Airport Allgäu Airport ständig im Aufwind

Sorgen für mehr Flüge und mehr Passagiere in Memmingen: die Fluggesellschaften Ryanair und Wizz Air.
Sorgen für mehr Flüge und mehr Passagiere in Memmingen: die Fluggesellschaften Ryanair und Wizz Air. © Foto: Allgäu Airport/Stefan Gruber
Memmingen / NIKO DIRNER 05.01.2017

Trotz Schneefall und Wind: Der Flugbetrieb auf dem Allgäu Airport bei Memmingen konnte am Mittwoch uneingeschränkt stattfinden. Das war im Dezember bei dichtem Nebel mal anders, da mussten zwei Jets zu anderen Flugplätzen umgeleitet werden. Das ist ärgerlich und kostet Geld, sagt Gebhard Kaiser. Deshalb sei es wichtig, dass die Befeuerung der Piste erneuert und ein Instrumentenlandesystem angeschafft wird. Geplant wird seit Jahren, heuer soll es soweit sein, sagt der ehemalige Oberallgäuer Landrat und Flughafen-Lobbyist. Dann könnte der Airport seine Passagierzahlen weiter verbessern. Angepeilt werden eine Million Fluggäste, sagt Geschäftsführer Ralf Schmid. 2016 gibt ihm kräftig Rückenwind.

2016 hat der Flughafen das beste Ergebnis seit seinem Start vor zehn Jahren erreicht: 996 714 Passagiere wurden gezählt, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 12,8 Prozent. 2015 betrug das Plus sogar 17,8 Prozent. Die Basis dafür ist der kontinuierlich ausgebaute Flugplan, der maßgeblich von den beiden Gesellschaften Ryanair und der ungarischen Wizz Air getragen wird. Zudem nehmen Charter- und Ferienflüge zu, sagt Schmid.

Der Geschäftsführer verhehlt dabei nicht, dass vom Allgäu Airport immer mehr Flieger nach Ost-Europa abheben: Wizz Air etwa bietet seit 2016 insgesamt 14 Destinationen in diese Richtung an. Neu sind etwa das bulgarische Varna oder Kutaisi, die zweitgrößte Stadt Georgiens. Dazu kam im März die Verbindung Memmingen–Moskau der russischen Fluggesellschaft Pobeda. Ryanair nahm Sofia in ihr Streckennetz auf. Schmid: „Ost-Europa ist für uns zu einem wichtigen Markt geworden, in dem noch echtes Wachstum zu erzielen ist.“

Ob damit nicht der Anspruch des Airports verloren geht, auch Urlaubsgäste ins Allgäu zu befördern? „Es kommen viele Touristen“, antwortet Pressesprecherin Marina Siladji. Derzeit etwa schwebten Skifahrer aus Moskau, der Ukraine oder Dublin ein. Andere Passagiere landeten in Memmingen, um zu einem Städtebesuch nach München weiterzureisen. Falsch sei der Eindruck, dass über den Airport keine Geschäftsreisen mehr abgewickelt werden. Auch wenn die innerdeutschen Verbindungen wegen der Insolvenz der Gesellschaft Intersky Ende 2015 weggefallen sind, reisten immer wieder Firmenvertreter etwa nach Rumänien oder Moskau. Gerade der Baumaschinenhersteller Liebherr nutze die Verbindungen gen Osteuropa.

Deutsche Ziele in Aussicht

Flüge nach Berlin oder Hamburg könnte es wieder geben, wenn der Ausbau fertiggestellt ist. Wie zu erfahren ist, hat eine Airline in Aussicht gestellt, dann Jets in Memmingerberg zu stationieren und innerdeutsche Ziele anzusteuern. Ehe die Bauarbeiten beginnen können, muss die EU zulassen, dass der Freistaat insgesamt 12,2 Millionen Euro der Gesamtkosten von bis zu 17 Millionen Euro beisteuert. Weitere finanzielle Mittel will der Flughafen bei Kommunen und Landkreisen zwischen Oberallgäu und Ostalb einsammeln: 7,2 Millionen sollen von dort in Gewerbegrundstücke am Flughafen fließen – 288 000 Euro aus dem Landkreis Neu-Ulm. Die politischen Gremien haben das Geld bereitgestellt, doch abgerufen ist bislang noch nichts.

Denn die Grundbesitzgesellschaft II, die 30 Hektar des Airport-Geländes übernehmen soll, gibt es noch nicht. Grund dafür sei, räumt Gebhard Kaiser ein, die „Altlasten-Thematik“ (siehe Info-Kasten). Es gebe verschiedene juristische Ansichten, wie damit in den Verträgen umgegangen werden soll. „Es muss klar sein, dass die Gebietskörperschaften freigestellt werden“, sagt Roland Bürzle, der Neu-Ulmer Vize-Landrat. Die von Kommunen und Kreisen engagierten Anwälte hätten dazu eine andere Einschätzung als der Rechtsbeistand des Flughafens. Zudem, verrät Bürzle, habe es trotz eines Wertgutachtens „Meinungsverschiedenheiten“ über den Kaufpreis der Flächen gegeben. Kaiser sagt, er sei zuversichtlich, diese Probleme in den kommenden zwei Monaten ausräumen zu können.

Altlasten und die Dreiteilung des Flughafens

Tenside In der Zeit, als der Allgäu Airport noch militärisch genutzt wurde, sind bei Übungen verwendete Löschschäume versickert, potentiell gesundheitsschädliche Perfluorierte Tenside (PFT). „Es gibt Ablagerungen an mehreren Stellen“, sagt das Wasserwirtschaftsamt. Unklar ist, wie saniert wird und wer dafür bezahlt. Kommunen und Kreise wollen dafür nicht aufkommen. Der Flughafen wiederum versucht diese Aufgabe an den Bund abzutreten. Es gibt aber eine Aussage aus dem Bundesfinanzministerium von Ende 2015, dass der Bund die Beseitigung nicht bezahlen.

Organisation Zukunftsfähig will der Allgäu Airport mit einer Dreiteilung werden: Den Flugplatz übernimmt die Allgäu Aiport GmbH & Co. KG.  Betreiberin ist die neue Flughafen Memmingen GmbH mit rund 100 Mitarbeitern. Für die Gewerbeflächen soll es eine dritte Gesellschaft geben.

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