Integration Türkisch-islamische Gemeinde hat Immergrün-Stuben übernommen

Senden / Niko Dirner 06.07.2018

Unschöne Fassade, abgenutzte Innenräume: Die bisherigen Vereinsräume der türkisch-islamischen Gemeinde zu Senden in der Siemensstraße waren schon länger nicht mehr auf neuesten Stand, sagt Yusuf Cinici, einer der Sprecher der Ditib-Organisation. Doch die Situation ist bald Geschichte: Der Verein hat die ehemaligen Stuben des insolvent gegangenen Schützenvereins „Immergrün“ hinter der Hauptfeuerwache gekauft. Ein Geschäft, das im Vorfeld viel Staub aufgewirbelt hat, und letztlich ganz unbemerkt über die Bühne gegangen ist

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Für das neue Domizil gibt es große Pläne, wie Cinici in einem Gespräch berichtet. Der Selbstständige gehört zwar nicht dem Vorstand an, ist als Stadtrat der Bürgerinteressen und Integrationsbeauftragter der Stadt aber das Bindeglied nicht nur zu Muslimen in Senden. Zum einen, sagt Cinici, soll der bisherige Schießraum in den Immergrün-Stuben zu einem Mehrzweckraum umgebaut werden. Dafür müssten die Holzbretter an den Wänden abmontiert werden, es müsse Putz dran, Verzierungen sind geplant, ein Teppich. In diesem Raum soll auch gebetet werden. Eine offizielle Moschee aber sei das neue Türkische Haus nicht, betont Cinici. Neben dem Mehrzweckraum gibt es einen Aufenthaltsraum mit Tischen und Stühlen.

Kegelbahn und Kicker

Der Clou ist das Untergeschoss: Dort gibt es eine Kegelbahn sowie weiteren Freiraum. Diesen will der Verein Jugendlichen zur Verfügung stellen. Ein Tischkicker ist schon angeschafft, eine Dart-Anlage soll folgen. Fest vor habe man außerdem, eine Folklore-Gruppe für Heranwachsende zu gründen, sagt der Sprecher. Obendrein soll mit Studenten von Hochschulen und Universitäten ein Nachhilfe-Angebot aufgezogen werden beispielsweise für Deutsch, Mathe, Englisch oder Rechnungswesen. Alles ziele darauf ab, sagt Cinici, die Jugendlichen „hereinzuziehen“, zu verhindern, dass sie gelangweilt auf der Straße herumlungern und vielleicht sogar Blödsinn machen. Auch Koran-Unterricht könnte es  der­einst geben. „Wir wollen die Jugendlichen aufklären, ihnen sagen, was wirklich im Koran steht und was nicht. Hier werden keine Hasspredigten gehalten.“ Wobei sich das Angebot ausdrücklich nicht nur an Türken richtet.

Russen und Griechen einladen

„Senden ist bunt“, sagt Cinici, „und das können wir hier zeigen.“ Noch nicht zu den offenen Tagen am Wochenende, aber zu darauf folgenden Veranstaltungen wolle man die anderen von Migranten gegründeten Organisationen einladen: den russischen Verein etwa, die Griechen. „Wir leben in Senden nicht nebeneinander her, sondern miteinander.“

Ab heute, Freitag, 6. Juli, bis Sonntag, 8. Juli, ist jeder im neuen Türkischen Haus in der Benzstraße willkommen. Es wird Speisen geben, verspricht Cinici, die man in keiner Kebap-Bude bekommt. Heute ist ab 16 Uhr jemand da, am Wochenende dann jeweils von 10 bis 22 Uhr. „Wir hoffen, dass viele Leute kommen, damit wir Vorurteile gegenüber Muslimen abbauen können.“

Planungs-Hick-Hack im Vorfeld des Verkaufs

Hürden Lange schien es, als ob der Bebauungsplan St.-Florian-Straße II den Verkauf der Immergrün-Stuben, die nach der Insolvenz des Schützenvereins an die Stadt gefallen waren, an die türkisch-islamische Gemeinde untersagt. Denn das Regelwerk verbietet „Anlagen für kirchliche, kulturelle und soziale Zwecke“. Dass in dem Gebäude nun dennoch gebetet werden darf, wurde  mit einem „Kniff“ erreicht, wie Bürgermeister Raphael Bögge sagte – konkret: über eine Nutzungsänderung des Schießraumes zu einem Mehrzweckraum. Damit greift das Kirchen-Verbot nicht. Wie viel der Verein für das Schützenheim bezahlt hat, ist nicht öffentlich, finanziert wird der Kauf über Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Verein Rund 260 Mitglieder hat der Sendener Ditib-Verein, der Vorsitzende ist Adil Atliham. Ditib ist die staatliche türkische Religionsbehörde. Diese entsendet Imame nach Deutschland. Neben dem Türkischen Haus gibt es zwei weitere muslimische Vereine in Senden: den Sendener Kultur- und Integrationsverein sowie einen Ableger von Millî Görüş.

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