Weißenhorn / MATTHIAS SAUTER  Uhr
Kursteilnehmer haben in Weißenhorn unter fachmännischer Anleitung das Sensenmähen gelernt. Als Lehrort diente der örtliche Obstwiesenpfad.

Der Obstwiesenpfad des Bund Naturschutz trägt seit Jahren zu einem prächtigen Landschaftsbild am Weißenhorner Ortsausgang Richtung Biberach bei. Mehr als 40 alte Obstbäume sind auf dem 4000 Quadratmeter großen Grundstück beheimatet. Dort kann die heimische Pflanzenvielfalt mit Spitzwegerich, Wicke und Habichtskraut bestaunt werden.

Aber nicht mehr lange. Denn zwölf Teilnehmer eines Sensen-Kurses der Kreisgruppe Neu-Ulm des Bund Naturschutz haben sich zum Ziel gesetzt, die Streuobstwiese in wenigen Stunden zu mähen. Die meisten kommen zum ersten Mal mit dem jahrhundertealten Werkzeug in Berührung.

Bereits um 8 Uhr morgens beginnt die theoretische Einführung. „Wir fangen bewusst früh an, weil sich feuchtes Gras besser eignet“, erläutert Eugen Rüd. Der Leiter des Workshops hat den Umgang mit dem Gerät von seinem Vater erlernt. Er erläutert den Interessierten die Funktionsweise der Sense und die Kunst des Wetzens. Mit einem Wetzstein führt Rüd vor, wie die Sense fachmännisch geschliffen wird. Er zeigt den Teilnehmern, welche Werkzeuge für das Dengeln benötigt werden. „Die Sense kann nur gut funktionieren, wenn man beim Wetzen und Dengeln alles richtig macht“, sagt der Fachmann.

 Anschließend beginnt der Praxispart: Teils mit eigenen Sensen, teils mit geliehenen, sammeln die Teilnehmer erste Erfahrungen in der Streuobstwiese. Dass das Mähen eine sportliche Herausforderung ist, merkt Christine Braun-Weinzierl schon nach wenigen Minuten. „Ohne Schweiß kein Preis“, ruft sie ihren Kollegen zu und grinst. Die Illertisserin hat früher ihrem Vater bei der Arbeit mit der „Säages“ zugeschaut, aber noch nie selbst zur Sense gegriffen. Das soll sich jetzt ändern: „Ich möchte dazu beitragen, dass diese Art des Mähens nicht weiter ausstirbt und meine Kenntnisse in der Wiese neben unserem Wohnhaus ausprobieren.“

 Ein „alter Hase“ im Sensen-Mähen ist Helmut Brugger. Der Weißenhorner bekam vor 15 Jahren das Werkzeug von seiner Schwiegermutter geschenkt und nutzt es seitdem zum Mähen der Blumenwiese im heimischen Garten. „Aber eigentlich hacke ich bislang mehr in der Wiese herum“, stellt Brugger selbstkritisch fest. Durch die professionelle Anleitung von Rüd versucht er während des Kurses, seine Technik zu verfeinern. Mit Erfolg. Insbesondere bei der Haltung der Sense und bei den Bewegungsabläufen macht er im Laufe des Vormittags Fortschritte.

 Der Zeitpunkt des Workshops ist laut Günter Petters, dem Weißenhorner Ortsgruppenvorsitzenden des Bund Naturschutz, nicht zufällig gewählt. Nach den Vorschriften des bayerischen Naturschutzprogramms darf erst ab Anfang Juli mit dem Mähen der Streuobstwiese begonnen werden. „Dann sind die Gräser und Blumen soweit in der Entwicklung, dass ihre Fruchtstände zum Aussamen bereit sind.“