Mtunzini/Senden Abgedreht: Video-Stars aus Senden

Mtunzini/Senden / CHRISTINE LIEBHARDT 17.01.2014
Als Austauschschüler kam der Südafrikaner Egmond du Plessis 1997 erstmals nach Deutschland. Bis heute verbindet den Sänger eine tiefe Freundschaft mit einer Sendener Familie. Die trat in seinem Musikvideo auf.

Eigentlich wollten Daniela Oesterle und ihr Mann Stefan nur Urlaub machen. Südafrika, etwas Besonderes zur Silberhochzeit. Dann hatten die beiden Sendener plötzlich ziemlich viel lila und weiße Schminke im Gesicht – und spielten in einem Musikvideo mit. Aber was tut man nicht alles für die Freundschaft.

„Komm, rette mich“, singt Egmond du Plessis in seinem poppigen Afrikaans-Schlager an eine blonde Prinzessin ran. Er sitzt in einer Burg fest, gefangen von einer Hexe und einem Zombie. Das sind die Bösen. Das sind Daniela und Stefan Oesterle. Und im wirklichen Leben sind die gar nicht böse, sondern schon ziemlich lange mit Egmond befreundet. Ihren Gastauftritt im Musikvideo des südafrikanischen Sängers kann man sich auf YouTube ansehen.

Egmond du Plessis arbeitet hauptberuflich als Gästebetreuer für eine Hotelkette, die Musik ist seine Leidenschaft. Aufgewachsen ist der 33-Jährige in Bela-Bela nördlich von Johannesburg. Die Oesterles kennt er seit 1997, als er zum Schüleraustausch nach Senden kam. Da war Egmond 17 und in einem Alter, in dem er alles Fremde aufgesogen hat. Daniela Oesterle war die Nachbarin seiner Gastfamilie. Weil er kein Deutsch konnte und seine Gastgeber wenig Englisch, half sie, die Sprachbarriere zu überwinden. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, und dann haben wir einfach geratscht“, erinnert sich die 50-Jährige. „Sie war wie eine ältere Schwester“, erzählt Egmond du Plessis. „Ich teilte alle Geheimnisse mit ihr. Sie war meine Verbindung nach Deutschland.“ Nach vier Wochen kehrte er zurück nach Bela-Bela. Er hatte sich verändert, war aufgeschlossener geworden. „Ich komme aus einer sehr konservativen Familie und aus einem Land, das damals sehr konservativ war.“

Nach seinem Schulabschluss wollte Egmond deshalb unbedingt zurück nach Deutschland. Ein Jahr arbeitete er als Au-Pair in der Nähe von Riedlingen, er traf sich oft mit Daniela. 1999 war das – und es sollten 14 Jahre vergehen, bis die beiden sich wiedersahen. In Kontakt sind sie trotzdem immer geblieben: Erst schrieben sie sich Briefe, später Mails. Als Daniela Oesterle und ihr Mann Stefan vor einem Jahr ihren Urlaub planten, lud Egmond die beiden nach Südafrika ein. Drei Wochen waren die Oesterles vergangenen Herbst in seinem Heimatland unterwegs: im Krüger-Nationalpark und an der „traumhaften Küste“.

Zum Schluss besuchten sie Egmond daheim in Mtunzini an der Ostküste Südafrikas, nördlich von Durban. Spontan entstand die Idee, gemeinsam das Video zu Egmonds neuem Lied „Kom Red My“ zu drehen. „Du musst die Hexe sein“, sagte er zu Daniela, und zu Stefan: „Und du der Zombie.“ Aus Danielas Spitznamen „Ila“ wurde „lila“ – und sie eine lila Hexe. 9000 Mal ist das selbst produzierte Video angesehen worden, Egmond ist stolz darauf.

Seit dem vergangenen Sommer ist er bei einer Plattenfirma unter Vertrag, im Moment arbeitet er an seinem neuen Album, Konzerte und Promotion stehen an. Spätestens im nächsten Jahr will Egmond endlich wieder nach Deutschland kommen und natürlich auch die Oesterles besuchen. Von den Erfahrungen, die er als Jugendlicher dort gemacht hat, zehrt er noch immer. „Das hat mir die Augen geöffnet und mich zu dem gemacht, was ich heute bin.“

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