Nersingen "Die Zeitarbeit gehört abgeschafft"

Nersingen / OLIVER HEIDER 24.08.2013
Vor der Landtags- und Bundestagswahl haben Karl-Heinz Brunner und Karl-Martin Wöhner in Nersingen Station gemacht. Es wurde viel diskutiert.

Es ist Wahlkampf im Land - und kaum einer geht hin. Nur 13 von 55 Mitgliedern des SPD-Ortsvereins Nersingen waren am Donnerstagabend nach Straß in die Gaststätte Kupferdach gekommen. Dort standen Bundestagskandidat Karl-Heinz Brunner und Landtagskandidat Karl-Martin Wöhner den wenigen, aber sehr diskussionsfreudigen Genossen Rede und Antwort.

Ob es auf Bundesebene um den Kampf gegen Altersarmut, die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns, ein solidarisches Europa und einen höheren Spitzensteuersatz oder auf Landesebene um längeres gemeinsames Lernen in Schulen, eine bessere Kinderbetreuung und moderne Familienpolitik ging: Die meisten Ideen der Wahlkämpfer stießen auf Zustimmung.

Doch auch Kritik wurde laut. Eine Genossin beklagte, es gebe immer mehr Zeitarbeitsfirmen. "Auch die SPD hat damals nichts dagegen gemacht", sagte sie. Zeitarbeit sei sinnvoll, konterte Brunner, wenn der Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gelte. "Aber das muss seit Jahren geändert werden", insistierte die Frau. "Wir wollten das zu Zeiten der rot-grünen Koalition machen. Es gab damals Widerstand der Gewerkschaften", sagte Brunner. "Weil das ein Eingriff in die Tarifautonomie gewesen wäre." In der Großen Koalition sei es nicht mehr durchsetzbar gewesen.

Wer dachte, die Nersinger Genossen geben sich damit zufrieden, irrte. Lucio Testa, für die SPD im Gemeinderat, ergänzte: "Für mich gehört die Zeitarbeit abgeschafft." Sie führe zu einer Spaltung im Betrieb. "Ich nehme das mit", sagte Brunner. "In manchen Fällen ist Zeitarbeit sinnvoll. Wenn Unternehmen damit aber Löhne drücken wollen, ist das eine Sauerei."

In Straß wurde auch gefordert, dass Mütter für die Betreuung ihrer Kinder mehr Rente als heute bekommen sollten. Sie auf das durchschnittliche Niveau aufzustocken, sei nicht finanzierbar, sagte Brunner. Es gebe für das Rentensystem zu wenig Kinder. Das sah der SPD-Ortsvorsitzende Axel Arbeiter genauso: "Wir Deutschen sind unterzeugt. Junge Leute brauchen wieder mehr Sicherheit - und mehr Betreuungsmöglichkeiten." Dass Mütter für Kinder, die vor 1992 geboren sind, einen Rentenpunkt, andernfalls drei Punkte pro Kind bekommen, sei ungerecht, so Wöhner.

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