Bruno Schwägerl arbeitet seit 30 Jahren an der Annahmestelle der Weißenhorner Milch Manufaktur. Gestern ist "sein neues, großes Wohnzimmer eingeweiht worden", sagte der geschäftsführende Gesellschafter Gerhard Jerg in seiner Eröffnungsrede, eine Randbemerkung aus der Belegschaft aufgreifend. Bei dem "Wohnzimmer" handelt es sich um eine Einfassung aus Glas und Beton, mit der die großen Edelstahltanks der Milchanlieferung vor Wind und Wetter geschützt werden. An die 85 000 Liter Milch werden täglich an dieser Stelle umgesetzt - die Hygienevorschriften der EU verlangen eine Überdachung.

Vor mehr als fünf Jahren haben Monika und Gerhard Jerg die Weißenhorner Molkerei aus der Insolvenzmasse des Parmalatkonzerns herausgekauft. Die Unternehmer kommen aus Laupheim und betreiben dort die Firma Jermi, die Milchprodukte verarbeitet. Was 1889 als Dorfmolkerei begonnen hat, ist heute ein Käsewerk mit 350 Mitarbeitern. Vor 84 Jahren haben in der Stadt Weißenhorn 24 Landwirte eine Molkereigenossenschaft gegründet, sagte Monika Jerg. Daraus ist Generationen später eine der ältesten Bioland-Molkereien in Deutschland geworden. Eine Tradition, die auch die Weißenhorner Milch Manufaktur mit neuen Produkten und neuem Design erfolgreich fortführt. Die Manufaktur-Produkte seien bei der DLG, der Organisation der Agrar- und Ernährungswirtschaft, prämiert und bei einer Bio-Fachausstellung ausgezeichnet worden.

Die vor einem halben Jahr gestartete regionale Vermarktungs-Kampagne sei ebenfalls von Erfolg gekrönt, ergänzte Monika Jerg am Rande der Veranstaltung. Im nationalen wie internationalen Biohandel sind die Weißenhorner Produkte eine bekannte Marke - lediglich in der Region haperte es beim Bekanntheitsgrad. "Das hat sich inzwischen verändert." In einer ganzen Reihe von Supermärkten sind Produkte der Milch Manufaktur zu finden - auch in privat geführten Märkten sei man immer öfter vertreten.

Landrat Erich Josef Geßner und Bürgermeister Wolfgang Fendt dankten der Unternehmerfamilie, dem Betrieb und den 50 Mitarbeitern eine Zukunft gegeben zu haben. Ein Arbeitsplatz, "an dem man mit Freude am gemeinsamen Erfolg arbeiten kann, ist viel wert", sagte Geßner. Er hatte dem Unternehmen bereits in den 70er Jahren einen ersten Besuch abgestattet - "damals hieß es noch Parmalat, und ich war CSU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag". Als Familienunternehmen habe sich die Manufaktur der Nachhaltigkeit verschrieben, ergänzte Fendt. Die Familie arbeite nicht nur an der Weiterentwicklung der Produkte, sondern auch des Firmenstandorts in Weißenhorn.

Bis zum Ende des Jahres und seit der Übernahme hat das Unternehmen rund acht Millionen Euro in die Gebäude und die Modernisierung der Maschinen und Anlagen investiert, sagte Gerhard Jerg. "Eine Zukunftsinvestition mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko." Nachhaltigkeit sei schließlich ein generationenübergreifendes Thema - "auch für die Landwirte, die mit uns zusammenarbeiten".