Schon beim Frühstück ist Plastik allgegenwärtig. Margarine, Joghurt, Müsli – alles steckt in Kunststoffverpackungen. Im Bad geht’s weiter, mit Duschgel, Zahnpasta, Deo, Shampoo, und Flüssigseife zum Beispiel. Unglaublich, was in einem Haushalt innerhalb weniger Wochen zusammenkommt. In ganz Deutschland sind es laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung etwa 2,9 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen im Jahr.

Doch es geht auch anders, davon ist André Wieland aus Weißenhorn überzeugt. Möglichst noch in diesem Jahr will er einen Supermarkt eröffnen, in dem auf Kunststoffverpackungen verzichtet wird. „Klare Kante“ gegen die Plastikflut möchte der Familienvater damit zeigen und hat sein Projekt auch so genannt.

Jeder kann Plastikmüll verringern

Die Idee, etwas gegen die Kunststofflawine zu tun, hatte der Betriebswirt schon vergangenes Jahr. Jetzt, während des Urlaubs in Kroatien, ist daraus ein Entschluss geworden: Wieland sah, wie „Berge von Müll aus Italien, Butterdosen und was weiß ich was für Zeug“ an den Meeresstrand gespült wurden. Wieder zu Hause, las er las über riesige Plastikstrudel auf den Weltmeeren. Und er lernte einen Muschelsammler aus Ochsenhausen kennen, der ihm erzählte, nirgendwo auf der Welt mehr Muscheln zu finden, in denen nicht winzige Plastikteile steckten.

Jeder Einzelne, sagt Wieland, könne jetzt schon die Menge an Einwegverpackungen verringern: Obst und Gemüse lassen sich lose kaufen, Milch gibt es in der Mehrwegflasche, Wurst und Käse packt der Metzger in Mehrwegbehälter.

Mit „Klare Kante“ will er den nächsten Schritt machen. So möchte Wieland etwa 70 Prozent seiner Waren lose in Schüttspendern anbieten, wenn möglich in Bio-Qualität. Mehl und Zucker, aber auch Nudeln, Reis und Getreide wie Hirse und Quinoa könnten in mitgebrachte oder im Laden erhältliche Mehrweg-Verpackung gefüllt und nach Gewicht bezahlt werden. Für Alleinstehende, besonders Ältere, bringe das einen weiteren Vorteil: „Die Kunden können auch kleine Mengen kaufen, wenn sie nicht viel brauchen oder etwas einfach mal probieren wollen.“

Schon Kontakt zu Herstellern

Auch Milchprodukte soll es geben, saisonales Obst und Gemüse aus der Region – „Keine Melonen, keine Bananen!“ – und auch Körperpflege- und Haushaltsmittel. Das Sortiment werde der Nachfrage angepasst, sagt Wieland. Zu vielen Herstellern aus unterschiedlichen Bereichen habe er schon Kontakt. So gebe es tolle Zahnbürsten aus Bambus, Vesperdosen aus Zucker, Mineralien und Wachs und Bienenwachs­tücher statt Frischhaltefolie. Ein festes, mit einem Seifenstück vergleichbares Shampoo benutzt Familie Wieland selbst bereits: „Ein Stück ist so ergiebig wie drei herkömmliche Flaschen.“

Derzeit erstellt Wieland den Businessplan für seinen Laden, plant Behördengänge und schaut sich Gebäude in der Weißenhorner Innenstadt an. Zwei Objekte habe er in Aussicht – und er sei sich auch sicher, dass seine Idee in Weißenhorn Anklang finden werde: „Hier leben viele zukunftsbewusste Leute.“

Viel Zuspruch auf Facebook

Er wolle Kunststoffe nicht verteufeln und auch keinen missionieren, betont der Weißenhorner. In einigen Bereichen sei Plastik noch nicht zu ersetzen. „Aber Einwegverpackungen aus Kunststoff, die müssen wirklich nicht sein.“ Bei Facebook, wo er „Klare Kante“ und die seine Crowdfunding-Kampagne vorgestellt hat, bekommt der 32-Jährige viel Zuspruch. Nun hofft er auf viele Kleininvestoren, die ihm helfen, die 15.000 Euro zusammen zu bekommen, die er für die Innenausstattung des Ladens und die ersten Warenbestellungen benötige. „Ich brauche einen Funken, der das Feuer zum Brennen bringt.“

Info Weitere Auskünfte zum Supermarkt-Projekt per E-Mail an klarekante@outlook.com oder bei Facebook unter KlareKante.

Nur neun Prozent werden wiederverwertet


Müllmasse: Laut einer US-amerikanischen Studie hat die Menschheit seit den frühen 1950er Jahren etwa 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Bis 2015 wurden nur neun Prozent des Plastikabfalls wiederverwertet und zwölf Prozent verbrannt. Der große Rest landete auf Deponien oder in der Umwelt.