Elchingen Streik bei Bosch Rexroth: „Produktion steht still“

Mitarbeiter und Gewerkschafter bei der Kundgebung vor dem Werkstor von Bosch Rexroth in Oberelchingen: Die Arbeitgeber sollen „ernsthaft verhandeln“
Mitarbeiter und Gewerkschafter bei der Kundgebung vor dem Werkstor von Bosch Rexroth in Oberelchingen: Die Arbeitgeber sollen „ernsthaft verhandeln“ © Foto: Thomas Vogel
Elchingen / Thomas Vogel 02.02.2018
Bei Bosch Rexroth in Elchingen haben nach Angaben der IG Metall etwa 900 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt.

Ungemütlich kalt war es am Donnerstag in der Frühe, als die Streikposten vor dem Ost-Tor des Bosch-Rexroth-Werks bei Oberelchingen Position bezogen. Es gab Kaffee und belegte Semmeln, in einem Zelt lagen Streiklisten aus. Mitarbeiter der Nachtschicht, die um 6 Uhr Feierabend hatten, trugen sich beim Verlassen des Werks ein – für die kommende Nachtschicht. Kollegen der Frühschicht, die das Werksgelände erst gar nicht betraten, ebenso.

Etwa 900 Mitarbeiter des Elchinger Werks haben am Donnerstag nach den Worten von Günter Frey, dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall Neu-Ulm/Günzburg, an dem 24-Stunden-Warnstreik teilgenommen. Damit wäre mehr als die Hälfte der ungefähr 1500 Belegschaftsmitglieder dem Streik­aufruf der Gewerkschaft gefolgt. „Die Produktion steht still“, sagte Frey am Morgen. Eine Bestätigung von der Werksleitung gab es am Donnerstag nicht. Die Auswirkungen des Ausstands ließen sich erst am Freitag bilanzieren, hieß es aus der Zentrale der Bosch Rexroth AG in Lohr am Main. Dort sowie im Werk in Schweinfurt beteiligten sich nach Angaben der IG Metall Bayern am Donnerstag insgesamt weitere 3400 Rexroth-Beschäftigte an dem Warnstreik.

Wer sich in Elchingen unter den Streikenden umhörte, erfuhr, dass die meisten das Verhalten der Arbeitgeberseite als Provokation empfinden. Die angebotenen zwei Prozent Lohnsteigerung, „sind ein Witz“, sagte Betriebsratsvorsitzender Horst Schnürzinger. Sechs Prozent lautet dagegen die Forderung der IG-Metall. Zudem will die Gewerkschaft einen individuellen Anspruch durchsetzen, die Wochenarbeitszeit für die Dauer von maximal zwei Jahren auf bis zu 28 Stunden verringern zu können. Die Arbeitgeber sollen einen Zuschuss leisten, um den mit der kürzeren Arbeitszeit verbundenen Lohnausfall teilweise auszugleichen. „Wir wollen mit der Aktion die Arbeitgeber zwingen, ernsthaft zu verhandeln“, rief Ute Opritescu von der IG-Metall-Bezirksleitung Bayern den Sreikenden vor dem Elchinger Werk zu.

Betriebsratsvorsitzender Horst Schnürzinger ist überzeugt, dass die Forderungen der Gewerkschaft auf breite Unterstützung in der Belegschaft stoßen. Dabei bezieht er sich auf eine Umfrage, die kürzlich eine „über 90-prozentige Zustimmung“ erbracht habe.

Schwerpunktmäßig Automobilzulieferer waren am Donnerstag von den Streiks betroffen. Die Hydraulikpumpen aus Elchingen werden zum Beispiel in Lastwagen, Baggern und Traktoren verbaut. Mit einer „unmittelbaren Fernwirkung“ des eintägigen Warnstreiks rechnet Schnürzinger indes nicht. Diese würde wohl erst nach einem dreitägigen Produktionsstopp eintreten. Schmerzhaft für den Konzern sei die Unterbrechung der Produktion dennoch: „Die jetzt schon vorhandenen Rückstände werden noch weiter verschärft.“ In Folge der äußerst guten Wirtschaftlage komme das Werk derzeit mit der Abarbeitung der Aufträge kaum noch hinterher.

Südwestmetall krtisiert Gewerkschaft

Ausstand In Ulm haben gestern nach Angaben der IG Metall etwa 300 Beschäftigte von Brehm  Präzisionstechnik an dem Warnstreik teilgenommen. Die Produktion habe den ganzen Tag stillgestanden. Seit gestern Abend wird auch bei Evobus in Neu-Ulm gestreikt , heute sollen sich Beschäftigte der Evobus-Tochter Bus-World Home anschließen. Auch für Liebherr in Ehingen gibt es einen Streikaufruf.

Arbeitgeber Als „unverantwortlich und völlig unangemessen“, kritisiert die Bezirksgruppe Ulm des Arbeitgeberverbands Südwestmetall die 24-Stunden-Warnstreiks. Diese stellten für die bestreikten Unternehmen eine erhebliche Belastung dar, die drohenden Schäden gingen weit über das übliche Maß von Warnstreiks hinaus. Südwestmetall-Ulm-Geschäftsführer Götz Maier: „Das Streikgebaren ist damit auch Gift für den Standort und alles andere als eine Werbung für die Mitgliedschaft im Flächentarif.“ Maier kritisiert ferner, dass die IG Metall in der jüngsten Verhandlungsrunde ein weitgehendes Angebot der Arbeitgeber abgelehnt habe. Der örtliche Verbandsvertreter betont auch: Die Forderung nach einem Entgeltzuschuss für bestimmte Arbeitnehmergruppen, die ihre Arbeitszeit verkürzen, sei rechtswidrig. Aus diesem Grund „sind auch alle Streiks dazu rechtswidrig“.