Oberelchingen / BARBARA HINZPETER  Uhr
Strahlende Gesichter an allen Tischen: Der Musikverein Oberelchingen gab ein Konzert eigens für die Asylbewerber und deren Freundeskreis. Die Begeisterung war groß, die Atmosphäre gelöst.

Spätestens bei "Surfin' USA" war das Eis gebrochen. Schwungvoll spielte die Blaskapelle den Hit der Beach Boys, den viele kannten und so gut wie alle zumindest schon mal gehört hatten. "Wir können Musik machen, und mit Musik kann man viel bewegen", sagte Vereinsvorsitzender Ulrich Vogt vor Beginn des Konzerts. Deshalb habe sich die Kapelle entschlossen, ganz bewusst ein Konzert für die Flüchtlinge zu geben - nicht zuletzt, "um ihnen einen Ausschnitt aus unserer Kultur zu präsentieren".

Das ganze Jahr über seien immer wieder einzelne Asylbewerber zu den Auftritten der Blaskapelle oder Big Band gekommen. "Da haben sich schnell Freundschaften entwickelt." Zur Freude der Elchinger, die sich im Freundeskreis engagieren, folgten am Dienstagabend zahlreiche Flüchtlinge der Einladung der Musiker. Vor allem junge Männer wohnen derzeit in der Unterelchinger Unterkunft. Manche haben schon intensive und freundschaftliche Kontakte am Ort geknüpft.

Andere leben erst seit wenigen Wochen oder Monaten dort. Doch rasch verflog ihre Unsicherheit an dem Abend im Konstantin-Vidal-Haus. "Musik vereint", sagte Ulrich Vogt, und er sollte Recht behalten. Auch wenn die Blasmusik in den Ohren mancher Zuhörer anfangs sehr ungewohnt klang, sprang der Funke rasch über. Zumal die Kapelle Kostproben gab aus ihrem breiten Repertoire von Verdi über Sinatra und Beach Boys bis hin zur bayerischen Gemütlichkeit. Riesenbeifall gab's für die Gesangseinlagen von Norbert Beer und Julia Götz. Und als der mutig und locker auf Englisch moderierende Carsten Hamaleser zur Schunkelrunde aufforderte, hatten alle ihren Riesenspaß.

"Look, kuck, guck", rief ein junger Afghane seinen deutschen und pakistanischen Tischnachbarn zu und schoss ein Foto nach dem anderen. Die Ehrenamtlichen vom Freundeskreis waren sehr angetan davon, wie schnell auch die Neuankömmlinge auftauten.

An den Tischen wurden bald lebhafte und interessante Gespräche in einem Gemisch aus Deutsch und Englisch geführt - zum Beispiel über die Hintergründe der Flucht, über die Situation der Familien in der Heimat der Flüchtlinge und die Sorge um sie sowie über die unterschiedlichen Feste und Bräuche zum Jahreswechsel.

Karin Danzer und Thomas Böhm gingen kurz auf die Bedeutung von Weihnachten ein, bevor sie die Überraschung verkündeten: In jedem der beiden Häuser der Unterelchinger Unterkunft wird in diesen Tagen ein Tischkicker aufgestellt. Finanziert wurden die Geräte über Spenden. Ein großer Teil davon kam von der Bio-Arbeitsgemeinschaft des Robert-Bosch-Gymnasiums Langenau, die das Geld bei ihrem Weihnachtsmarkt-Stand eingenommen hatte. Zur gelösten Stimmung im Konstantin-Vidal-Haus trug auch das vom Freundeskreis vorbereitete Büfett bei.

Bereits am frühen Abend hatten die Kinder, die ein Instrument beim Musikverein lernen, die Gelegenheit, vor Publikum aufzutreten. Unter den Zuhörern waren nicht nur ihre Eltern, Freunde und Verwandte, sondern auch etliche Flüchtlingsfamilien mit ihren Kindern, die der Musikverein zum Weihnachts-Vorspiel des Bläsernachwuchses eingeladen hatte.