Weißenhorn Abriss kein Tabu mehr

Die Stadt Weißenhorn sucht einen Investor für das Bahnhofsgebäude (Bildmitte). Dabei gibt es drei Optionen: abreißen, sanieren - oder doch nicht verkaufen, falls weder Käufer noch passendes Konzept gefunden werden. Foto: Marc Hörger
Die Stadt Weißenhorn sucht einen Investor für das Bahnhofsgebäude (Bildmitte). Dabei gibt es drei Optionen: abreißen, sanieren - oder doch nicht verkaufen, falls weder Käufer noch passendes Konzept gefunden werden. Foto: Marc Hörger
Weißenhorn / CARSTEN MUTH 08.08.2013
Das Bahnhofsgebäude in Weißenhorn soll verkauft werden. Die Stadt führt bereits Gespräche mit Investoren, setzt auf ein schlüssiges Konzept - und schließt sogar einen Abriss nicht mehr aus.

Grau und trist. Das Bahnhofsgebäude in Weißenhorn ist seit Jahren alles andere als ein schöner Anblick. Für Stadtbaumeister Burkhard Günther ist das Gebäude trotzdem absolut erhaltenswert, wegen seiner städtebaulichen Bedeutung, wie er sagt. Gut möglich, dass sich Günther über kurz oder lang mit dem Gedanken an einen Abriss anfreunden muss. Grund: Die Mitglieder des Weißenhorner Stadtrats haben sich einstimmig dafür ausgesprochen, das Gebäude zum Verkauf anzubieten. Mehr noch: Der Investor kann das Gebäude sanieren oder abreißen lassen - vorausgesetzt sein Konzept überzeugt die Stadtvorderen.

Mit dieser Entscheidung haben die Weißenhorner ihr Tabu gebrochen und sich von dem Grundsatz verabschiedet, der stets den Erhalt des 138 Jahre alten Hauses vorsah. Verabschiedet hat sich die Stadt auch von den Plänen, das im oberen Geschoss bewohnte Gebäude im Alleingang zu sanieren, um es dann wieder zu vermieten. "Wir müssen nicht alles alleine machen", sagt Bürgermeister Wolfgang Fendt. Schließlich stemme seine Stadt bereits das millionenschwere Großprojekt Schlösser-Sanierung und den nicht minder teuren Bau einer Multifunktionshalle. Die Mitarbeiter der Verwaltung arbeiteten an der Belastungsgrenze.

Fendt ist zuversichtlich, rasch einen Käufer zu finden. Die Stadt führe bereits Gespräche mit Interessenten. Einer dieser Interessenten habe schon konkrete Pläne auf den Tisch gelegt. Der Investor wolle ein neues, viergeschossiges Bahnhofsgebäude errichten - inklusive Kiosk, Gaststätte, Apotheke, Büros und Praxen sowie zweier PenthouseWohnungen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass nach der offiziellen Ausschreibung weitere Bewerbungen folgen: "Schauen wir uns die doch mal an. Wir haben dabei nichts zu verlieren."

Fendt weiß aber auch, dass die Zeit drängt. Schließlich sollen, wie berichtet, von Mitte Dezember an wieder Personenzüge am Weißenhorner Bahnhof halten. Bis dahin wollen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm als Streckenpächterinnen wissen, wie der Wartezonenbereich für die Fahrgäste gestaltet werden soll (siehe Info-Kasten).

Klar ist: Verkauft wird das Bahnhofsgebäude nur, wenn die Pläne des Investors auch eine öffentliche WC-Anlage enthalten. "Ein Kiosk mit Bewirtung und ein Ruheraum für Busfahrer wären wünschenswert", heißt es in dem Beschluss des Stadtrats. Grundsätzlich gibt es aus Sicht der Stadt drei Optionen:

Abreißen: Verkauf an einen Investor mit der Erlaubnis, das bestehende Gebäude abzureißen. Die Zusage ist allerdings an die Vorgabe gekoppelt, dass der Investor an dieser Stelle ein neues, "repräsentatives Gebäude" errichtet.

Sanieren: Verkauf des Gebäudes an einen Investor mit der Vorgabe, das Haus zu sanieren. Sollte dem Käufer das bestehende Gebäude zu klein sein, besteht die Möglichkeit, ein weiteres, kleines Gebäude zu errichten. Platz dafür wäre auf dem südlichen Bahnhofsvorplatz.

Nicht verkaufen: Die Stadt bleibt Eigentümerin - für den Fall, dass weder Käufer noch passendes Konzept gefunden werden. Dann würde die Stadt das Haus sanieren und später teilweise vermieten.

Zwar hat der Stadtrat den Weg für den Verkauf des Bahnhofsgebäudes freigemacht, Zweifel an der Entscheidung bleiben jedoch. "Ich hoffe, das funktioniert", sagt CSU-Fraktionssprecher Ernst-Peter Keller. "Ich finde es bedauerlich, wenn der Bahnhof verschwindet", meint SPD-Sprecher Herbert Richter. Das sieht Stadtbaumeister Günther ähnlich. Ihm geht es eigenen Angaben zufolge um ein Stück erhaltenswerte Stadtgeschichte. Günther betont: Das Gebäude besitzt "hohe gestalterische Qualitäten", die wiederum mit relativ wenig Aufwand "wieder herausgearbeitet werden könnten". Der Bahnhof mag verwahrlost ausschauen, die Bausubstanz sei nach wie vor robust, auch der Dachstuhl weitgehend intakt.

Bürgermeister Wolfgang Fendt ist skeptischer. Er mutmaßt, dass eine Komplett-Sanierung "ein Vermögen kosten", ein Neubau für Investoren mitunter günstiger sein könnte. "Die Kosten für eine Sanierung sind derzeit noch schwer zu beziffern", sagt hingegen Stadtbaumeister Burkhard Günther. Er hofft, dass das alte Bahnhofsgebäude Weißenhorn erhalten bleibt. "Ein Abriss wäre sehr, sehr schade. Immerhin ist es ein prägnantes Gebäude am Ende der Bahnhofstraße."

Das Bahnprojekt
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel