Wain Alexander Zindel und sein "Baby"

Alexandre Zindel, der einzige professionell tourende Autoharpspieler in Deutschland, gab sich in Schäfers Kultur-Stadel in Wain die Ehre. Foto: Manuela Rapp
Alexandre Zindel, der einzige professionell tourende Autoharpspieler in Deutschland, gab sich in Schäfers Kultur-Stadel in Wain die Ehre. Foto: Manuela Rapp
Wain / MANUELA RAPP 16.11.2012
Immer wieder sind in Schäfers Kultur-Stadel ungewöhnliche Künstler zu Gast. Nun war es ein Instrument, die so genannte Autoharp, das samt ihrem Interpreten Alexandre Zindel die Besucher anregte.

Was fast wie eine Zither aussieht, muss keine Zither sein. Doch wer kennt schon die Autoharp? Gespielt wird sie körpernah und manchmal sieht es so aus, als ob Alexandre Zindel sein "Baby" in den Armen hält. Irgendwie stimmt das ja auch, denn schließlich ist er nach eigenem Bekunden der einzige professionell tourende Autoharp-Spieler in Deutschland.

Gleich drei von der Sorte stehen auf der Bühne, die eigentlich eine Art Laufsteg ist, gedacht für die unterschiedlichen Stilrichtungen. Mit ihren 36 straff gespannten Stahlsaiten ist die Autoharp ein Folk- und Country-Instrument, das laut Zindel nur in Amerika verbreitet ist. Bedient wird sie mittels Knöpfen, einem System aus Filzpuffern. Wer sie sich zur Brust nimmt, werde schon beim ersten Mal ein Erfolgserlebnis haben, verspricht der "AutoHarpSinger", so übrigens auch der Name der Solotournee.

Der Kölner beschränkt sich bei der Auswahl seiner Stücke freilich nicht nur auf dieses Genre. Blues, Chansons, RocknRoll oder auch ein Volkslied - Berührungsängste gibt es da keine. Wunderschön klingt etwa die Interpretation des Renaissance-Klassikers "Greensleeves", ein Lied, das angeblich König Heinrich VIII - jener mit den sechs Frauen - für Anne Boleyn geschrieben haben soll.

Die der Komposition innewohnende Melancholie kommt durch den sanften, zurückgenommenen Gesang wunderschön zum Tragen. Man möchte von einer sentimentalen Eigendynamik sprechen, die sich daraus entwickelt. Manche Melodien und Themen bleiben wohl immer angesagt. Zindel jedenfalls schafft es spielend, sich zwischen Moderation, Wissen, Persönlichem, einer Prise Ironie (was den Kauf seiner CDs anbelangt) zu bewegen. Die Musik ist ein wichtiger Teil davon, aber eben nicht alles. Mit Sicherheit wird sie jedoch in Erinnerung bleiben. Etwa wenn er das schöne Volkslied "Die Gedanken sind frei" recht eigenwillig interpretiert. Eine freiere, modernere, weltläufigere Version, die er da zum Besten gibt. Dazu der Text, der unabhängig von Zeit und Raum angesiedelt zu sein scheint. Oder dann wieder Edith Piafs unvergängliches "La vie en rose", das durch die Autoharp eine völlig andere Akzentuierung erhält. Leger formuliert sind das kleine französische Klanggirlanden, die sich mit den deutschen Kommentaren einer Hilde Knef zu einem prägnanten Ganzen verknüpfen.

Und dann - für so manchen sicherlich der Höhepunkt - spielt er das Instrument ohne die Finger schützenden Spielhilfen. Welch Unterschied! Leiser, fragiler, zarter, ja verletzlicher wird da die Melodie. Zweifelsohne: Das ist die Edelvariante. Weniger für den Spieler. Zindels Kommentar dazu: aua.

Was hat aber Johnny Cash mit der Autoharp zu tun? Abgesehen davon, dass sich sein Paradesong "Ring of fire" vortrefflich dafür eignet. Nun ja, das ist auch so eine Geschichte. Ist es doch der Mutter von June Carter Cash, Jonnys Ehefrau, zu verdanken, dass sich die einstmals deutsche Erfindung, die dann geklaut wurde, in den Vereinigten Staaten etablieren konnte. Eine gefällige Nummer dieser "Feuerring", aber irgendwie ist es der Blues, der bei der Autoharp fast greifbar wird, bei der das Instrument lebt. Wow, was ist "Everyday I have the Blues" für ein klasse Stück. Südstaaten-Tristesse pur. Zweifelsohne ein interessanter Abend, für die, die da waren. Es waren noch Plätze frei. Schade eigentlich.

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