Senden Acht Länder, 3500 Fotos

Gruppenbild mit Motorrädern: (von links) Maria und Siegfried Wittlinger, Anne und Peter Erath, Siegfried und Gisela Schnürle fuhren in 20 Tagen bis nach Moskau. Foto: Privat
Gruppenbild mit Motorrädern: (von links) Maria und Siegfried Wittlinger, Anne und Peter Erath, Siegfried und Gisela Schnürle fuhren in 20 Tagen bis nach Moskau. Foto: Privat
Senden / CLAUDIA SCHÄFER 20.08.2013
Vom beschaulichen Rentnerdasein hält der Sendener Siegfried Schnürle wenig. Stattdessen erkundet er mit seiner Frau auf dem Motorrad die Welt. Jetzt war der 64-Jährige in Osteuropa unterwegs.

Als Vorsitzender des Tischtennisclubs Senden-Höll ist Siegfried Schnürle nicht nur Organisationschef, sondern immer noch in einer der AH-Mannschaften aktiv. Auch in seiner sonstigen Freizeit ist er unternehmungslustig und froh, dass er im Ruhestand endlich Zeit für lange Motorradreisen mit seiner Frau Gisela (63) hat.

Gemeinsam mit zwei jüngeren befreundeten Ehepaaren aus Breitingen und Bihlafingen, Maria und Siegfried Wittlinger sowie Anne und Peter Erath, waren die Schnürles 2010 am Nordkap. In diesem Jahr ging es gen Osten, insgesamt 7000 Kilometer bis nach Moskau. In 20 Tagen durchfuhren sie mit ihren Freunden acht Länder und schossen 3500 Fotos.

Für die Tour hatte sich der 64-Jährige extra eine zweite Maschine angeschafft: eine gebrauchte BMW 1150 GS, besser geeignet für die schlechten Straßenverhältnisse in Osteuropa als das sportliche Motorrad, das er sonst fährt. Die Anschaffung lohnte sich: "Die Straßen waren eher schlecht als gut", erzählt er. Auch wenn es meist über geteerte Wege ging, waren Schlaglöcher, Spurrillen und Bodenwellen an der Tagesordnung. Dazu kam die Fahrweise der Einheimischen: "Besonders auf den sehr vollen Straßen rund um Moskau sind die meisten gefahren, als obs kein Morgen gäbe", berichtet Schnürle. Manchmal seien sie froh gewesen, heil im Hotel anzukommen.

Gestartet war das Ehepaar am 22. Juli. Mit den Bekannten aus Breitingen ging es in die Nähe von Wien, wo sie die Freunde aus Bihlafingen trafen. Über Kosice, die europäische Kulturhauptstadt 2013, fuhren die drei Paare durch das slowakische Erzgebirge und durch die Karpaten nach Lublin und weiter nach Weißrussland.

"Sehr viel Armut" hätten sie gesehen, erzählt Siegfried Schnürle. Insbesondere die Roma als ethnische Minderheit lebten unter unvorstellbaren Bedingungen. Auf der anderen Seite gebe es offensichtlichen Reichtum, besonders in Moskau oder in Estland.

Als Motorradreisende seien sie immer wieder aufgefallen, so der Sendener. "Manchmal kamen Leute an und haben unsere Maschinen bewundert." Ihm habe es sehr geholfen, etwas Russisch zu können. "In manchen Gegenden ging mit Englisch oder gar Deutsch gar nichts." Trotz Schnürles Sprachkenntnissen gab es Überraschungen, etwa als sich der "lettische Schweinebraten" als Schnitzel entpuppte.

Die Menschen in Osteuropa haben Schnürles als sehr freundlich erlebt. Auch in Gegenden, in denen die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch lebendig sei, hätten sie nie irgendwelche Ressentiments gegen Deutsche zu spüren bekommen. Probleme mit der Sicherheit habe es nicht gegeben. Lediglich das teilweise stundenlange Warten an den Grenzen außerhalb der Europäischen Union habe etwas an den Nerven gezerrt.

Wunderschöne Altstädte, von Danzig bis Tallin, weite Landschaften mit langen Baumalleen und endlosen Getreidefeldern oder Naturwunder wie die große Sanddüne bei Klaipeda, dem früheren Memel, haben Schnürles mit der Kamera festgehalten. "Unser Ziel war es, Land und Leute zu sehen", sagt Siegfried Schnürle. Und auch wenn es anstrengend gewesen sei, jeden Tag bis zu 550 Kilometer mit dem Motorrad zu fahren, habe sich die Reise gelohnt.

Wohin es das nächste Mal gehen soll, wissen die Schnürles nicht. In den französischen Alpen waren sie schon, in der Schweiz, Österreich, dem Norden "Vielleicht die Pyrenäen", meint Siegfried Schnürle. "Oder die Normandie. Auf jeden Fall soll das nicht die letzte große Reise gewesen sein."