Weißenhorn als Wohnstandort ist nach wie vor begehrt. Der Run auf Bauplätze dort hält jedenfalls unvermindert an. Was keineswegs nur ein Grund zur Freude, sondern auch ein Grund zum Verdruss für angehende Bauherren ist. Denn im Raum steht der Vorwurf, dass Einheimische bei der Vergabe der begehrten Grundstücke zu kurz kommen, häufig leer ausgehen. Das will die CSU-Fraktion  eigenen Angaben zufolge ändern, deshalb die Vergabe-Richtlinien der Stadt modifizieren.

Der Antrag der CSU sieht folgendes vor: Künftig sollen neben dem Wohnort des jeweiligen Antragstellers auch der Wohnort seiner Eltern, Großeltern und Geschwister berücksichtigt werden. Auf diese Weise wollen die Christsozialen die Zusammengehörigkeit in der Familie stärken. „Diese Änderung ist unbedingt nötig, da es wieder vorgekommen ist, dass Antragsteller im eigenen Dorf nicht zum Zuge gekommen sind und diese nun verständlicherweise sehr verärgert sind“, heißt es in dem Schreiben der Christsozialen an die Weißenhorner Stadtverwaltung.

Bisher würden Familien mit mehreren Kindern, die nicht aus Weißenhorn kommen, besser gegenüber kinderlosen Paaren aus Weißenhorn gestellt. Diese Regel ist gut und schön, greift aber zu kurz, findet die CSU. Sie möchte junge Paare unterstützen, „die Kinderwünsche haben, sich aber zuerst ihr trautes Nest aufbauen wollen“. Zudem sieht der Vorschlag der CSU einen Bonus für ehrenamtlich Tätige und Arbeitgeber vor.

Kürzlich ist das Thema „Begehrte Bauplätze“ im Bauausschuss aufgeploppt, außerhalb der offiziellen Tagesordnung. Dort berichtete Bürgermeister Wolfgang Fendt über ein junges, kinderloses Paar, das einen Bauplatz in ihrem Heimatort möchte, dem  Stadtteil Biberachzell. Das Paar erhielt eine Absage, andere seien bevorzugt worden. Diese hatten im Vergabeprozedere mehr Punkte zugesprochen bekommen und den Zuschlag erhalten. Der Rathauschef berichtete auch darüber, dass er selbst in seiner Verwaltung wegen eines Bauplatzes angefragt hat – und dass man ihm dort keine Hoffnung gemacht habe, einen zu bekommen. „Auch ich kann den Ärger der Betroffenen verstehen“, sagte Fendt, verwies aber auf die geltenden Vergabe-Richtlinien. „Allerdings setzt die Verwaltung nur das um, was der Stadtrat beschlossen hat“.

Die Situation sei in der Tat angespannt, räumte Bürgermeister Fendt ein und belegte dies mit beeindruckenden Zahlen: In der Kernstadt etwa gebe im vierten Abschnitt des Baugebiets „Mittlere Platte“ 171 Anfragen für die restlichen 31 zur Verfügung stehenden Bauplätze. Ähnlich sieht es in den Stadtteilen aus: Im Baugebiet Biberachzell etwa gibt es nach Angaben der Stadt derzeit noch 13 freie Grundstücke und 34 Anfragen dafür, in Wallenhausen 12 Bauplätze und bereits 16 Bewerbungen.

Die CSU-Fraktion im Stadtrat will die Richtlinien auch deshalb ändern, um „das Punktevolumen“ bei der Auswertung zu vergrößern. Denn dies verhindere, dass viele Bewerber dieselbe Punktzahl erreichten und dann das Los über die Reihenfolge der Vergabe entscheide. „Wie dies bisher häufig der Fall gewesen ist“, wie CSU-Fraktionssprecher Franz Josef Niebling betonte.

Einzel-, Reihen- und Doppelhäuser


Mittlere Platte Die „ Mittlere  Platte“ ist das größte Baugebiet in der Kernstadt Weißenhorn. In dem Gebiet läuft die Erschließung des vierten
Abschnitts. Dort sollen annähernd 50 neue Bauplätze bereitgestellt werden. Das Baugebiet liegt im Südosten der Kernstadt – im Wesentlichen im Bereich der Schluckenauer Straße und „Am Hochgericht“. Vorgesehen sind Einzel-, aber auch Reihen- und Doppelhäuser.

Stadtteile In Biberachzell wird das Baugebiet „Am Marksteig“ um weitere Plätze, in Wallenhausen der Bereich „Hinter den Gärten“ erweitert.