Kultur Als Künstler viele Kirchen in den Region verziert

Weißenhorn / Claudia Schäfer 08.06.2018

Der Weißenhorner Franz Martin Kuen war für die Region der „Malerstar des 18. Jahrhunderts“, so Walter Wörtz, Kulturreferent des Landkreises. Und doch kennt fast keiner mehr den Mann, der sich in Venedig und anderswo künstlerische Anregungen holte und dann der Nachwelt an mehr als 50 Orten der Region Deckengemälde und Altarbilder hinterließ. Ein großes Veranstaltungsprogramm im kommenden Jahr soll den Ausnahmekünstler aus der Vergessenheit holen. Dazu haben sich die Stadt Weißenhorn, Kloster und Gemeinde Roggenburg, der Kreis sowie der Museumsverein Weißenhorn zusammengetan.

Fast alle Werke ausgestellt

Kernstück der Aktion bilden zwei Ausstellungen im Jahr 2019: In Kuens Geburtsstadt Weißenhorn wird am 12. April eine Ausstellung eröffnet, die Einblicke nicht nur in das Werk, sondern auch die Person Kuens, seiner Zeit und seiner Familie geben soll. In Roggenburg, wo der Maler gut 20 Jahre arbeitete und fast das gesamte Kloster samt Kirche ausstattete, wird ab 17. Juli der Fokus auf das künstlerische Schaffen Kuens gelegt. Nahezu alle bekannten Ölskizzen und Zeichnungen aus mehreren Sammlungen werden neben den Roggenburger Werken Kuens zu sehen sein. Dazu gibt es Veranstaltungen, die sich Kuen und seiner Zeit literarisch und musikalisch nähern.

Bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms gestern im Kloster Roggenburg betonten alle Beteiligten die intensive und gute Zusammenarbeit und ihren Wunsch, Kuen „heraus- und vorzustellen“. Der Künstler sei „unterbewertet“, sagte Walter Wörtz. Er solle endlich die Bekanntheit bekommen, die er verdiene.

Matthias Kunze, Leiter des Weißenhorner Heimatmuseums, hat einen Grund ausgemacht, warum Kuen zwar optisch vielerorts präsent, aber nicht in den Köpfen ist: Die Zeit des Barocks mit seiner tiefen Bedeutung von Religion und Frömmigkeit im Alltag sei „unheimlich fremd geworden“. So seien die heute für Kunstliebhaber interessanten Gemälde zu Kuens Zeiten „ganz großes Kino“ gewesen, ihre Betrachtung ein „Public Viewing“, wie Pater Roman Löschinger sagte.

Um möglichst viele Menschen mit Kuen und seinem Werk in Berührung zu bringen, haben sich die Organisatoren des Jubiläums einiges einfallen lassen. So sollen Individualtouristen im Kloster ein Tablet ausleihen können, das ihnen als virtueller Klosterführer fast jederzeit alle Räume zugänglich macht und sie damit auch zu Kuen führt. Organisierte Führungen werden intensiv auf das Werk des Barockmalers ausgerichtet.

Zudem soll es „Kunstführungen“ geben, bei denen sich der Weißenhorner Maler Norbert Riggenmann über die Schulter schauen lässt, wenn er ein Fresko und ein Tafelbild erschafft. Unter dem Motto „Kuen und heute“ soll der Künstler in die Moderne geholt werden, etwa als verfremdete Darstellung im Stile Warhols auf der Fassade des Bildungszentrums oder als „Kuen-Himmel“ in den dortigen Räumen. Die Gemeinde Roggenburg möchte dazu parallel ein Kinder- und Familienprogramm anbieten, sagte Bürgermeister Mathias Stölzle.

Kunstpreis wird umbenannt

In Weißenhorn werden Heimatmuseum und Museumsverein unter dem Vorsitz von Ulrich Hoffmann gemeinsam das Thema Kuen aufgreifen. Ein deutliches Zeichen soll die Umbenennung des renommierten Kunstpreises in „Franz Martin Kuen-Preis“ setzen, auch thematisch wird sich der Preis 2019 an den Namensgeber anlehnen. Ein Kinderprogramm zur Ausstellung im Heimatmuseum, ein Kuen-Puzzle und Kuen-Legespiel sind weitere Ideen, die zum Jubiläum verwirklicht werden sollen. Auch einen Imagefilm wird es geben.

Bis zu 180 000 Euro wird das Kuen-Jubiläum insgesamt kosten, rund die Hälfte soll aus diversen Fördertöpfen etwa von Freistaat und Bezirk kommen. Dazu läuft die Suche nach Sponsoren, wie Pater Roman Löschinger sagte. „Wir arbeiten mit allen Kräften daran, dieses Mammutprojekt zu stemmen.“ Das Jubiläum sei ein „Jahrzehnt-Ereignis“.

Landkreis und Museumsverein publizieren

Touren Zwei neue Publikationen werden sich dem Kuen-Jubiläum in unterschiedlicher Weise widmen: Der Landkreis bringt unter dem Titel „Barock erfahren“ einen Tourenführer heraus, der zu Kirchen der Region führt, in denen Kuen-Werke zu sehen sind. In dem Führer werden 26 Orte vorgestellt, von Oberelchingen bis Matzenhofen und von Illertissen bis Ingstetten. Das Druckwerk richtet sich auch an Radler und enthält Hinweise auf gastronomische Angebote entlang der Touren und auf Spielplätze.

Bildband Der Weißenhorner Museumsverein möchte einen illustrierten Band herausbringen, der Kuens Leben beleuchtet und das Werk des bodenständigen, aber weit gereisten Künstlers bewertet. Unter dem Titel „Schwäbische Frömmigkeit in venezianischem Glanz“ liegt der Fokus auf Kuens Gemälde und Fresken. Ein Werkkatalog ergänzt das Buch.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel