen Projekte müssen dann vom Marktrat abgesegnet werden.

Spannend wird beispielsweise die Frage, wie es mit der Alten Bleiche weitergeht. Die ehemalige Garnsiede, die zu Zeiten der Judengemeinde ebenso als bescheidenes Wohnhaus diente, steht seit Jahren leer. Ein erster Anlauf der Gemeinde zur Sanierung in der Ära Gustav Schlögel war vor 15 Jahren an einem Bürgerentscheid gescheitert. Sein Nachfolger Wolfgang Höß spielt nun mit der Idee, in dem Gebäude einfache Unterkünfte für Radreisende mitsamt Service-Station unterzubringen. Auch das Wasserkraftwerk dort könnte reaktiviert werden.

Für das Nachbargebäude Memminger Straße 20 schräg gegenüber dem Rathaus, das so genannte Erlanger Haus, besteht bereits eine Vielzahl von Ideen. Sie reichen vom Einbau einer kleinen Ausstellung über die Ortsgeschichte bis hin zur möglichen Teilnutzung als Archiv sowie durch die Volkshochschule. Das Gebäude gehört der Gemeinde Altenstadt ebenfalls bereits. Eine Lösung sucht sie ebenso für die „Brandhäuser“ in der Memminger Straße auf Höhe des Marktplatzes, die sie nach jetzigem Stand wohl erwerben wird. Noch eine Reihe weiterer sanierungsbedürftiger Judenhäuser genießt im Insek-Katalog eine hohe Priorität, aber ebenso auch der Bahnhof und sein Umfeld. Ein Bahnhofsplatz, eine Fußgängerunterführung, die Reaktivierung des Bahnhofsgebäudes und die barrierefreie Umgestaltung des Öffentlichen Raums stehen hier auf dem Programm der kommenden Jahre.

Mehrzweckhalle größter Wunsch

Ganz oben auf dem in der Bürgerwerkstatt aufgestellten Wunschkatalog aber landete der Neubau einer Mehrzweckhalle. Vieles, auch die Standortwahl ist noch ungeklärt. Perspektiven zeigt das Insek ebenso den Teilorten der Gemeinde auf. Illereichen etwa, das weitaus älter ist als Altenstadt, könnte in größeren Teilen ebenfalls zum Sanierungsgebiet umgewidmet werden. Die Erarbeitung einer Gestaltungsfibel sowie eines historischen Rundwegs sowie ein Beschilderungs- und Informationssystem sind weitere Themen.

Förderungen auch für Privatleute

Spielräume Das „Stadtumbaugebiet Altenstadt“ geht räumlich über das bereits bestehende Sanierungsgebiet „Altenstadt Zentrum“ hinaus. Sein Umgriff  begründet sich aus den vorhandenen Potenzialen zur Innenentwicklung, vor allem den innerörtlichen Flächen, die einer neuen Nutzung zugeführt werden können. Neue Spielräume werden eröffnet. Das will die Gemeinde nutzen.  Profitieren von Förderprogrammen und Fördertöpfen können  auch Privatleute, die laut Bürgermeister Wolfgang Höß bis zu maximal 30 Prozent der förderfähigen Kosten als Zuschuss einheimsen können.

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